Skulptur des 16. Jahrhunderts in Österreich
16th century sculpture in Austria
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (10%); Kunstwissenschaften (90%)
Keywords
-
Renaissance,
Sculpture,
Austria
Während wir beispielsweise über Gotik und Barock einen im wesentlichen befriedigenden Überblick haben, kann man von der Renaissanceskulptur in Österreich behaupten, daß sie vergleichsweise ein Schattendasein führt. Der Grund dafür liegt zu einem großen Teil in der weitgehenden Unkenntnis des Materials. Daher ist eine gründliche Untersuchung auf diesem Gebiet ein ebenso dringendes, wie schon lange bestehendes Desiderat der Forschung, wobei teilweise sicherlich erst "Pionierarbeit" zu leisten sein wird.Daß das 16. Jahrhundert in Österreich im allgemeinen und die Plastik im besonderen in der kunsthistorischen Literatur bisher keine umfassende Darstellung erfahren hat, mag an der Inhomogenität liegen, mit der sich uns das Jahrhundert mit seinen vielfältigen - sich z.T. überlappenden - künstlerischen Strömungen präsentiert.Prinzipiell würde es daher darum gehen, einen Überblick über das in Frage kommende Material zu schaffen und dasselbe dann hinsichtlich Typus, Ikonographie und Stil zu analysieren, der Frage nach Einflüssen und Auftraggebern nachzugehen, um so ein differenzierteres Bild der Skulptur des 16. Jahrhundert in Österreich zu erhalten und damit auch einen Beitrag zur ganzheitlichen Erforschung eines Abschnittes innerhalb der Österreichischen Kunstgeschichte zu leisten.
Die Durchführung des Projektes zur Erforschung der Skulptur des 16. Jahrhunderts in Österreich ermöglichte es, eine Lücke innerhalb der österreichischen Kunstgeschichte zu schließen. Erstmals konnte ein Überblick über das Material geschaffen werden, auf dessen Grundlage weitere Untersuchungen auf diesem Gebiet erst sinnvoll und möglich wurden. Bislang unbekannte Objekte von bemerkenswerter Qualität konnten dabei entdeckt werden, was in der Folge auch dazu führte, Werke, deren Zuordnung und Klassifizierung bislang noch nicht möglich war, überzeugend zuzuweisen. Mit der Bestandaufnahme war auch eine stilistische Analyse der Werke verbunden, u.a. mit dem Ziel, die verschiedenen Einflussquellen - betreffend vor allem italienische, niederländische und süddeutsche Komponenten - aufzuzeigen. Dadurch wurde es möglich, die Skulptur des 16. Jahrhunderts in Österreich in den gesamteuropäischen Kontext einzubinden und zugleich ihre Eigenart zu charakterisieren. Neben den Fragen nach dem Stil wurden auch Fragen nach der Ikonographie, nach Auftraggebern, Material und Funktion bearbeitet. Es zeigte sich ferner, dass die politische und kirchenpolitische Situation der Zeit in der Plastik ihren Ausdruck fand (Spannungen zwischen Landesfürsten und ständischem Adel, Reformation und Gegenreformation), so daß den Untersuchungsergebnissen neben dem kunsthistorischen auch ein bedeutender kulturhistorischer Stellenwert zukommt. Der Komplexität und Heterogenität des Materials Rechnung tragend, ist es gelungen, dieses in seiner Eigenart zu erfassen und es Kunstlandschaften bzw. einzelnen Künstlerpersönlichkeiten zuzuordnen und so zu einer wesentlichen Vervollständigung des Bildes der Renaissanceskulptur in Österreich zu kommen und zu einer Klärung in entscheidenden Forschungsfragen beizutragen. Die Ergebnisse dieses Forschungsprojektes sollen in Buchform veröffentlicht werden.
- Universität Wien - 100%