Tod des Subjekts? Neostrukturalismus und Christentum
Tod des Subjekts? Der Neostrukturalismus als Herausforderung für christliche Theologie und Philosophie
Wissenschaftsdisziplinen
Philosophie, Ethik, Religion (100%)
Keywords
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POSTSTRUCTURALISM,
THEOLOGY,
SUBJECT,
CHRISTIAN PHILOSOPHY,
HERMENEUTICS
Die wichtigsten Ergebnisse des Forschungsprojekt sind folgende: a) Es ist gerechtfertigt, im Bezug auf das neostrukturale bzw. poststrukturale Denken, so wie es sich exemplarisch bei Derrida, Foucault, Lacan und Lyotard zeigt, vom "Tod des Subjekts" bzw. "Tod des Menschen" oder "Antihumanismus" zu sprechen. Es wird dort nämlich nicht nur das neuzeitlich-moderne Konzept, wonach der Mensch die zentrale Instanz seiner Welt ist, kritisiert, sondern darüber hinaus auch die für jeden Humanismus, insbesondere aber für ein christliches Denken entscheidende Vorstellung, dass der Mensch ein freies, selbstbewusstes, mit sich identisches und individuelles Wesen ist. Im Neostrukturalismus wird der Mensch letztlich zu nichts anderem als zu einem Produkt von unbewussten, dezentral und differentiell organisierten, daher instabilen und unkontrollierbaren Systemstrukturen, so wie sie in Sprache bzw. Zeichensystemen im allgemeinen (Derrida, Lacan, Lyotard) oder in Gesellschafts- und Machtstrukturen (Foucault) vorliegen. Daraus folgt in letzter Konsequenz, dass (1) Selbstbewusstsein eine Illusion ist, (2) der Mensch nicht frei, sondern fundamental durch die Systemstrukturen determiniert ist, (3) der Mensch keine Identität und lebensgeschichtliche Kohärenz aufweist und (4) er nicht mehr Individuum, sondern zufälliger Effekt der Strukturkombinationen ist. b) Die Auseinandersetzung mit dem Neostrukturalismus im allgemeinen und seiner These vom "Tod des Subjekts" im besonderen hat seitens christlicher Philosophie und Theologie bisher nicht in genügendem Ausmaß stattgefunden. Zwar gibt es eine Rezeption des Neostrukturalismus innerhalb dieser Disziplinen, doch wird die Auseinandersetzung dort streckenweise sehr oberflächlich und undifferenziert geführt, es herrscht in ihr ein Eklektizismus vor, sie erschöpft sich zum Teil in einer reinen Darstellung und Interpretation und erfolgt oft unter sehr spezifischen Gesichtspunkten. Detaillierte und differenzierte Studien sind die Ausnahme. Die Thematik vom "Tod des Subjekts" fehlt beinahe vollständig. Wird sie wahrgenommen, kommt ihr auch dann eine meist nur marginale Stellung zu; die Tragweite der Subjektsproblematik wurde noch nicht realisiert. c) Die Kritik des Neostrukturalismus am Subjekt ist zu radikal, schießt über ihr Ziel hinaus und ist zudem nur bedingt stichhaltig. Christliche Theologie und Philosophie muss daher nicht nur am Gedanken der Subjektivität festhalten, sondern kann dies auch weiterhin tun.
- Universität Salzburg - 100%