Bertold Löffler - das künstlerische Werk
Bertold Löffler - the work of the artist
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (20%); Kunstwissenschaften (80%)
Keywords
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BERTOLD LÖFFLER,
WIENER WERKSTÄTTE,
VIENNESE MODERNISM,
ARTS AND CRAFTS AROUND 1900,
JUGENDSTIL,
DESIGN
Bertold Löffler (1874-1960) kommt als universellem Künstler und prägendem Lehrer hohe Bedeutung für die österreichische Kunst im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts zu. Umso bedauerlicher ist es, daß sein Wirken und sein künstlerisches Schaffen bislang erst in Teilaspekten beleuchtet wurde und eine umfassende Forschungsarbeit zu seiner Kunst immer noch aussteht. Während andere Wiener Künstler seiner Generation, wie beispielsweise Josef Hoffmann, Michael Powolny und Kolo Moser, mit welchen Löffler intensiv als Mitarbeiter der Wiener Werkstätte zusammenarbeitete, längst durch Monographien bekannt gemacht wurden, steht eine umfassende Arbeit über Bertold Löffler immer noch aus. Dies mag wohl an der Vielschichtigkeit von Löfflers künstlerischer Tätigkeit liegen, der gleichermaßen als Maler, Graphiker und Keramiker wirkte, wie auch daran, daß der Umfang seines Oeuvre nur in Ansätzen bekannt ist und so eine Aufarbeitung erschwerte. Ziel des Forschungsprojektes ist es, dem Schaffen Bertold Löfflers in seiner Vielgestaltigkeit gerecht zu werden. Der Schwerpunkt soll dabei auf seiner Tätigkeit in den beiden ersten Jahrzehnten des zwanzigsten Jahrhunderts liegen. Diese Einschränkung erscheint hinsichtlich eines geschätzen Oeuvres von rund 8000 Werken notwendig und steht auch in einem Verhältnis zur österreichischen und europäischen Bedeutung seines Schaffens. In diese Periode fällt nämlich Löfflers Mitarbeit an den künstlerischen Großprojekten seiner Zeit (Palais Stoclet, Kabarett Fledermaus, Sanatorium Purkersdorf, Salzburger Volkskeller, u. a.), die er, gemeinsam mit Josef Hoffmann, zumeist für die Wiener Werkstätte schuf und die herausragenden Leistungen als Raumgestalter vor Augen führen. In diesen Zeitraum fallen ebenso die bedeutenden Leistungen auf dem Gebiet der Keramik in seiner gemeinsam mit Michael Powolny gegründeten Firma "Wiener Keramik". Auch seine gelungensten Schöpfungen als Graphiker für Buch- und Plakatkunst stammen aus dieser Periode. Überdies ist in diesem Zeitraum auch Löfflers Schaffen aus dem Ersten Weltkrieg enthalten, das seine ausdrucksstärksten Arbeiten beeinhaltet, deren Existenz kaum bekannt ist und dessen wissenschaftliche Bearbeitung bislang völlig unterblieb. Einen weiteren wichtigen Schwerpunkt des Projekts bilden Löfflers monumentale Fassadenmalereien und Innenraumgestaltungen, die er in den zwanziger und frühen dreissiger Jahren schuf und die eine Sonderstellung im Spätwerk des Künstlers einnehmen. Diese wenig erhaltenen Arbeiten sind als seltene Beispiele in ihrer Zeit von besonderem kunst- und kulturhistorischem Interesse. Auffälligerweise entstanden sie meist in Zusammenhang mit Hotelbauten des Architekten Rudolf Frass, der bisher so gut wie gar nicht bearbeitet ist und der Fachwelt daher weitgehend unbekannt blieb. Er zählt jedoch zu den herausragendsten Architekten des Heimatstils in Ostösterreich zwischen etwa 1910 und 1930. Die späteren Werke Löfflers sollen aufgrund ihrer immer geringer werdenden künstlerischen Qualität nur punktuell erfaßt werden, soweit dies für die Gesamtdarstellung notwendig ist. Eine diesbezügliche klare zeitliche Grenzziehung ist im Moment nicht möglich, doch gehört gerade die Problematik des Gestaltungsniveaus bei Löffler zu den offenen Fragen, auf die das Forschungsvorhaben eingehen wird.
Im Rahmen unseres Forschungsprojekts zur Aufarbeitung von Leben und Werk des Wiener Künstlers Bertold Löffler (1874-1960) gelang es erstmals, das vielschichtige und umfangreiche künstlerische Schaffen des Malers, Grafikers und Kunstgewerblers durch eine Reihe von Werkverzeichnissen zu erfassen. Waren bislang nur die Glanzpunkte seiner Arbeiten in der Fachwelt bekannt, so kann nun auf umfangreiche Katalogisierungen verwiesen werden, die bislang unbekanntes und in der Vielfalt überraschendes Material vorlegen. Den Hauptteil bildet das Gemäldeverzeichnis, das mit 180 Nummern eine Verzehnfachung des bislang bekannten Werkkatalogs bietet. Von den ersten dokumentierten Jugendarbeiten bis hin zum Spätwerk kann das malerische Schaffen Löfflers nun in seinen stilistisch wie thematisch divergierenden Ausprägungen nachvollzogen werden. Die exakte Werk-Erfassung von Löfflers künstlerischer Produktion macht klare Schwerpunkte in seinem Werdegang fest, die auch aus einigen neu aufgefundenen Skizzenbüchern seiner Studienzeit ablesbar werden. Mit seiner 1899 erschienenen Ver-sacrum-Persiflage "Quer sacrum" nahm der junge Maler die Wiener Secession aufs Korn und stellte damit eine selbstironische Komponente unter Beweis. Diese wird auch in seinen Illustrationen für die Zeitschriften "Lucifer" und "Der liebe Augustin" sichtbar, die ihn in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts ebenso wie seine Buchillustrationen für den "Wiener Verlag" beschäftigen. Während die Buchillustration sowie die Gelegenheitsgrafik diese ersten Jahre als freischaffender Künstler bestimmen, treten 1906 bis 1914 kunstgewerbliche Arbeiten in den Mittelpunkt. Die Gründung der "Wiener Keramik" gemeinsam mit Michael Powolny 1906 bildet einen Markstein in der künstlerischen Entwicklung Bertold Löfflers, aber auch in der Geschichte der Keramik in Wien zu Beginn des 20. Jahrhunderts im allgemeinen. Durch die Beleuchtung der Tätigkeit Löfflers in diesem so eng mit der "Wiener Werkstätte" kooperierenden Unternehmen wird eine Forschungslücke geschlossen. Eine nicht unerhebliche Zahl der bislang Michael Powolny zugeschriebenen Arbeiten müssen aufgrund der nun vorliegenden Auswertung von Skizzenbüchern der Autorenschaft Bertold Löfflers zugeschrieben werden.