Urkundenbuch der Steiermark (1192-1246)
Edition of Styrian documents (1192-1246)
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (100%)
Keywords
-
Edition,
Mittelalter,
Urkunden,
Steiermark,
Babenberger
Ziel des Projekts ist die kritische Edition jener Urkunden, die sich auf die Geschichte der Steiermark zur Zeit der babenbergischen Herrschaft beziehen. Zweck dieser Edition ist die Bereitstellung einer den heutigen Ansprüchen entsprechenden, möglichst vollständigen und dazu verläßlichen Textgrundlage aller urkundlichen und urkundenähnlichen (d.h. auch brieflichen) Texte, die von einem steirischen Aussteller herrühren, sich an einen steirischen Empfänger oder Adressaten richten bzw. Objekte in der Steiermark betreffen. Eine solche Ausgabe mit verläßlichen Texten und zuverlässigem Kommentar ist eine Hauptvoraussetzung für die historische Forschung, und zwar weit über den engeren steirischen Rahmen hinaus. Dieses Projekt steht im Rahmen eines größeren Unternehmens, das von der Historischen Landeskommission für Steiermark schon seit längerem betrieben wird: nämlich der Neuedition und Fortsetzung des seit 1875 erschienenen Urkundenbuchs der Steiermark, welches für die Zeit bis 1260 schon seit langem völlig überholt ist und dies in mancher Hinsicht bereits bei seinem Erscheinen war. Die Historische Landeskommission für Steiermark hat daher bereits im Jahre 1967 dem damaligen Ordinarius für Mittelalterliche Geschichte und Historische Hilfswissenschaften an der Universität Graz, Univ.-Prof. Dr. Friedrich Hausmann, die Neubearbeitung der Zahn`schen Bände 1-3 und die Fortsetzung ab Band 5 anvertraut. Damit verbunden war zugleich eine Änderung des Zahn`schen Konzepts. F. Hausmann hat in vieljährigem Arbeitseinsatz zunächst eine wahrhaft imponierende Materialsammlung aufgebaut, die den einschlägig Arbeitenden als "Sammlung Hausmann" ein Begriff geworden ist. Im Interesse des möglichst zügigen Fortgangs der Edition wurde die Neubearbeitung der Zahn`schen Bände 1-3 im Einvernehmen aller Beteiligten im Jahre 2001 in folgender Weise aufgeteilt: F. Hausmann bearbeitet die Traditionen sowie den 1. Band der "eigentlichen" Urkunden und Briefe (bis 1192). Der Antragsteller, der schon bisher an der Sammeltätigkeit (außer in der Steiermark in Tschechien, Italien und Slowenien) beteiligt gewesen ist und der auch schon einschlägige Arbeiten publiziert hat, übernimmt die Neubearbeitung der Bände 2 (1192-1246) und 3 (1246-1260). Für die Konzentration auf die Neubearbeitung des 1879 erschienenen zweiten Teils des Zahn`schen Werkes sprechen die Synergieffekte, wleche sich aus dem ebenfalls vom Antragsteller bearbeiteten Urkundenbuch des Patriarchats Aquileia (bis 1250) ergeben. Diese Synergieeffekte ergeben sich sowohl im Bereich der Texte wie in jenem der Rer Register.
Es wurde die Neuausgabe eines Quellenwerks zur mittelalterlichen steirischen Geschichte vorbereitet. - Die Geschichtswissenschaft braucht für ihre Arbeit Werke, in welchen die aus der Vergangenheit auf uns gekommenen Texte gesammelt sind. Aufgabe dieser Werke ist es, die oft unvollständigen, undatierten, schwer lesbaren, schwer verständlichen, bisweilen nachträglich veränderten und nicht immer echten Texte in verlässlichem Wortlaut und mit den nötigen Erläuterungen darzubieten. Diese Werke veralten dadurch, dass im Nachhinein weitere Texte aufgefunden werden, oder Originale anstelle bisher allein bekannter Abschriften, oder dass Fehler in der Bearbeitung (z.B. falsche Datierungen) als solche erkannt werden. Übersteigen diese Veränderungen des Wissensstandes ein bestimmtes Ausmaß, dann ist eine Neubearbeitung vonnöten - so wie in dem gegenständlichen Projekt, in welchem es um die Dokumente über rechtliche Handlungen zur steirischen Geschichte von 1192 bis 1246 geht, also aus der ersten Periode des politischen Zusammenschlusses von (Nieder-)Österreich und Steiermark, unter der Regierung der Babenberger. Der neu zu bearbeitende zweite Band des einst von Josef von Zahn bearbeiteten Urkundenbuchs des Herzogtums Steiermark war schon zur Zeit seines Erscheinens im Jahre 1879 Gegenstand heftiger Kritik. Anstelle der dort zusammengestellten 470 Nummern bzw. Texte liegen jetzt nahezu 1300 Texte aus demselben Zeitraum vor. Diese Vermehrung ergab sich einerseits aus anderen Aufnahmekriterien, andererseits aus den von Herrn Prof. F. Hausmann in jahrelangen Archivreisen in ganz Mitteleuropa zusammengestellten Materialien, teils aus der systematischen Durcharbeitung von seit 1879 erschienenen Textausgaben wie auch der wissenschaftlichen Literatur. Diese enorme Erhöhung der Dokumenten-Anzahl war bei Beginn der Projektarbeit in diesem oder ähnlichem Ausmaß nicht vorhersehbar und hat daher den ursprünglichen Arbeitsplan umgeworfen. Daher konnten die Texte noch nicht für alle rund 1300 Urkunden hergestellt werden, sondern vorerst nur für die gute Hälfte. Eingearbeitet sind ferner fast 3000 Hinweise auf schon existierende Drucke von steirischen Urkunden, nahezu 1500 Hinweise auf Regesten und knapp 3000 Hinweise auf einschlägige Angaben in der wissenschaftlichen Literatur. Aber obwohl infolge der Verdoppelung der Urkundenzahl gegenüber den Erwartungen die Bearbeitung der Urkunden unvollständig geblieben ist, so ist doch Vorsorge getroffen, dass das bisher Geleistete der Wissenschaft sehr bald unmittelbar zugute kommt: Die Historische Landeskommission für Steiermark, unter deren Patronanz das ganze Unternehmen steht, sorgt aus eigenen Mitteln zunächst für einen vorläufigen Abschluss in einer solchen Version, welche den Autoren am Hochmittelalter-Band der neuen Landesgeschichte der Steiermark zur Verfügung gestellt werden wird. Daraus sind zugleich Rückmeldungen zu erwarten, welche ihrerseits die Weiterarbeit am Urkundenbuch fördern werden.
- Universität Graz - 100%