Erfassung der Waldvermögensänderungen im Rahmen des forstlichen Rechnungswesens - Entwicklung eines Bewertungsmodells
Forest Assets in Accounting
Wissenschaftsdisziplinen
Land- und Forstwirtschaft, Fischerei (30%); Wirtschaftswissenschaften (70%)
Keywords
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FORSTWIRTSCHAFT,
WALDVERMÖGEN,
ERFOLGSRECHNUNG
Forschungsprojekt P 13884Waldvermögen im RechnungswesenHans A. JÖBSTL28.06.1999 Der wirtschaftliche Erfolg (Gewinn) eines Untemehmens errechnet sich aus der Differenz des Reinverm6gens zu Beginn und zum Ende einer Rechnungsperiode (Bilanz) nach Korrektur um Entnahmen und Einlagen. In Forstbetrieben fehlen jedoch in diesern Vermögensvergleich stichtagsbezogene Werte des stehenden Holzvorrates (= Waldvermögen). Die Gewinnermittlung in der Finanzbuchhaltung wird damit unbeachtet der Veränderungen des Waldvennögens, das mit bis zu 90% und mehr den größten Teil des betrieblichen Vermögens darstellt, durchgeführt. Auch die kalkulatorische Kosten- und Erfolgsrechnung als internes Führungsinstrument vermag diese Unzulänglichkeit durch die Umrechnung auf den Hiebssatz nur ansatzweise zu korrigieren. Die Erfolgszahlen sind unrichtig und vielfach auch irreführend. Das Thema "Waldvermögen im Rechnungswesen" gewinnt nicht zuletzt auch aufgrund der EU-Bestrebungen zur Harmonisierung des Rechnungswesens, der Bemühungen um eine verbesserte Darstellung der Forstwirtschaft in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung und der wachsenden privatwirtschaftlichen Orientierung (ehemals) staatlicher Forstbetriebe an Bedeutung. Das Ziel der Forschungsarbeit ist die Erstellung eines praxistauglichen Modells zur Berücksichtigung der Waldverindgensänderungen in der forstlichen Erfolprechnung. Da Lösungen im Rahmen der Finanzbuchhaltung als wenig versprechend gelten, wird ein kalkulatorischer Ansatz angestrebt. Die Vorarbeiten des Projektwerbers - ein mehrgliedriger Analyseansatz, der in einigen Privatforstbetrieben fallbezogen angewendet wurde, - sollen nun in einen Gesamtansatz eingebracht werden. Dabei sind die wichtigsten in der Literatur beschriebenen und in Forstbetrieben realisierten Ansätze systematisch zu bewerten und daraus mögliche Verbesserungen für den bestehenden Ansatz abzuleiten. Weiters sind die Erstellung einer Checkliste für die Aufnahme von wertrelevanten Bestandes- und Standortsmerkmalen sowie die Konzeption einer Musterwaldbeständedatenbank beabsichtigt. Neben der konzeptuellen Entwicklung soll das Modell mittels einfacher Programmierung für eine computergestützte Anwendung vorbereitet und anschließend in einer Fallstudie auf Konsistenz und Anwendbarkeit in Forstbetrieben geprüft werden. Mit dem Modell soll u.a. die Ermittlung realitätsndherer Erfolgszahlen, die Hebung des Waldverrnögensbewußtseins, die Verbesserung der Rechenschaftsablage sowie die Überwachung der (Wert-)Nachhaltigkeit des Waldes erzielt werden.
Die durch das forstliche Rechnungswesen bereitgestellten Erfolgszahlen sind aufgrund der Nichtberücksichtigung der jährlichen Veränderungen im Waldvermögen problematisch. Trotz zahlreicher Vorschläge gibt es noch keine Praxislösung. In diesem Projekt wurden die zahlreichen Vorschläge zur forstlichen Vermögensrechnung nach Methoden systematisiert und anhand eines speziell für diesen Zweck entworfenen Kriterienkataloges auf deren theoretische und praktische Eignung hin geprüft. Die Beurteilung ergab, dass keine der Methoden alleine ein treffendes Bild über die Waldvermögensänderungen geben kann und somit ein kombinierter Ansatz unter Benützung mehrerer Methoden anzustreben ist. Es wurden Stärken und Schwächen der Methoden analysiert sowie Vorschläge zur Adaption des bestehenden Ansatzes des Projektleiters abgeleitet. Auf dieser Grundlage wurde ein Modell zur Erfassung der Waldvermögensänderungen im Rechnungswesen entwickelt und in einem konkreten Betrieb getestet. Zentrale Modelleingangsgrößen sind Waldbestandesdaten und Kalkulationsvorgaben. Erstere stammen aus der Waldinventur, die anderen aus den Modellbausteinen Bestandesentwicklung, Holzerntekostenkalkulation und Sortenberechnung. Der Modelloutput umfasst: - Erweiterung der traditionellen Hiebsatzbereinigung: zum einen auf Basis der Einzelplanung durch Gegenüberstellung der geplanten und tatsächlichen Nutzungen und anschließender Bewertung anhand des erntekostenfreien Erlöses, zum anderen wird aus der Stichprobeninventur ein nach Kosten- und Wertklassen differenzierter Nachhaltshiebsatz abgeleitet und mit dem tatsächlichen Einschlagsergebnis nach Kosten- und Wertklassen verglichen. - Inventurfortschreibung und -aktualisierung auf Basis einer Waldbeständedatenbank in Kombination mit der Waldvermögensbewertung: Hauptelemente dieser rechnerischen Inventur sind die jährliche altersabhängige Fortschreibung der bewertungsrelevanten Bestandesstrukturdaten mit Hilfe eines Bestandesentwicklungsmodells und die Aktualisierung der Bestandesdaten anhand der in den Einzelbeständen durchgeführten Waldbau- und Holzerntemaßnahmen. - Waldvermögensbewertung durch einzelbestandesbezogene Herleitung von mehreren Wertearten. Die mittels Inventurfortschreibung ermittelten jährlichen Wertänderungen werden im nachhinein durch die Bewertung der Inventurergebnisse aus körperlichen Bestandsaufnahmen korrigiert. Das vorliegende Modell stellt eine pragmatische anwendungsorientierte Lösung innerhalb eines umgebenden Gesamtansatzes dar. Es handelt sich dabei um eine Näherungslösung: die Ergebnisse des Modells bedürfen jedenfalls einer eingehenden Interpretation, um Fehlbeurteilungen aufgrund der Diskrepanz zwischen Modell und Wirklichkeit zu vermeiden. Verbesserungsmöglichkeiten bestehen in der Verfeinerung der Benutzerführung, der Erhöhung der Programmsicherheit sowie in der Einbindung realitätsnäherer Kalkulationsmodelle für die Bestandesentwicklung, Kostenkalkulation und Sortenberechnung.