Rauchen und Lateralität des Gehirns
Smoking and brain laterality: Identification of nicotine´s effects on functional brain asymmetry and stress reduction
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Humanmedizin, Gesundheitswissenschaften (20%); Gesundheitswissenschaften (30%); Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (30%); Psychologie (20%)
Keywords
-
RAUCHEN,
STRESS,
LATERALITÄT,
EEG
Obwohl weithin bekannt ist, daß Zigarettenrauchen das Risiko für verschiedene schwere Krankheiten erhöht, ist es für viele Menschen schwierig, das Rauchen aufzugeben. Raucher unterscheiden sich darin, warum und in welchen Situationen sie bevorzugt rauchen. Es scheint aber für jene besonders schwierig zu sein, mit dem Rauchen aufzuhören, die vor allem wegen der positiven physiologischen Wirkungen rauchen, die Nikotinkonsum bei Streßbelastung oder schlechter Laune haben kann. Um das Suchtpotential von Nikotin verstehen und schwer nikotinabhängigen Rauchern helfen zu können, aufzuhören, ist es erforderlich, sowohl die psychologisch relevanten neurophysiologischen Effekte des Rauchens zu untersuchen als auch die Aktivierungsmuster im Gehirn, die mit unangenehmen Emotionen oder der Anfälligkeit für negative Gefühlszustände assoziiert sind. Hinweise aus der Literatur legen nahe, daß die Lateralitätsforschung eine Verknüpfung zwischen diesen beiden Aspekten herstellen könnte. Die geplante Studie verfolgt diesen neuen Ansatz, indem die Bedeutung funktionaler Asymmetrien und bestimmter asymmetrischer Aktivierungsmuster im Gehirn für das Rauchen und dessen verstärkende Effekte untersucht wird. Da durch Nikotin verschiedene, teilweise entgegengesetzte psychologische Wirkungen erzielt werden können, scheint es wichtig, jene neurophysiologischen Effekte zu bestimmen, die eine bestimmte Person dazu veranlassen, gewohnheitsmäßig zu rauchen. Zur Zeit fehlen aber noch geeignete und standardisierte Instrumente zur Bestimmung von Raucher-Typen. Ein erstes Ziel besteht daher darin, Raucher in psychologisch und neurophysiologisch relevante Kategorien einzuordnen. Es werden dann zunächst Unterschiede in Lateralitätsmustern zwischen verschiedenen Typen von Rauchern und zwischen Rauchern und Nichtrauchern untersucht, wobei sowohl Verhaltensmaße als auch elektrophysiologische Messungen (EEG) zur Anwendung kommen. Darüber hinaus werden Veränderungen der Aktivierungsmuster im Gehirn untersucht, die durch Rauchen und Nikotin-Abstinenz zustande kommen. Schließlich wird versucht, bei verschiedenen Raucher-Typen und bei Nichtrauchern charakteristische Veränderungen in der Gehirnaktivität zu identifizieren, die durch Streßbelastung hervorgerufen werden. Die Verknüpfung von Befunden über Lateralitätsmuster in Zusammenhang mit Rauchen und Abstinenz auf der einen Seite und Emotionen/Streß auf der anderen Seite könnte entscheidend zum Verständnis der suchterzeugenden Wirkung des Rauchens beitragen, zumindest bei Raucher-Typen, die vorwiegend wegen der angstreduzierenden oder beruhigenden Effekte des Nikotins rauchen.
Obwohl Rauchen als bedeutender Risikofaktor für viele ernsthafte Krankheiten gilt, fällt es den meisten schwer, das Rauchen aufzugeben. Es gibt unterschiedliche Motive und Situationen, die Raucherinnen und Raucher veranlassen, zur Zigarette zu greifen. Die meisten aber rauchen, um ihre Stimmung zu verbessern, um weniger angespannt und gestresst zu sein. Diese positiven Wirkungen von Nikotin dürften ein wesentlicher Faktor für das Suchtpotential von Zigaretten sein. Ein Ziel des Forschungsprojektes war, zu untersuchen, auf welche Veränderungen im Gehirn die Stimmungsverbesserung durch Zigarettenrauchen (und damit das Suchtpotential von Nikotin) zurückgeführt werden kann. Ein Hauptaugenmerk lag dabei auf Unterschieden in der Aktivität der linken und rechten Gehirnhälfte. Ein wichtiger erster Teilaspekt der Befunde zeigt, dass spontan auftretende Verschiebungen der Asymmetrie in den am weitesten vorne liegenden Bereichen der Großhirnrinde (frontopolarer Bereich) mit kurzfristigen Stimmungsänderungen einhergehen. Die Stimmung wird positiver und enstpannter, wenn sich die frontopolare Asymmetrie nach rechts verschiebt. Verschiebt sich die Asymmetrie nach links, wird die Stimmung negativer und angespannter. Eines der Hauptergebnisse des Forschungsprojektes ist, dass bei Rauchern bereits nach einer einstündigen Nikotinabstinenz der linke frontopolare Cortex stärker aktiviert ist als der rechte. Das Rauchen einer Zigarette bewirkt eine Verschiebung der Asymmetrie nach rechts, also eine relativ stärkere Aktivierung des rechten frontopolaren Cortex. Dieser Effekt ist bei starken Rauchern stärker als bei schwachen Rauchern. Die Verschiebung der Aktivität im frontopolaren Cortex könnte den stimmungsaufhellenden und entspannenden Effekt von Nikotin erklären. Die Verknüpfung von Befunden über spezifische und charakteristische Veränderungen von Aktivitätsmustern im Gehirn, die einerseits mit Rauchen und Nikotinabstinenz und andererseits mit Veränderungen der emotionalen Befindlichkeit in Zusammenhang stehen, trägt zu einem Verständnis der verstärkenden und damit suchterzeugenden Wirkung von Nikotin bei, zumindest bei Rauchern, die wegen der stimmungsaufhellenden oder beruhigenden Wirkung von Nikotin rauchen. In der Zukunft könnte dieses Verständnis zur Entwicklung von erfolgreichen und unschädlichen Methoden beitragen, die stark nikotin-abhängigen Raucherinnen und Rauchern helfen, mit dem Rauchen aufzuhören.
- Universität Graz - 100%
Research Output
- 44 Zitationen
- 3 Publikationen
-
2014
Titel Body Pigmentation as a Risk Factor for the Formation of Intracranial Aneurysms DOI 10.1155/2014/301631 Typ Journal Article Autor Schulter G Journal BioMed Research International Seiten 301631 Link Publikation -
2011
Titel Prenatal programming of adult mineral metabolism: Relevance to blood pressure, dietary prevention strategies, and cardiovascular disease DOI 10.1002/ajhb.22206 Typ Journal Article Autor Schulter G Journal American Journal of Human Biology Seiten 74-80 -
2008
Titel Believing in paranormal phenomena: Relations to asymmetry of body and brain DOI 10.1016/j.cortex.2007.08.022 Typ Journal Article Autor Schulter G Journal Cortex Seiten 1326-1335