Das allgemeine Bedürfnis nach schnellen Communicationen (Ghega 1844). Über die Konstruktion von ´Kultur´am Beispiel österreichischer Eisenbahningenieure 1824-1854)
The general demand for fast communications (Ghega 1844)
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (30%); Andere Sozialwissenschaften (40%); Andere Technische Wissenschaften (30%)
Keywords
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RAILWAY STUDIES,
TECHNIKGESCHICHTE,
CULTURAL STUDIES,
KULTURWISSENSCHAFTEN
Im Rahmen des Projektes "Das Bedürfnis nach schnellen Communicationen" (Ghega, 1844) wird das `Weltbild` der österreichischen Eisenbahningenieure in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bezüglich der Diskurse über `Kultur`, `Zivilisation` und `Kommunikation` untersucht sowie die vielfältigen Einflüsse (insbesonders kulturelle) der damals neuen Transport- und Kommunikationstechnologie `Eisenbahn` aufgezeigt. Diese Untersuchungen zum angesprochenen `Weltbild` der damaligen Eisenbahningenieure werden an Hand von Fragenmodulen analysiert, insbesondere welche Einflüsse durch deren Studienreisen nach England und Nordamerika (z.B. `Kulturtransfer`) sowie welche impliziten Abhängigkeiten der Wahrnehmung (z.B. von Faktoren wie Auftraggeber privat/staatlich, `Gender`-Aspekten) nachgewiesen werden können und inwieweit die (frühe) Eisenbahn eine Praktik der Disziplinierung (Foucault) darstellt. Verkehrshistorisch gesehen orientierten sich die ersten Eisenbahningenieure zunächst an den Bauprinzipien der künstlich angelegten Schiffahrtskanäle und am europäischen Kontinent vor allem an den Bauprinzipien ihrer englischen Eisenbahningenieurs-Kollegen. Auf Grund der zahlreichen Studienreisen von Franz Anton Ritter von Gerstner, Matthias Ritter von Schönerer und Carl Ritter von Ghega zeigten sich in Österreich schon ab der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts Einflüsse aus Staaten neben England (wie beispielsweise aus Belgien und Nordamerika). Die technologischen Auswirkungen dieses Wissensaustausches waren für die österreichisch--ungarische Monarchie äußerst bedeutsam: Gerstner und Schönerer waren die leitenden Ingenieure der ersten kontinentaleuropäischen Eisenbahn mit Personenverkehr von Budweis über Linz (Konzession zum Bau 1824 erteilt) und weiter nach Gmunden, Unter der Leitung von Schönerer wurde 1841 der erste Eisenbahntunnel in der Österreichisch- Ungarischen Monarchie fertiggestellt (Gumpoldskirchner Tunnel mit Inschrift `RECTA SEQUI`); Ghega plante und leitete in den Jahren zwischen 1842 und 1854 den Bau (Baubeginn: 1848) der ersten Hochgebirgseisenbahn der Weit, der Semmeringbahn. Diese Strecke wurde im Dezember 1998 in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen und somit auf internationaler Ebene als `kulturstiftendes Bauwerk` anerkannt. Neben den Auswirkungen dieses Technologietransferes müssen allgemeine kulturelle Wechselwirkungen des Wissensaustausches durch Studienreisen ebenfalls angenommen werden, im Bereich der Eisenbahningenieure jedoch bis jetzt noch dürftig aufgearbeitet. Während die Verkehrsgeschichte von Eisenbahnen oftmals äußerst detailliert dargestellt wird, bleiben insbesonders die kulturellen Hintergründe nur unzureichend aufgearbeitet. Dies zeigen die zahlreichen von Eisenbahnliebhabern geschriebenen verkehrshistorischen Publikationen und es ist auffallend, daß im Bereich des von der Ingenieurs- Gemeinschaft konstruierten Welt- und Kulturbildes die Vision von der technisierten Bewältigung von `natürlichen` Schwierigkeiten in der heutigen Zeit nichts an Aktualität eingebüßt hat. Die wissenschaftliche Aufarbeitung der Diskurse als `Railway Studies` (siehe http://www.york.ac.at/inst/irs) am Beispiel von Eisenbahningenieuren ist folglich besonders aufschlußreich für das Verständnis der vielschichtigen Zusammenhänge von Gesellschaft, Technik und Industrialisierung. In dieser Studie soll die Analyse durchgeführt werden, den verwobenen und konstitutiven Charakter von zentralen, gesellschaftlich relevanten Begriffe wie `Kultur`, `Zivilisation` und `Kommunikation` mit der damals neuen Netzwerk- und Transporttechnologie, der Eisenbahn, zu verbinden.
