DEMAWEND ´99; Kulturgutstudien in der Ariden/ Semiariden Hochgebirgsregion des Demawend Massivs im Elbursgebirge, Islamische Republik Iran
DEMAWEND ´99
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (40%); Bauwesen (20%); Humangeographie, Regionale Geographie, Raumplanung (40%)
Keywords
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DEMAWEND/ ELBURS,
KULTURERBE,
KULTURLANDSCHAFT,
FERNERKUNDUNG,
GEBIRGSKARTOGRAPHIE
Forschungsprojekt P 13695Demawend 1999Robert KOSTKA11.10.1999 Der Dernawend, ein erloschener Vulkan, umgeben von einer großen Zahl von Kratern, liegt ca; 80 km nordöstlich von Teheran. Der höchste Gipfel des Elbursgebirges zählt zu den heiligen Bergen, an dem sich wesentliche Ereignisse der altiranischen Religion abgespielt und zu zahlreichen Mythen geführt haben. Auch die Kulturlandschaft an der Höhengrenze wurde hiedurch gepragt. Das native Bauen dieser Region ist von Bedeutung und nicht ausreichend studiert. Die Kulturlandschaft ist ständigem Wandel unterworfen, Vergleiche mit anderen Regionen der ariden Gebiete Zentralasiens lassen Schlüsse auf überregionale und globale Entwicklungen zu. Diese Problemstellung beachtend, werden folgende Detailstudien ins Auge gefaßt. Der Demawend als heiliger Berg wird in das Zentrum der geplanten Forschungsarbeiten gestellt. Studien der Felsbildforschung, der historischen Wegeforschung sowie die Dokumentation von Kultobjekten sollen seine Bedeutung als geistig-religiöses Zentrum hervorheben. Das Studium von Siedlung und Landnutzung an der Höhengrenze soll ähnlich wie die Baukultur und deren Wandel die Aktivität des Menschen in dieser Hochgebirgsregion beleuchten. Von methodischer Seite soll exemplarisch demonstriert werden, daß eine geistes-naturwissenschaftlicheechnische Kooperation auch in entlegenen, schwer zugänglichen Hochgebirgsregionen umfassende Ergebnisse liefern kann. Die Fernerkundung aus dem Weltraum in Verbindung mit digitalen Methoden stellt ein wichtiges "Werkzeug" in diesem Zusammenhang dar. Beispielhaft sei lediglich das Kartenblatt Demawend 1:50 000 erwähnt, das als kombinierte Bild-Strichkarte ausgefflut werden soll. Die skizzierte Problemstellung im Hochgebirgsraum mit starkem Humanbezug und in Verbindung mit Methoden der Fernerkundung aus dem Weltraum führt nicht nur zur Fortsetzung der kulturellen und wissenschaftlichen Kontakte zwischen Österreich und dem Iran, sondern stellt eine Erweiterung dieser Beziehungen, die bereits auf das Jahr 1754 zurückgehen, dar.
Der Zentrale Alborz mit dem Damavand im Norden des Iran war das Zielgebiet des Forschungsprojektes. Feldforschungsaufenthalte in den Jahren 1999 und 2000 waren erforderlich, um das angestrebte Ziel in dreijähriger Arbeit erreichen zu können. Dies lag: 1. In einer interdisziplinären Monographie des Berges Damavand 2. In der Herstellung einer Karte des Vulkankegels im Maßstab 1:50 000 3. In Zeitschriften-Beiträgen über gesonderte Beobachtungen und methodische Ansätze. 1. Die Monographie des Damavand Neben der Zusammenfassung der Ergebnisse früherer wissenschaftlicher Arbeiten sind wertvolle neue Erkenntnisse auf natur- und geisteswissenschaftlichen Gebieten im 192 Seiten umfassenden Forschungsbericht in Buchform zusammengestellt worden. Detailangaben können dem beiliegenden Inhaltsverzeichnis entnommen werden (Beilage ). 2. Die Karte des Damavand im Maßstab 1:50 000 Eine der Zielsetzungen der Monographie des Berges Damavand lag in der Erarbeitung einer Karte des Vulkankegels im Maßstab 1:50 000. Vor allem das Relief dieses eindrucksvollen Berges sollte in naturnaher Form wiedergegeben werden. Der kartographische Prozess war auf diese Zielvorstellung abzustimmen. Das methodische Konzept Der kartographische Prozess, der eine bestimmte Zielsetzung zu erfüllen hat, lässt sich in Einzelabschnitte gliedern. Im vorliegenden Fall war es die natürliche Wiedergabe des Damavand im Rahmen der erwähnten Monographie über diesen erloschenen Vulkan, auf die die Datenerfassung, die Methoden der Datenverarbeitung, die Speicherung der Ergebnisse und deren Visualisierung abgestimmt werden mussten. Die einzelnen Teilprozesse waren aufeinander so abzustimmen, dass sie einen homogenen Prozessverlauf ermöglichen und ein technisch vertretbares und wirtschaftlich annehmbares Verfahren garantieren konnten. Der Fernerkundung aus dem erdnahen Weltraum kommt heute sicherlich die größte Bedeutung bei der Datenerfassung zu. Sie stand somit am Anfang des Prozesses. Die Wahl für die Gesamtdarstellung des Kartenblattes fiel auf eine russische KFA-1000 Aufnahme vom Juni 1990, die von der Firma Sovinformsputnik in Moskau angeboten wurde. Es handelt sich um ein analoges Foto, das sowohl in Schwarzweiß auf panchromatischem Film als auch als Farbbild auf Spektrozonalfilm zur Verfügung gestellt wurde. Für