Wertwandel und soziale Umschichtung
Value Change and Social-structural Transformation
Wissenschaftsdisziplinen
Politikwissenschaften (25%); Soziologie (55%); Wirtschaftswissenschaften (20%)
Keywords
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WERTEWANDEL,
SOZIALE UNGLEICHHEIT,
SOZIALSTRUKTURWANDEL,
WOHLFAHRTSSTAAT,
ARBEITSEINSTELLUNGEN,
INTERNATIONALER VERGLEICH
Forschungsprojekt P 14014Wertwandel und soziale UmschichtungMax HALLER08.05.2000 Westeuropa befindet sich seit zwei Jahrzehnten in einer trotz Wirtschaftswachstums andauernden Krise der Beschäftigung und öffentlichen Finanzen. Im Gegensatz zu den USA und Japan konnten viel weniger neue Arbeitsplätze geschaffen werden, während der öffentliche Dienst und die Anteile der Rentner und Pensionisten stärker anstiegen. Die Folge ist eine zunehmende Aufsplitterung der westeuropäischen Gesel1schaften in Inhaber materiell gut abgesicherter Positionen einerseits, zunehmende Anteile von Personen in marginalen, unsicheren Beschäftigungsverhältnissen oder ohne Arbeit überhaupt andererseits. Das Projekt geht aus von der These, daß diese Tendenzen - neben demographischen und strukturell- technologischen Umschichtungen - auch eine Folge der besonderen Durchsetzung der Interessen gut etablierter gesellschaftlicher Gruppen waren, sowie gefördert wurden durch das in Westeuropa besonders ausgeprägte Streben nach wohlfahrtsstaatlicher Absicherung. Zugleich wurde mit der europäischen Integration ein Reform- und Wandlungsprozeß initiiert, der Elemente des Wettbewerbs nicht nur in der Wirtschaft, sondern auch anderen gesellschaftlichen Bereichen stärker zur Geltung bringt. Das Forschungsprojekt will die widersprüchliche Übergangssituation, in der sich die österreichische und die europäischen Gesellschaften heute befinden, vor allem von der subjektiven Seite - der gesellschaftlichen Wahrnehmungen und Wertorientierungen der Bevölkerung her untersuchen. Thematisch stehen drei Themen im Zentrum: - Einstellungen und Wertorientierungen in den Bereichen von Beschäftigung und Arbeit (Arbeits- und Leistungsorientierungen, Arbeitszeit, Frauenarbeit usw.) , - Wahrnehmungen und Wertorientierungen im Bereich der sozialen Ungleichheit; - Einstellungen zu den Aufgaben des Wohlfahrtsstaates und zu sozialen Netzwerken als Alternativen zu Markt und Staat. Die These lautet, daß eine erfolgreiche Transformation Österreichs und Westeuropas zu einer neuen Balance zwischen Markt und Staat, individueller Leistung und wohlfahrtsstaatlicher sozialer Absicherung langfristig nur möglich sein wird, wenn auch entsprechende Wandlungen in den Wertorientierungen der Bevölkerung stattfinden. Zu diesem Zwecke wird beantragt, die folgenden ISSP-Erhebungen in Österreich durchzuführen: - ISSP-1997: Work Orientations - ISSP-1999: Attitudes toward Social Inequality - ISSP-2001: Social Relations and Support Systems. Es handelt sich dabei um repräsentative Bevölkerungsumfragen, die in gleicher Form auch in 20 weiteren europäischen und 10 außereuropäischen ändern durchgeführt wurden bzw. werden. Bei der Auswertung werden auch andere einschlägige, bereits vorliegende ISSP-Studien einbezogen. Da einige dieser Erhebungen seit den späten 80er Jahren bereits mehrmals durchgeführt wurden, kann auch eine vergleichende Analyse des Wertwandels in den verschiedenen Ländern durchgeführt werden. Als Ergänzung des Vergleiches der Wertorientierungen werden (z.T. durch externe Spezialprojekte) auch institutionelle und strukturelle Wandlungsprozesse in den Bereichen von Beschäftigung und Arbeit, Ungleichheit und Wohlfahrtsstaat erfaßt; dafür sollen bereits vorliegende Datensammlungen der OECD, des ILO und der EU (EUROSTAT) herangezogen werden.
- Universität Graz - 100%