Theorie und Simulation bei Entscheidungen
Theory and Simulation in Decision Making
Wissenschaftsdisziplinen
Philosophie, Ethik, Religion (20%); Psychologie (80%)
Keywords
-
Theory,
Simulation,
Decision Making,
Design
In den kognitiven Wissenschaften ist ein wesentliches Ziel, die kognitiven Fähigkeiten des Menschen zu verstehen. Dabei geht man meist davon aus, dass diese Fähigkeiten auf intern repräsentierten Wissensstrukturen - auf mehr oder weniger expliziten Theorien - beruhen. Neuerdings ist eine alternative Sichtweise aufgetaucht, die Erklärung und Vorhersage menschlichen Verhaltens auf das Sich-Hineinversetzen, auf empathisches Nachfühlen, zurückführt: Verstehen durch "Nach-denken" (Theorie) versus Versteh durch "Nach-fühlen" (Simulation). Besonders heftig umstritten ist die Frage, ob unsere Entscheidungen durch Simulation verstanden werden können. Um diese Frage zu klären, benutzen wir eine Methode von Perner et al. (1999), die davon ausgeht, das Theorie und Simulation sich unterschiedlich gut für methodisch unterschiedliche Aufgaben eignen. Eine Theorie ist besonders leicht anwendbar, wenn der relevante Faktor klar hervorgehoben ist (z.B. wenn die relevante Bedingung innerhalb von Versuchspersonen manipuliert wird). Umgekehrt ist Simulation leichter möglich, wenn nur eine Situation simuliert werden muss (wenn z.B. die Bedingungen zwischen Versuchspersonen manipuliert werden). Experimentell werden Theorie und Simulation bei 4 unterschiedlichen Phänomenen untersucht: beim Framing- Effekt (der Umgang mit Risiko hängt von der positiven bzw. negativen Formulierung des Problems ab), beim If- Only-Effekt ("was-wäre-wenn"-Denken beeinflusst Natur und Stärke von Emotionen), beim Endowment-Effekt (der Besitz einen Objektes erhöht seinen Wert) und bei spieltheoretischen Situationen (Ultimatum Game). Zusätzlich klärt das Forschungsprojekt die Frage, wie weit diese Phänomene vom methodischen Zugang abhängen, und in welchem Ausmaß sie in der Realität tatsächlich vorhanden sind.
Menschliches Verhalten ist davon abhängig, was Menschen denken, was sie also glauben, wissen, hoffen, wollen, usw. Ein wesentliches Ziel des Projektes war die Klärung der Frage, wie wir wissen können, was andere Personen denken. Dies kann entweder auf der Anwendung einer Art Laienpsychologie beruhen, oder darauf, dass man sich in die Situation der anderen Person versetzt. Ersterer Zugang wird als "Theorie" bezeichnet, letzterer als "mentale Simulation". Die Erklärung und Vorhersage menschlichen Verhaltens kann also auf dem Sich-Hineinversetzen und "Nach-fühlen" (Simulation), oder dem "Nach-denken" (Theorie) beruhen. Besonders heftig umstritten ist die Frage, ob auch unsere Entscheidungen durch Simulation verstanden werden können. Die Idee hier ist folgende: wenn man andere Personen verstehen kann, indem man sich in ihre Situation versetzt, müsste man auch die eigenen Entscheidungen hypothetisch verstehen (vorhersagen) können, wenn man sich in die entsprechende Situation versetzt. Wir benutzten eine Methode von Perner et al. (1999), die davon ausgeht, das Theorie bessere Vorhersagen bei gleichzeitiger Darbietung der relevanten Stimuli erlaubt, während Simulation sich besser bei unabhängiger Darbietung eignet. Die Ergebnisse legen nahe, dass einige Entscheidungen weitgehend durch Simulation zustande kommen, (z.B. der unmittelbare Endowment-Effekt, oder der Framing- Effekt), während andere auf Theorie beruhen (z.B. der langfristige Endowment-Eeffekt, oder der Einfluss der Höhe von Beträgen für die Risikobereitschaft). Schließlich gibt es auch Entscheidungssituationen, in denen eine Mischung aus Theorie und Simulation zur Anwendung kommt (z.B. beim kontrafaktischen Denken). Entsprechend dieser Befunde wurden zwei Prinzipien formuliert, welche die Bedingungen für eine erfolgreiche Simulation von Entscheidungen festschreiben. So ist z.B. die Vorhersage von Entscheidungen mit Simulation nicht möglich, wenn es sich um Effekte handelt, die sich in der Zeit verändern.
- Universität Salzburg - 100%
Research Output
- 132 Zitationen
- 1 Publikationen
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2010
Titel Risky choice framing: Task versions and a comparison of prospect theory and fuzzy-trace theory DOI 10.1002/bdm.656 Typ Journal Article Autor Kühberger A Journal Journal of Behavioral Decision Making Seiten 314-329