Bereiche mit großem Detailreichtum und mit hoher Informationsdichte wurde diese Datenquelle durch digitale, hochauflösende Bildprodukte (KWR-1000) vom August/September 1994/95 ergänzt. Diese panchromatischen Daten wurden von der Fa. Sovinformsputnik bereits als digitale Orthobilder geliefert. Einzelpunktmessungen mit einem GPS-Empfänger Trimble Ensign im Gelände im Mai 1999 lieferten Positionen von Referenzpunkten im weltweit verwendeten Bezugssystem WGS84. Die Transformation dieser Punkte in die UTM Projektion ergab rechtwinkelige, ebene Lagekoordinaten in der Zone 39 dieser Abbildung mit dem Mittelmeridian 51E. Der entsprechende Ausschnitt des KFA-1000 Satellitenbildes wurde gescannt und mit den erwähnten Positionsangaben auf Maßstab und in das angegebene Bezugssystem gebracht. Bekanntlich ist die Qualität des Fernerkundungsbildes von systembezogenen, dispositions-abhängigen und objektseigenen Parametern abhängig und in vielen Fällen ohne weitere Bearbeitungsschritte als kartographisches Produkt nicht brauchbar. Mögliche Varianten der Bearbeitung, wie etwa als kombinierte Bild-Strich-Karte, wurden publiziert (KOSTKA 1996, 1998), es soll darauf nicht näher eingegangen werden. Lediglich ein Darstellungselement der Karte, die Reliefinformation, wird etwas näher betrachtet. Das Fernerkundungsbild lieferte nicht die gewünschte Geländeinformation, da es vom Sonnenstand und Schattenwurf abhängig ist und das Relief durch Situationsdetails und Störpixel überlagert worden war. Es lieferte aber die geometrische Grundlage für eine manuelle Schummerung unter der Annahme eines Schräglichteinfalles von Nordwest. Mit Hilfe zusätzlicher Kollateraldaten wurde auf diese Weise eine einheitliche Reliefinformation für das gesamte Kartenblatt hergestellt. Das Scannen dieses analogen Produktes ermöglichte Maßnahmen am digitalen Ergebnis. Es waren dies Verstärkung des Kontrastes und Veränderungen der geometrischen Auflösung (Resampling), die die Qualität des Kartenblattes steigerten. Die Geländeinformation wurde mit den Elementen der Situationsdarstellung fusioniert. Letztere lagen in Rasterform (z.B. Vegetation) oder in Vektorform (z.B. lokale Signaturen) vor. Das besondere Anliegen des Kartenblattes Damavand 1:50 000 lag in einer detailreichen Geländewiedergabe, die rationell nur durch die verwendeten Fernerkundungsdatensätze erreicht werden konnte. Im Bereich von Siedlungen oder überdeckender Situation wurde ein effizientes Arbeiten erst unter Zuhilfenahme der hochauflösenden Datensätze möglich. Die auf CD abgespeicherten digitalen Daten stellen das Ergebnis der kartographischen Bearbeitung dar. Auf computergestütztem reprographischem Wege wurden die Druckplatten für den 4 Farbendruck hergestellt. Der Auflagendruck stellte die letzte Phase, die Visualisierung, im kartographischen Prozess dar und lieferte das analoge Endprodukt auf Papier. Ergebnisse und Analysen: Das 4-färbige Kartenblatt Damavand vom Format 68 cm x 50 cm überdeckt ein Areal von ca. 630 km.Der Höhenunterschied vom tiefsten Punkt im Haraz-Tal bis zum Gipfelkrater kann mit 4700 m angegeben werden. Der Informationsgehalt des Blattes ist in einer Legende erklärt. Für die Herstellung wurde ein Hybridansatz verwendet. Der aus dem Lateinischen ableitbare Begriff hybrid trifft im vorliegenden Fall der Kartenherstellung sowohl für die Grundlagendaten, bei einigen methodischen Arbeitsschritten als auch für das Ergebnis auf CD zu. Bei der Satellitenbildinformation wurde das analoge Bild einer russischen KFA-1000 Aufnahme mit einem digitalen Orthobild kombiniert, um lokal bessere Detailinformationen ableiten zu können. Die Reliefdarstellung basiert primär auf einer manuellen Schräglichtschummerung, die computergestützte Nachbearbeitung erfuhr. Das gescannte Produkt wurde kontrastverstärkt und in seiner geometrischen Auflösung verändert. Das kartographische Ergebnis schließlich setzt sich aus Rasterdaten, als flächenhaften Kartenelementen, und Vektordaten, linienhaften und punktförmigen Kartenelementen zusammen. 3. Zeitschriftenbeiträge In einigen Artikeln für Fachzeitschriften wurde auf die methodischen Besonderheiten bei der Projektsbearbeitung eingegangen. Das sind die erwähnten Hybridverfahren analoger mit digitalen Daten/Methoden und das ist die adäquate Abstimmung von Satellitenbilddaten für einzelne Objektsbereiche. Eine thematische Bearbeitung von Detailbereichen wird hierdurch erleichtert oder überhaupt erst ermöglicht. Für einige Bereiche des Iran konnten zusätzliche Informationen erarbeitet werden, die von thematischem Interesse (Archäologie, Botanik, Ingenieurwesen/Architektur usw.) sind. Diesbezügliche Artikel sind z.T. fertig gestellt bzw. befinden sich in Bearbeitung.
- Technische Universität Graz - 100%
- Karl Gratzl, assoziierte:r Forschungspartner:in