Thaddaeus Haenke. Ein österreichischer Amerika-Reisender in Hochperú 1793 - 1816. Eine kommentierte Briefedition
Thaddaeus Haenke - Letters 1793 - 1816
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Naturwissenschaften (20%); Geowissenschaften (20%); Humangeographie, Regionale Geographie, Raumplanung (20%); Philosophie, Ethik, Religion (40%)
Keywords
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HAENKE,
COCHABAMBA,
HOCHPERU,
REISETHEORIE,
MALASPINA,
BOLIVIEN
Forschungsprojekt P 14282Thaddaeus Haenke 1793 - 1916 - Eine Kommentierte BriefeditionGerhard DREKONJA 24.01.2000 Thaddäus Haenke (1761-1816), aus bäuerlicher Familie in Nordböhmen stammend, fand aufgrund seiner Begabungen Förderer, die ihm ein Studium an der Karlsuniversität und in Wien ermöglichten (Medizin, Chemie, Astronomie, Botanik: 1780- 1789), schließlich empfahlen ihn Jacquin, Born, van Swieten und schließlich Kaiser Joseph II. der spanischen Regierung als begleitenden Naturwissenschaftler der "Malaspina-Expedition" (1789-1794), die den Pazifik und seine angrenzenden Küstenregionen wissenschaftlich durchkämmen sollte. Haenke verzeichnete dabei Eingeborenensprachen, untersuchte Vulkane und Thermalquellen auf den Philipinen, Bergwerke in Per, Flüsse in Ecuador, Blumen in Australien und sandte regelmäßig Herbarien, Insekten und ausgestopfte Tiere nach Spanien. Dieser "österreichische Humboldt" Verließ im Juli 1793 die heimkehrende Expedition in Callao/Lima und blieb bis zu seinem Tod in Hochper (heute Bolivien), im Auftrage spanischer oder vizeköniglicher Ministerien (Lima / Buenos Aires) oder auch mittelbar im Auftrage des "josephinischen" Generalintendanten von Cochabamba, Francisco de Viedma (1737-1809). Haenke betrieb Landeserforschung (Geographie und Kartographie, Ethnographie und -linguistik, Botanik und Zoologie, Mineralogie und Geologie, Chemie und Pharmazie), um fundiert Entwicklungsprojekte empfehlen zu können und auch z.T. durchzuführen: Verbesserung der Kupfer- und Glasproduktion in Cochabamba, Einführung der Pockenschutzimpfung, Versorgung der ersten Aphotheken des Landes mit Produkten aus einem selber aufgebauten pharmazeutischen Betrieb etc. Viele seiner Berichte erreichten die spanischen Behörden, aber sein plötzlicher Tod, die Unabhängigkeitskämpfe und die Hofintrigen um Malaspina taten ein Übriges dazu, Haenkes Werke in Vergessenheit bzw. in `Unentdecktheit` geraten zu lassen. Seine Herbarien sind in ganz Europa verteilt manche Briefe wurden erst 1910 veröffentlicht, viele seiner Schriften sind erst 1960 im Archiv des Real Jardin Botnico, (Madrid) gefunden und 1966 durch R. Gicklhorn und 1992 durch M.V. Montoya, teilweise kommentiert herausgegeben worden. Dennoch sind viele der in Frage kommenden Archive Südamerikas gar nicht durchforstet worden. Das bisher nur biographisch behandelte Thema konnte jedoch der Person oder der Symbolfigur Haenkes kaum gerecht werden. Will man sich der Thematik wissenschaftshistorisch annehmen, drängt sich zunächst die reisetheoretische bzw. reisehistorische Diskursebene auf, u.z. noch vor einer naturwissenschaftshistorischen oder botanischen Bewertung der vielen Entdeckungen und Beobachtungen Haenkes. Ziel des vorliegenden Forschungsprojekts ist die kommentierte, E d i t i o n aller verstreuten Briefe und Berichte Haenkes. Sie sollte die Entwicklung zum modernen Reisen, zum wissenschaftlichen field work darstellen, aber auch das Amerika- und Natur- Bild Haenkes im Kontext der Wandlungen vom 18. zum 19. Jahrhundert beleuchten. Quellen und Arbeiten zu den Auftraggebern Haenkes (Vizekönige, Viedma, lokale Auftraggeber) sollten deren Vorstellungen zu den Intentionen Haenkes in einem kritischen Licht zeigen. Die von Haenke gezeichneten Karten und Reiseskizzen sollten mit den zu rekonstruierenden Reiserouten die dazu gehörige E r k u n d u n g s s t r a t e g i e klären helfen und somit das schriftliche Zeugnis ergänzen, erklären und veranschaulichen. Methodisch sollen hierzu Ergebnisse der neueren Humboldtforschung ebenso integriert werden wie der mentalitätshistorische Ansatz des Antroplogen Michael Harbsmeier oder die kultursoziologisch-kulturhistorische Theorien von Justin Stagl. Nachreisen ist hier Quellensuche, aber auch der Versuch, Haenkes Erkundungsmotivationen und die seiner Auftraggeber aufzudecken.
- Universität Wien - 100%