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Gesang und Spermienkokurrenz bei der Rohrammer

Song and sperm competition in the reed bunting

Hans Winkler (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/P15596
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.09.2002
  • Projektende 31.12.2005
  • Bewilligungssumme 180.741 €

Wissenschaftsdisziplinen

Biologie (100%)

Keywords

    Bird Song, Extra-Pair Copulations, Sperm Competition, Emberiza schoeniclus

Abstract Endbericht

Warum und wie Weibchen Kopulationspartner außerhalb des Paarbundes wählen, ist eine wichtige Frage zur Evolution von sozial monogamen, aber genetisch promiskuiden Fortplanzungsystemen bei Vögeln. Über die Rolle von Signalen beim "Fremdgehen" ist noch immer wenig bekannt. In unserem Projekt werden wir vor allem die Funktion des Vogelgesanges in Beziehung zu Fremdkopulationen untersuchen. Wir haben dafür mit der Rohrammer (Emberiza schoeniclus) eine besonders geeignete Art mit einer sehr hohen Rate an Fremdvaterschaften ausgewählt. Wir werden mehr als korrelative Beziehungen suchen; das zentrale Ziel des Projektes ist es, experimentell kausale Zusammenhänge zu zeigen. Neun verschiedene Hypothesen werden untersucht. Unter anderem, werden wir - als erste im Freiland - überprüfen, ob Männchen durch ihren Gesang andere, verpaarte Weibchen "täuschen" können, um Fremdkopulationen zu erlangen. Wir werden testen, ob der Gesang ein "ehrliches Signal" für Männchenqualität ist und wir werden Versuche durchführen, um zu zeigen, welche Gesangsmerkmale gewählt werden. Wir werden folgende Fragen untersuchen, die mit der Gesangsaktivität in verschiedenen Phasen der Brutsaison verbunden sind: Ist die Gesangsaktivität vor der Paarbindung ein Anzeiger für Männchenqualität? Singen Männchen in der fertilen Periode dann häufiger, wenn ihre Partner öfter "fremdgehen"? Singen die Männchen während des Brütens ihrer Weibchen, um andere Weibchen für Fremdkopulationen anzulocken oder versuchen sie mit Gesang den eigenen Partner für den nächsten Brutversuch zu behalten? Oder hat der Gesang nach der Paarbindung keine sexuell selektierte Funktion und ist er an das eigene Weibchen gerichtet, um den Feindruck zu verringern? Um diese Fragen zu beantworten, werden wir Resultate aus Beobachtungen, aus Experimenten im Freiland und in Volieren und aus den Vaterschaftsanalysen kombinieren. Das vorgeschlagene Untersuchungsgebiet liegt im Schilfgürtel des Neusiedler Sees, die meisten Versuche zur Weibchenwahl werden wir in den Volieren des Konrad Lorenz Instituts für Vergleichende Verhaltensforschung in Wien durchführen. Unsere Versuche werden Ergebnisse zu Funktionen des Gesanges bei der Rohrammer liefern; sie werden aber darüber hinaus auch einen Beitrag zum Verständnis der Evolution von akustischer Kommunikation in sozialen und genetischen Paarungsystemen leisten.

Partnerwahl und Konkurrenz um Partner sind zentrale Themen für alle Organismen. Im Laufe der Evolution entstanden eine Fülle von Anpassungen, um Individuen in diesem ewigen Wettstreit optimal bestehen zu lassen. Wenn Weibchen sich für ein Gelege mit mehreren Männchen paaren, sprechen Wissenschaftler von Spermakonkurrenz im weitesten Sinn. Weibchen paaren sich nicht ziellos, sondern suchen Männchen nach verschiedenen Kriterien aus. Die generellen ökologischen Randbedingungen beeinflussen dabei, ob es den Weibchen mehr auf die unmittelbaren Beiträge des Männchens, etwa zur Brutpflege, ankommt, oder ob seine genetischen Qualitäten den Ausschlag geben. Genetische Qualitäten könne vielfältig sein. Sie reichen von vererbbarer Attraktivität bis zur Resistenz gegenüber Krankheiten. Die negativen Effekte der Inzucht sind hierbei ebenfalls ein wichtiger Gesichtspunkt. Männchen signalisieren ihre Qualitäten z. B. mit Gesang. Daher war es ein Anliegen des Projektes, genetische Untersuchungen mit bioakustischen Untersuchungen zu kombinieren. Die Untersuchungen belegten, dass Weibchen tatsächlich sehr häufig fremdgehen: in 76% Prozent der untersuchten Nester saß mindestens ein Junges, dessen Vater nicht der soziale Partner der Mutter war. Unter solchen Umständen würde man erwarten, dass der Gesang des Männchens in erster Linie daraufhin optimiert ist, andere Männchen zu vertreiben und dabei gleichzeitig andere Weibchen für einen Seitensprung anzulocken. Eines der Ergebnisse des Projekts war jedoch, dass Männchen offenbar auch singen, um die brütenden Weibchen darüber zu informieren, dass "reine Luft" herrscht und das Nest ohne Gefahr für eine Brutpause verlassen werden kann. Die genetischen Daten zeigten, dass tatsächlich weniger Junge hoch kommen, wenn die Eltern nahe verwandt sind. Nach weiteren Analysen wird sich heraus stellen, ob die Weibchen in der Lage sind ihre verwandtschaftliche Nähe zum Männchen anhand seines Gesangs zu bestimmen.

Forschungsstätte(n)
  • Österreichische Akademie der Wissenschaften - 100%

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