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Einführung der Landwirtschaft in Dakhla

Introduction of Agriculture in Dakhleh

Ursula Thanheiser (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/P14005
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.01.2000
  • Projektende 31.12.2002
  • Bewilligungssumme 53.369 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Biologie (80%); Geschichte, Archäologie (20%)

Keywords

    DAKHLEH, PREHISTORY, OLD KINGDOM, AGRICULTURE, SUBSISTENCE, PLANT REMAINS

Abstract Endbericht

Dakhla, eine Oase im Zentrum der Libyschen Wüste Ägyptens, wurde seit dem Mittleren Pleistozän immer wieder von Nomaden aufgesucht. Kontinuierlich bewohnt ist sie seit dem Neolithikum. Die letzten neolithischen Bewohner, der Kulturgruppe Sheikh Muftah zugehörig, waren Hirten; ca. 70 archäologische Fundstellen wurden bisher erfaßt. Gegen Ende des Alten Reiches, ca. 2300 v. Chr., ließen sich Ägyper aus dem Niltal in der Oase nieder. Sie gründeten ihr Verwaltungszentrum in Ein Aseel und an die 20 weitere kleinere Siedlungen. Sie führten eine bis dahin in der Oase unbekannte Technologie ein: die Landwirtschaft. Die Menschen beider Kulturgruppen lebten ca. 100 Jahre lang friedlich nebeneinander in der Oase, doch in der Ersten Zwischenzeit verschwinden die Zeugnisse der neolithischen Bevölkerungsgruppe. Dieser Kontakt zwischen zwei unterschiedlichen Kulturstufen - neolithische Hirten einerseits und hochentwickelte Landwirtschaft andererseits - und die Verdrängung einer Kultur durch eine andere ist von besonderem Interesse, wurden doch derartige Studien für Nordafrika noch nicht durchgeführt. In einem dreijährigen interdisziplinären Forschungsprojekt sollen deshalb Umweltbedingungen und Wirtschaftsweise der ursprünglichen neolithischen Bevölkerung und der neuangekommenen Ägypter untersucht werden. Hierfür werden mehrere neolithische Siedlungsplätze und Ein el-Gazareen, eine der ägyptischen Siedlungen, ergraben. Die archäobotanischen Untersuchungen (Phytolithen, Holzkohle und Großreste), sollen in Wien durchgeführt werden.

Gegen Ende des Alten Reiches, ca. 2300 v. Chr., wanderten Ägypter aus dem Niltal in Dakhla, einer Oase im Zentrum der Westlichen Wüste, ein. Hier trafen sie auf die Träger der letzten neolithischen Kultur, Sheikh Muftah genannt. Die Ägypter gründeten eine vorerst befestigte Hauptstadt in Ayn Asil sowie mehrere kleinere Siedlungen. Auf prominenten Hügeln errichteten sie Wachposten. Ihre ökonomische Basis war der Bewässerungsfeldbau, der in den vorangegangenen Jahrtausenden im Niltal entwickelt wurde und der die Landschaft der Oase nachhaltig veränderte. Die kleinen rechteckigen Felder prägen noch heute das nutzbare Land. Das nötige Wasser kam aus Quellen. Im Gegensatz zum Niltal stand es den Bauern ganzjährig zur Verfügung und sie waren somit von den Launen der Nilfluten unabhängig. Darauf dürfte sich wohl der Ruf der immensen Fruchtbarkeit der Oase begründen, der seinerseits möglicherweise ein Grund dafür war, dass das Gebiet kolonialisiert wurde. Das Fehlen der Nilfluten, die nach ihrem Rückgang nährstoffreichen Schlamm hinterließen, wirkte sich allerdings auch nachteilig aus. Die Böden wurden schnell ausgelaugt und versalzten auch, wie an der Unkrautflora abzulesen ist. Die von den Ägyptern angebauten Nutzpflanzen waren die gleichen wie im Niltal: Emmer, Gerste, Weintraube und möglicherweise auch Linse und Flachs. Zu jener Zeit hatte das Klima bereits seinen heutigen Zustand der Hyperaridität erreicht, sodass in diesem Gebiet kaum noch Regen fiel. Deshalb sind die meisten Sahelischen Elemente unter den Bäumen bereits verschwunden, bzw. überlebten nur, wenn sie in der Lage waren, sich entlang der Bewässerungskanäle zu etablieren. Existenzgrundlage der einheimischen Sheikh Muftah Bevölkerung waren Jagd und Viehzucht. Ihre Siedlungsplätze, bisher ca. 70 an der Zahl, befinden sich alle in den fruchtbaren Niederungen der Oase. Sichtbare Reste sind Feuerstellen oder ausgedehnte Ansammlungen von Steinwerkzeugen. Behausungen wurden bisher keine gefunden. Charakteristisch ist stets die verhältnismäßig große Anzahl kleinteilig zerbrochener Knochen. In welchem Umfang die einheimische Bevölkerung Fleisch gegen pflanzliche Nahrungsmittel tauschte, bleibt nach wie vor unklar. Dass es Kontakte zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen gab, geht aus der Tatsache hervor, dass in pharaonischen Siedlungen Sheikh Muftah Keramik gefunden wurde und vice versa. Weiters findet sich hier auch die Linse, die nicht zur ägyptischen Flora gehört, sondern mit dem neolithischen Kulturpflanzenpaket nach Ägypten gelangte. Beide Bevölkerungsgruppen lebten ca. hundert Jahre lang nebeneinander in der Oase, dann verschwinden die kulturellen Hinterlassenschaften der Sheikh Muftah Gruppe.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%

Research Output

  • 107 Zitationen
  • 3 Publikationen
Publikationen
  • 2018
    Titel KAVAGait: Knowledge-Assisted Visual Analytics for Clinical Gait Analysis
    DOI 10.1109/tvcg.2017.2785271
    Typ Journal Article
    Autor Wagner M
    Journal IEEE Transactions on Visualization and Computer Graphics
    Seiten 1528-1542
    Link Publikation
  • 2018
    Titel VIAL: a unified process for visual interactive labeling
    DOI 10.1007/s00371-018-1500-3
    Typ Journal Article
    Autor Bernard J
    Journal The Visual Computer
    Seiten 1-19
  • 2015
    Titel Assessing the influence of diurnal variations and selective Xa inhibition on whole blood aggregometry
    DOI 10.3109/00365513.2015.1057896
    Typ Journal Article
    Autor Schoergenhofer C
    Journal Scandinavian Journal of Clinical and Laboratory Investigation
    Seiten 531-536
    Link Publikation

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