Die Flechtenflora der tibetischen Region (I.Südost-Tibet)
The lichen flora of the Tibetan region (I.Southeast Tibet)
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (100%)
Keywords
-
LICHENS,
MORPHOLOGY,
EXPEDITION,
CHEMISTRY,
TIBET,
BIODIVERSITY
Ober die Flechtenflora des tibetischen Raumes ist bisher vergleichsweise wenig bekannt geworden. Riesige Gebiete (v.a. die Leeseite der Himalaya-Kette, große Teile des Tibetischen Hochlandes, sowie viele Regionen des Südosttibetischen Randgebirges) sind aus der Sicht der Flechtenkundler völlig unerschlossen. Im Rahmen einer im Juli und August 1999 stattfindenden Expedition (organisiert und geleitet von Prof. Dr. Georg Miehe, Marburg/Lahn, Deutschland) sollen Teile des östlichsten Nyainqântanglha-Shan und des westlichen Teils der Südosttibetischen Randgebirge nach Flechten durchforscht werden. Diese Expedition schließt teilweise an eine bereits im Jahre 1994 durchgeführte Sammelreise nach Tibet an, bei der die oben angeführten Gebiete aus witterungsbedingten Gründen und aufgrund fehlender Genehmigungen nicht erkundet werden konnten. Viele der damals erhobenen Daten, die in "unmittelbarer" Nachbarschaft zum geplanten Expeditionsgebiet gewonnen wurden, zeigen eindrücklich, daß in dieser Region innerhalb bestimmter Gattungen und Arten eine unglaubliche morphologische und chemische Formenvielfalt herrscht, welche die räumliche Nähe zu wichtigen Artentfaltungszentren dokumentiert. Die großen Höhenunterschiede (unter 2000 m bis weit über 5000 m) im Untersuchungsareal, das im Vegetationszonen-Grenzbereich zwischen Asiens "Tropischen Gebirgsregenwäldern" einerseits und seinen "Kältewüsten" bzw. "Gebirgsvegetationen jenseits der Baumgrenze" andererseits liegt, erlauben es, die Diversität der Flechten von der submontanen bis hinauf zur nivalen Höhenstufe vergleichend zu analysieren. Ziel der Expedition ist es, in lichenologisch bisher völlig unerforschten Gebieten Aufsammlungen von Flechten (und lichenicolen Pilzen) durchzuführen, um diese anschließend wissenschaftlich (morphologisch, chemisch, chorologisch, etc.) zu bearbeiten und die gewonnen Daten in eine Gesamtflora des tibetischen Raumes einfließen zu lassen.
Bei einer im Sommer 2000 durchgeführten, flechtenkundlichen Expedition in den südosttibetischen Randbereich (Prov. Yunnan) konnten tausende Flechtenbelege gesammelt werden, die anschließend datenbankmäßig erfasst wurden. Die angelaufenen, wissenschaftlichen Bearbeitungen der Aufsammlungen erbrachten neben einer großen chemischen Vielfalt innerhalb von Arten auch neue molekularbiologische Erkenntnisse über die Verwandtschaft von Flechtensippen. Zahlreiche für das Gebiet neue oder sonstwie interessante Flechten konnten bisher nachgewiesen werden. Fragestellung, Methodik, Ergebnisse, Ausblick: Vom 23. Juli 2000 bis zum 26. August 2000 konnte eine vom FWF finanzierte, flechtenkundliche Expedition in das Südosttibetische Randgebirge (Grenzgebiet der Provinzen Yünnan/Xizang) durchgeführt werden. Anknüpfend an eine im Jahre 1994 getätigte Sammelexpedition war das Ziel der Reise, den Kenntnisstand über die Flechten des tibetischen Großraumes zu erweitern. Trotz extremer Witterungsunbilden war es möglich, umfangreiches Flechtenmaterial zu sammeln und zur weiteren wissenschaftlichen Bearbeitung unbeschadet nach Graz zu bringen. Die gesammelten Proben wurden anschließend aufgeteilt, präpariert und die Fundortsdaten in eine Datenbank aufgenommen. Zahlreiche Belege konnten bereits mittels Dünnschichtchromatographie analysiert werden, wobei sich eine (schon vermutete) erstaunlich chemische Vielfalt innerhalb einzelner Arten abzuzeichnen beginnt. Diesbezügliche Studien an der Flechte Sulcaria sulcata wurden bereits publiziert. Das Frischmaterial ist auch bestens für molekularbiologische Untersuchungen geeignet, was schon in einer Publikation über die verwandtschaftlichen Beziehungen von gelben Cetraria-Arten mit kugeligen Ascosporen seinen Niederschlag gefunden hat. Um einerseits einen Teil der wertvollen Aufsammlungen international leicht zugänglich zu machen und andererseits das Risiko zu minimieren, bei einem Brand alles Material unwiederbringlich zu verlieren, sind bereits viele Belege über zwei Exsikkatenwerke (`Lichenotheca Graecensis` bzw. `Dupla Graecensia Lichenum`) an weltweit verstreute Institutionen verteilt worden, die getrocknetes biologisches Material verwalten (=Herbarien). Weitere Expeditionen in den nächsten Jahren sollen dazu beitragen, die großen Kenntnislücken über lichenisierte Pilze (=Flechten) und deren Parasiten aus dem tibetischen Großraum nach und nach zu schließen. Vorgespräche über künftige Studienreisen sind bereits geführt worden, sowohl mit Prof. Dr. Georg MIEHE (Institut für Pflanzengeografie, Marburg/Lahn, Deutschland), einem der besten Tibet-Kenner aus pflanzengeografischer Sicht, als auch mit Prof. Dr. Liu SHIJIAN und Prof. Dr. Zhang WENJING (Institute of Mountain Hazards & Environment, Chineses Academy of Sciences, Chengdu, China).
- Universität Graz - 100%
Research Output
- 20 Zitationen
- 3 Publikationen
-
2016
Titel Psora altotibetica (Psoraceae, Lecanorales), a new lichen species from the Tibetan part of the Himalayas DOI 10.3897/mycokeys.13.8824 Typ Journal Article Autor Timdal E Journal MycoKeys Seiten 35-48 Link Publikation -
2012
Titel Morphological and chemical studies on Platismatia erosa (Parmeliaceae) from Tibet, Nepal and Bhutan DOI 10.1639/0007-2745-115.1.51 Typ Journal Article Autor Obermayer W Journal The Bryologist Seiten 51-60 -
2018
Titel Hypogymnia caperatica, a New Species from the Hengduan Shan Area (Easternmost Tibetan Region), with Notes on Some Rare Taxa from the Greater Tibetan Region and Bhutan DOI 10.13158/heia.31.1.2018.677 Typ Journal Article Autor Obermayer W Journal Herzogia Seiten 677-694