Das keltische Gräberfeld von Mannersdorf
The celtic cemetery of Mannersdorf in its cultural context
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Naturwissenschaften (15%); Biologie (10%); Chemie (15%); Geschichte, Archäologie (60%)
Keywords
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Kelten,
Gräberfeld,
Migration,
Österreich
Das komplexe Problem von interkulturellen Beziehungen zwischen verschiedenen Regionen in der Frühlatènezeit kann kaum mit einem einzelnen wissenschaftlichen Projekt abgedeckt werden. Daher soll mit einer Kombination von Projekten und Methoden versucht werden, das Maximum an Ergebnissen zu erlangen. Dieses Projekt hat folgende Hauptziele: - Die archäologische Aufarbeitung des "keltischen" Gräberfeldes von Mannersdorf am Leithagebirge. Dabei können neue, für diese Region richtungsweisende Ergebnisse in Bezug auf die Gesellschaftsstrukturen gewonnen werden. Es ist außerdem sehr wichtig, so viele Artefakte wie möglich mit naturwissenschaftlichen Methoden zu analysieren, um neue, vielfältige Ansätze der genützten Herstellungstechniken und der ökonomischen Grundlagen wie Ressourcen und Lagerstätten zu bekommen. - Die Etablierung eines neuen Werkzeuges (Laser ablation inductively coupled plasma cell mass spectrometry) für annähernd zerstörungsfreie Analyse von Prähistorischen Funden, um signifikante Informationen zu erhalten (Projekt BOKU). Die Ergebnisse der archäologischen Analyse sollen mit den statistisch ausgewerteten Ergebnissen der Strontium- isotopen Analysen verglichen werden. Diese werden aus den entsprechenden urgeschichtlichen Skeletteilen gewonnen (Sr-Isotope zeigen mögliche Migrationsbewegungen von Einzelmenschen oder Gruppen an). Hauptziel dieses Projektes soll ein neuer Schwerpunkt in der Erforschung der "keltischen" Bewohner des Gebietes Österreich-Slowakei-Ungarn und ihre möglichen Migrationsbewegungen sein. Die wichtigste Innovation dieses Vorhabens ist es, anhand der Daten der Sr-Untersuchungen der Skelette verschiedene Gruppen unterschiedlicher Herkunft zu identifizieren. Wenn dieses möglich ist, haben wir ein kraftvolles neues Instrument, um die Struktur der Gesellschaft bzw. Gesellschaften, die ein Gräberfeld benützen, zu erkennen. Das Resultat würde neue Forschungsansätze in Bezug auf den enthogenetischen Prozeß der verschiedenen "keltischen" Stämme und ihrer "Multiethnizität" (in Bezug der Herkunft von einzelnen Personen von verschiedenen Gruppen), das bisher eher Spekulation war bzw. sich auf die Aussagen griechischer und römischer Autoren stützte, ermöglichen.
Schlüsselworte: Archäologische Analyse, Elitegräber, Zentraleuropäischer Korridor, Ressourcenverteilung, Materialanalysen, Mobilität Das Projekt kombiniert sich aus zwei Teilen zusammen: 1) Die archäologische Analyse des "keltischen" Gräberfeldes von Mannersdorf am Leithagebirge 2) Naturwissenschaftliche Untersuchungen Ad 1) Hier konnte die Arbeit erfolgreich mit einer vollständigen Vorlage des Gräberfeldes abgeschlossen werden. Neben der Darstellung der Quellen (Katalog, Tafeln,) wurde die typologisch-chronologische Auswertung betrieben, die zu einer Datierung der Gräber führte. Die Artefakttypen wurden in detaillierte Varianten unterteilt, zum Teil auch gewisse Merkmale in Bezug zueinander gesetzt und ihre Entwicklung beobachtet, sodann erfolgte die Eingabe in eine Datenbank. Bei der weiteren statistischen Auswertung zur Wertung der Stellung des Gräberfeldes bzw. der einzelnen Gräber zueinander wurde der so genannte "Werkstoffindex" berechnet, weiters die Alters- und Geschlechterverteilung analysiert und Trachtausstattungen aufgestellt. Auch konnte zahlreiche Aspekte der Kunstgeschichte in Vergleich mit den umliegenden zeitgleichen Kulturen betrachtet werden. Als eines der Hauptergebnisse dieser Auswertungsstufen kann die Etablierung der Gruppe der "Latène B1 Elitegräber" genannt werden. Diese so ausgestatteten Gräber bilden die absolute Spitze der Ausstattungen und haben ihre Vergleichsbeispiele von der Champagne über die Schweiz bis Nordwestungarn. Für diesen Bereich soll der Terminus "Zentraleuropäischer Korridor" etabliert werden. So wird eine Annäherung einer Darstellung dieser auf diesem Gräberfeld bestatteten Bevölkerungsgruppen in europäischen Kontext erreicht. Ad 2) Zahlreiche naturwissenschaftliche Analysen (Anthropologie, Metallurgie, Materialanalysen, Keramikanalysen, ) ergänzen die Sicht auf die Quellen. So wurden Analysen der Eisenschmiede- und Goldschmiedetechnik angefertigt, die den technischen Stand der damaligen Zeit widerspiegeln. Auch wurden Materialanalysen von Bronze und Keramik durchgeführt, die die Rohstoffherkunft und die Verteilung der Ressourcen zeigen. Die Europaübergreifenden Analysen von Fibeln (Material) und Knochenproben (Strontiumanalysen) konnte mittels der LA-ICP MS (BOKU Wien) durchgeführt und in eine Messserie an 97 Bronzefibeln aus der Schweiz, Frankreich, Österreich und Tschechien ausgeführt werden. Bei den Zahnschmelz- und Knochenproben wurden 123 (56 aus Österreich, 54 aus Tschechien und 13 aus Frankreich) analysiert. So konnte eine Verteilung der Bronzelegierungen in Mitteleuropa und eine gewisse Mobilität der Bevölkerung beobachtet werden.