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Ferrum Noricum Hüttenberg, Archäologie

Ferrum Noricum Hüttenberg, archaeology

Brigitte Cech (ORCID: 0000-0002-8313-069X)
  • Grant-DOI 10.55776/P16069
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.01.2003
  • Projektende 31.12.2006
  • Bewilligungssumme 203.394 €

Wissenschaftsdisziplinen

Andere Naturwissenschaften (20%); Geschichte, Archäologie (80%)

Keywords

    Ferrum Noricum, Carinthia, Economic archaeology, Iron smelting sites, Mining settlements, Excavations

Abstract Endbericht

Ziel des interdisziplinär konzipierten archäologischen Projektes im Raum Hüttenberg, Kärnten, ist eine möglichst umfassende Erschließung eines für Österreich einmaligen antiken Wirtschaftsraumes. Dazu gehört einerseits die systematische Aufnahme der über ein größeres Areal verbreiteten Verhüttungsstätten (Schlackenplätze), die archäologische Untersuchung von nach Prospektionsergebnissen ausgewählten Fundstellen, aber auch die Kartierung der Altwege und Verdachtsflächen für Siedlungen und letztendlich die Erforschung hüttenspezifischer Materialien (Schlacken, Ofensteine, Feuerfestkeramik) und der Verhüttungstechnik. In drei je dreimonatigen Kampagnen sollen nach Prospektionsergebnissen ausgewählte Fundstellen archäologisch untersucht werden. Zur Erarbeitung eines möglichst umfassenden Bildes des antiken Hüttenwesens, werden Verhüttungsplätze unterschiedlicher Größe und Struktur für die Grabungen ausgewählt. Bei der Grabungsmethodik wird auf Besonderheiten von Hüttenplätzen eingegangen. Dazu gehört vorrangig das spezifische Fundmaterial (Holzkohle, Erze, Schlacken, Ofenbauteile), das nach einer bei der Ausgrabung einer frühneuzeitlichen Edelmetallhütte im Angertal, Salzburg entwickelten Methodik geborgen und dokumentiert werden soll. Durch die enge Zusammenarbeit mit dem metallurgischen Projekt wird gewährleistet, daß die Grabungsmethode auf naturwissenschaftliche Fragen in kompetenter Form eingeht, bzw. dahingehend modifiziert wird. Die für die archäologischen Untersuchungen vorgesehenen Fundstellen Kreuztratte, Jakamkogel, Semlach-Hohlweg und die Siedlungs-Verdachtsfläche Kirchbichl-Freidhöfl liegen im Gemeindegebiet von Hüttenberg.

Der Hüttenberger Erzberg gilt seit langem als Zentrum der Produktion des Ferrum Noricum, des berühmten, in den antiken Quellen erwähnten Norischen Stahls. Systematische Forschungsarbeiten fehlten jedoch bislang. Die archäologischen Untersuchungen konzentrierten sich auf die beiden Fundstellen Kreuztratte und Semlach/Eisner. Die Fundstelle Kreuztratte wurde erstmals im Jahr 1929 archäologisch untersucht und die Ergebnisse als kaiserzeitlicher Schmelzofen für Ferrum Noricum publiziert. Die Nachgrabungen haben ergeben, dass es sich dabei um einen Eisenschmelzplatz des 13./14. Jhs. handelt und dass die als Schmelzofen beschriebene Anlage ein neuzeitlicher Kalkbrennofen ist. Die Fundstelle Semlach/Eisner ist mit einer Größe von rund 50.000m die größte Fundstelle am Hüttenberger Erzberg. Die archäologischen Untersuchungen haben ergeben, dass hier von der 2. Hälfte des 1. Jhs. v. Chr. bis zur Mitte des 4. Jhs. n. Chr. Eisen geschmolzen wurde. Insgesamt konnten bislang sechs Schmelzöfen freigelegt werden. Die Bauart der Öfen ist relativ einheitlich. Sie sind in den anstehenden Boden eingetieft mit einer Arbeitsgrube für den Schlackenabstich und die Entnahme der Luppe. Anhand von Dendrochronologie kann für zwei Öfen eine Datierung in die Mitte des 4. Jhs. nach Chr. angenommen werden. In unmittelbarer Nähe von vier dieser Öfen konnten kleine Schmiedeessen festgestellt werden, die der Weiterverarbeitung der Luppen dienten. Der Arbeitsbereich mit den Schmelzöfen ist von zwei Mauern umgeben. Eine dieser beiden Mauern grenzt den Arbeitsbereich von der Schlackenhalde ab. An weiteren Befunden gibt es zwei kaiserzeitliche Kalkgruben und mehrere Pfostenlöcher und Gruben unbestimmter Zeitstellung, sowie die Ecke eines kasierzeitlichen Gebäudes. Das Fundmaterial umfasst Haushaltskeramik, aber auch Importkeramik, Bruchstücke von Glasgefässen und zahlreiche Tierknochen, an denen Metzgereispuren festgestellt wurden, die charakteristisch sind für urbanes römisches Milieu. Die Befunde, aber vor allem das Fundmaterial zeigen, dass hier nicht nur Eisen geschmolzen wurde, sondern auch Wohnstätten für die Hüttenarbeiter und Verwaltungsgebäude waren. Das einmalige dieser Fundstelle ist ihre große Flächenausdehnung, die Tatsche, dass hier rund 400 Jahre lang ein Industriestandort war und das Vorhandensein der Infrastruktur (Wohnen, Verwaltung etc.), die Aussagen über die Arbeitsorganisation, sowie das tägliche Leben der Arbeiter und Verwalter ermöglichen. Auf Grund der großen Flächenausdehnung und der Komplexität der Befunde sind weitere Ausgrabungen erforderlich, um die während des Projektes angefallenen Fragen zu beantworten. Die Arbeiten im Rahmen des Projektes erhöhten das Bewußsein der einheimischen Bevölkerung hinsichtlich der Geschichte des Ortes und wissenschaftlicher Arbeit. Eine Ausstellung im örtlichen Museum und die Einrichtung von Wanderwegen soll Besucher anziehen.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%

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