Das System Eisenbahnen ist heutzutage eine Mischung aus alt und neu und gilt weiterhin als faszinierendes Phänomen (Europäische Kommission, 2004). Eisenbahnen sind aber mehr als eine technische Einrichtung oder eine Infrastruktur. Dies wurde in den letzten Jahrzehnten berücksichtigt, als die Geschichte von Eisenbahnen in einen weiteren Kontext gestellt wurde: dessen Beziehungen zum wirtschaftlichen Wachstum oder Effekte auf das Reisen wurden aufgezeigt, ebenso wie Auswirkungen auf Literatur, Film oder die Wahrnehmung im generellen untersucht wurden. Eisenbahnen als kulturelle Einrichtung zu deuten gilt als neuer Zugang zum Thema. Im Projekt wurde ein Schwergewicht auf die Protagonisten der frühen Eisenbahnen gelegt und insbesondere herausgearbeitet, wie sie diese neue Transportechnologie propagierten und mit dieser umgingen. In zahlreichen Vorträgen sowie Veröffentlichungen konnte ein weiter Bereich von kulturellen Perspektiven auf die Eisenbahn veranschaulicht werden: Am Beispiel der Instruktionen für Eisenbahnbedienstete konnen Aspekte der Eisenbahn als Disziplinartechnologie (Foucault) umrissen werden. Studienreisen von Eisenbahntechnikern wurden erneut aufgearbeitet und unter dem Gesichtspunkt der Internationalität untersucht, aber auch die über das Technische hinausgehenden mitgebrachten Mentalitäten mit dem Konzept des Kulturtransferes betrachtet. Um die zahlreichen Beziehungen zwischen Eisenbahn und Kultur zu umreissen, wurde erstmalig im akademischen Bereich im Jahr 2001 eine interdisziplinäre und internationale Workshopreihe mit 18 ForscherInnen aus sieben Ländern veranstaltet. Ein erweiterten Zugang zum Thema wurde durch KünstlerInnen aus vier Ländern ermöglicht, welche ihre Sicht auf das Verhältnis zwischen Eisenbahn und Kultur darlegten. Nahzu alle Beiträge der Workshopreihe konnten in einem 2004 erschienenen Sammelband (Sonderband der Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchives) publiziert werden. Weiters erfolgte die Digitalisierung der für das Projekt relevanten gedruckten Quellen, welche nun in ALO öffentlich zugänglich sind (http://www.literature.at/ Unterordner Cultures of Transport and Mobility). Insbesondere ab der zweiten Hälfte der Projektlaufzeit konnte ein steigendes Interesse an der Geschichte von Eisenbahnen (inkl. dessen Auswirkungen) festgestellt werden: neben den Jubiläums-Ausstellungen zur UNESCO- Weltkulturerbestätte Semmeringbahn im Jahr 2004 entstand ein Ausstellungsprojekt, mit dem die kulturellen Aspekte einer Eisenbahnlinie, der Südbahn in Österreich/Slowenien/Italien, hervorgehoben und dargestellt werden sollten. Eine weitere Auswirkung des FWF-Projektes und den darin involvierten Personen ist, dass die erste Konferenz der 2002 in Paris gegründeten Internationalen Gesellschaft dür Eisenbahngeschichte (IRHA, www.ffe.es/ai) in Österreich am Semmering stattfinden wird (17.-19.9.2004).
- Universität Wien - 100%
- Milan Hlawacka, Karlsuniversität Prag - Tschechien
- Colin Divall, The University of York - Vereinigtes Königreich
Research Output
- 124 Zitationen
- 4 Publikationen
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2014
Titel On the generalizability of resting-state fMRI machine learning classifiers DOI 10.3389/fnhum.2014.00502 Typ Journal Article Autor Huf W Journal Frontiers in Human Neuroscience Seiten 502 Link Publikation -
2012
Titel Fully exploratory network independent component analysis of the 1000 functional connectomes database DOI 10.3389/fnhum.2012.00301 Typ Journal Article Autor Kalcher K Journal Frontiers in Human Neuroscience Seiten 301 Link Publikation -
2012
Titel RESCALE: Voxel-specific task-fMRI scaling using resting state fluctuation amplitude DOI 10.1016/j.neuroimage.2012.12.019 Typ Journal Article Autor Kalcher K Journal NeuroImage Seiten 80-88 Link Publikation -
2011
Titel A highly parallelized framework for computationally intensive MR data analysis DOI 10.1007/s10334-011-0290-7 Typ Journal Article Autor Boubela R Journal Magnetic Resonance Materials in Physics, Biology and Medicine Seiten 313-320