Moneta Imperii Romani 14: Traianus
Moneta Imperii Romani 14: Traianus
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (100%)
Keywords
-
NUMISMATIC,
ROMAN IMPERIAL COINAGE,
ANCIENT HISTORY,
MONETARY HISTORY,
TRAIANUS,
ANCIENT ECONOMY
Forschungsprojekt P 14232Moneta Imperii Romani 14: TrainanusMichael ALRAM06.03.2000 Das auf den Nestor der österreichischen Numismatik, Robert Göbl, zurückgehende Forschungsvorhaben "Moneta imperii Romani" erfaßt mit dem Anspruch auf Vollständigkeit die in den reichsrömischen Münzstätten herausgegebenen Münztypen der römischen Kaiserzeit in monographischen Abhandlungen. Gegenüber herkömmlichen Katalogen und dem internationalen Standardzitierwerk "Roman Imperial Coinage" versucht "MIR" den Emissionszusammenhang der Münzen zu rekonstruieren, d.h. die Münztypen werden in ihren sachlichen und chronologischen, wirtschaftlichen wie thematischen Kontext gestellt. Diese Anordnung ermöglicht nicht nur die Einbindung aus sich selbst heraus schwer datierbarer Münzen, sondern der Emissionszusammenhang bereitet das Münzmaterial zugleich in optimaler Form für weiterführende Fragestellungen benachbarter Wissenschaftsdisziplinen auf. Mit Arbeiten zur Prägestruktur des Tiberius und Gaius (MIR 2/3), Marcus Aurelius, Lucius Verus und Commodus (MIR 18), schließlich Maximinus Thrax (MIR 27) und Aurelianus (MIR 47) konnten bereits der besondere Gewinn und bei unterschiedlicher Schwerpunktsetzung in der Auswertung die Nützlichkeit des Konzeptes von "MIR" nachhaltig unter Beweis gestellt werden. Die Untersuchungen zur Münzprägung Trajans schließen nicht nur eine wichtige chronologische, sondern mit der stärkeren Akzentuierung finanzwirtschaftlicher Aspekte zugleich inhaltliche Lücke: Einerseits ist die Zeit Trajans durch das Fehlen ausführlicherer historiographischer Quellen charakterisiert, andererseits durch in der Forschung völlig gegensätzlich gedeutete wirtschaftliche Umbrüche. Als einzige relativ geschlossen erhaltene Quellengruppe kommt den Münzen trajanischer Zeit für die historische Rekonstruktion besondere Bedeutung zu. Bisherige ideengeschichtliche, politische und wirtschaftliche Interpretationen finden ihre Grenze jedoch darin, daß die Mehrzahl der Münzen keine ausreichenden datierenden Angaben trägt und oft nicht einmal die relative Chronologie der Prägungen gesichert ist. Mit der Rekonstruktion der Prägeordnung soll nun erstmals eine zuverlässige Grundlage für eine adäquate Auswertung der trajanischen Münzen geboten und diese zugleich in Angriff genommen werden. Da zur Aufdeckung der chronologischen Struktur stärker als in den bisherigen "MIR"-Bänden Münzfunde zu berücksichtigen und Stempelreihen herzustellen sind, kommt der Studie schließlich auch in methodischer Hinsicht eine besondere Rolle für die Weiterentwicklung der Reihe zu.
M. Ulpius Traianus (98-117 n. Chr.) war einer der bedeutendsten Herrscher der römischen Kaiserzeit: Er vergrößerte das Territorium des Reichs durch die Schaffung neuer Provinzen, entfaltete eine rege Bautätigkeit in Rom und Italien und galt den Römern der Folgezeit als der ideale Herrscher schlechthin. Angesichts des Umstandes, daß wir nur sehr wenige Textquellen für die traianische Periode besitzen, kommt den reichsrömischen Münzen, die in dieser Zeit in großer Menge und in beeindruckender Bildervielfalt ausgegeben wurden, für den Historiker fundamentale Wichtigkeit zu: Sie führen den Herrscher und die Entwicklung seines Namens bzw. seiner Titulatur vor und zeigen auf den Rückseiten Götter und Allegorien, die für den Kaiser wichtig waren, Bauwerke, bedeutende historische Szenen und vieles andere mehr und sind somit einzigartige Originaldokumente für die Geschichte, Kulturgeschichte und Ideologie der Zeit. In dem abgeschlossenen Forschungsprojekt wurde die traianische Münzprägung zum ersten Mal nach modernen wissenschaftlichen Standards grundlegend neu untersucht. Auf einer Materialbasis von mehr als 30.000 einzelnen Münzen wurde das Manuskript für ein neues Spezialzitierwerk zur reichsrömischen Prägung Traians in der Reihe "Moneta Imperii Romani" (MIR) erstellt, das den Typenbestand wesentlich genauer als alle bisher vorliegenden Studien erfaßt und eine umfangreiche Dokumentation des Materials bereitstellt. Erstmals gelang es, die Struktur und die Feinchronologie der traianischen Münzprägung zu ermitteln. Als bedeutendster wissenschaftlicher Fortschritt ist die chronologische Ordnung der Münzen der Zentralperiode der Regierung Traians (103-111) hervorzuheben, in der sich die Titulatur des Kaisers nicht änderte: Deshalb war es bisher nicht möglich, die amorph erscheinende Masse an Prägungen zu ordnen und auf diese Weise für die historische Interpretation fruchtbar zu machen; in dem nun abgeschlossenen Projekt konnten die einzelnen Münztypen durch eine Kombination von stilistischer und typologischer Analyse erstmals zu Gruppen zusammengefaßt und verläßlich datiert werden, womit eine Auswertung möglich wird. Auf diese Weise sind die Resultate des Projekts MIR 14: Traianus unverzichtbare Grundlage für alle weiterführenden historischen, archäologischen und numismatischen Untersuchungen nicht nur der Regierung dieses Kaisers, sondern der gesamten hohen römischen Kaiserzeit.