Annales Fuldenses - Studien zur fränkischen Historiographie
The Fulda Annals - Studies in Frankish Historiography
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (100%)
Keywords
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FRANKEN,
HISTROIOGRAPHIE,
HANDSCHRIFTENÜBERLIEFERUNG,
GESCHICHTE 9. JAHRHUNDERT,
KAROLINGERREICH,
ANNALEN
Forschungsprojekt P 14313Annales Fuldenses - Studien zur fränkischen HistoriographieWalter POHL06.03.2000 Die Annales Fuldenses sind die bedeutendste historiographische Quelle, die über das ostfränkische Reich im 9. Jh. berichtet. Sie enthalten zahlreiche Nachrichten über das karolingische "Ostland", die in keiner anderen Quelle zu finden sind. Die Annales Fuldenses sind deshalb für die Untersuchung der Geschichte des mitteleuropäischen Raumes von größter Bedeutung. Doch der Text hat seine eigene Geschichte, die wesentlich komplexer ist, als es die MGH-Edition, und alle weiteren, erkennen lassen. Ab 882 sind mehrere deutlich abweichende Parallelüberlieferungen erhalten. Zuletzt wurde mehrfach eine Neuuntersuchung der Entstehungsgeschichte und der Überlieferungsverhältnisse gefordert. Das vorgeschlagene Projekt soll Text und Kontext der Annales Fuldenses systematisch untersuchen. Es soll mit Hilfe elektronischer Medien Neu-Kollationierung, Analyse und Vergleich der wesentlichen Handschriften durchführen. Die Projektergebnisse können im Web-Diskussionsforum der Forschungsstelle von Spezialisten diskutiert und im Internet zugänglich gemacht werden. Dabei soll auch die Frage einer Neuedition und des dafür geeignetsten Mediums (CD-ROM oder Internet-Publikation und/oder Druckausgabe) geklärt werden. Daneben sind allgemeine methodische Innovationen für den Umgang mit mittelalterlichen Quellen erwarten. Das Projekt soll zudem die Anwendung eines neuen Paradigmas der Textüberlieferung erproben, das bei der Untersuchung karolingischer Annalen noch nicht ausreichend verwendet wurde. Frühere Editoren suchten in der Regel einen Urtext zu rekonstruieren und dazu die Handschriften in einem Stemma hierarchisch zu ordnen. Neue Ansätze dagegen gehen gerade von der Vielfalt der Handschriften aus, die selbst zum Gegenstand der Betrachtung wird. Die Handschriften der Annales Fuldenses und die aus ihnen rekonstruierbaren Rezensionen verkörpern spezifische Wahrnehmungen der Vergangenheit, oft auch unterschiedliche politische Strategien, und geben Auskunft über den kulturellen Kontext der spät- und nachkarolingischen Epoche. Ihre Untersuchung kann daher zu einem besseren Verständnis der intellektuellen und politischen Verhältnisse im ostfränkischen Reich des 9. und frühen 10. Jh. beitragen, etwa der Veränderungen fränkischer Identität und der Herausbildung neuer Identitäten während des Niedergangs des karolingischen Reiches. Mit der Anwendung neuer Ansätze zur Untersuchung immer noch ungelöster Probleme, aber auch als exemplarische Studie, in der diese neuen Ansätze vertieft und neue Fragen aufgeworfen werden können, soll dieses Projekt ermöglichen, den politischen und kulturellen Kontext einer der wichtigsten mittelalterlichen Quellen für die Geschichte Mitteleuropas besser zu erschließen.
- Gangolf Schrimpf, Universität Fulda - Deutschland
- Rosamond Deborah Mckitterick, University of Cambridge - Vereinigtes Königreich
- Janet Nelson, University of London - Vereinigtes Königreich
- Timothy Reuter, University of Southampton - Vereinigtes Königreich