Ödön von Horváth: Grundlagen einer kritisch-genetischen Ausgabe
Ödön von Horváth: Prerequisites for a Critical Edition
Wissenschaftsdisziplinen
Medien- und Kommunikationswissenschaften (20%); Sprach- und Literaturwissenschaften (80%)
Keywords
-
Literatur Österreich,
Ödön von Horváth,
Kritische Ausgabe
Die bestehenden Ausgaben zu Ödön von Horvth (1901-1938) präsentieren neben den Endfassungen der Texte Teile des genetischen Materials und vermitteln damit einen Einblick in den hochkomplexen Arbeitsprozeß des Autors. Grobe Unzulänglichkeiten lassen sich in der editorischen Umsetzung feststellen. Anhand der Materialien des Horvth-Nachlasses am Österreichischen Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek wäre hier eine grundsätzliche Revision durchzuführen: Textstufen müßten sauber isoliert, einer präzisen Transkription unterzogen und anhand ausgewiesener Kriterien in eine genetische Reihenfolge gebracht werden. Eine philologische Textbasis wie diese würde nicht nur der Horvth-Forschung neuen Stoff verleihen, sondern auch dazu beitragen, das Werk des Autors auf der Bühne noch präziser umsetzen zu können.
In dem Projekt wurden die Grundlagen einer neuen, kritisch-genetischen Gesamtausgabe des bedeutenden österreichischen Dramatikers und Prosaautors Ödön von Horvth (1901-1938) geschaffen: Der Hauptnachlaß des Autors am Österreichischen Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek und ein dort befindlicher Splitternachlaß wurden geordnet, verzeichnet und mit einer neuen Signatur versehen Außerdem wurde der Nachlaß des vormaligen Horvth-Herausgebers Traugott Krischke, der sich ebenfalls am Österreichischen Literaturarchiv befindet, gesichtet und die darin enthaltenen Dokumente (Typoskripte, Briefe, Bilder und Lebensdokumente des Autors) chronologisch zugeordnet. Parallel dazu wurde an den Texten Horvths gearbeitet: Das bisher gedruckt vorliegende Material wurden eingescannt und manuell korrigiert, darüber hinaus wurde nach weiteren Texte von und über Ödön von Horvth recherchiert. Einen Schwerpunkt bildeten hierbei die Jahre von 1927 bis 1931; Mikrofilmrecherchen in Berliner Zeitungen und Zeitschriften und ein Besuch verschiedener Archive und Bibliotheken förderten etliche "vergessene" Dokumente zu Tage, die unter anderem über Horvths Verhältnis zum Berliner Theater- und Literaturbetrieb Aufschluß geben. Auch einige völlig unbekannte Zeitschriftenpublikationen des Autors wurden entdeckt. Anhand der umfangreichen Werkmaterialien zu Horvths Stück Geschichten aus dem Wiener Wald wurde ein konkret umsetzbares Editionsmodell entwickelt. Als Basis dieser sogenannten "Wiener Ausgabe" dient ein chronologisches Verzeichnis aller Textzeugen, in dem die vorhandenen Entwürfe und Zwischenfassungen isoliert und Argumente für deren Reihung ausgewiesen werden. Ein Gliederungs-, Siglierungs- und Begriffssystem vermittelt zwischen der Ablage des Materials, der Arbeitsweise Horvths und den Bedürfnissen des Lesers. Mit Projektende liegt ein abgeschlossener Probeband zu den "Geschichten aus dem Wiener Wald" vor. In ihm finden sich sämtliche Struktur-pläne des Autors und alle Zwischenfassungen transkribiert sowie die beiden Endfassungen des Stückes (jene in sieben Bildern und jene in drei Teilen) in gültiger Form umgesetzt.