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Die slowenische Theaterszene in Kärnten seit 1976 und ihre kulturpolitischen Hintergründe

The Slovene theater scene in Carinthia since 1976

Peter V. Zima (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/P13518
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.01.2000
  • Projektende 31.12.2001
  • Bewilligungssumme 39.134 €

Wissenschaftsdisziplinen

Andere Geisteswissenschaften (20%); Kunstwissenschaften (30%); Soziologie (10%); Sprach- und Literaturwissenschaften (40%)

Keywords

    LITERATURWISSENSCHAFT, THEATERWISSENSCHAFT, KULTURWISSENSCHAFT, KÄRNTEN, SLOWENEN

Abstract Endbericht

Forschungsprojekt P 13518Slowenische Theaterszene in Kärnten seit 1976Peter V. ZIMA28.06.1999 Die slowenische Theaterszene in Kärnten seit 1976 ist Gegenstand des vorliegenden Projekts. Als Teil des kulturellen Ausdrucks einer ethnischen Minderheit weist dieses Theater seine Besonderheiten auf. So erfüllt es u. a. gesellschaftspolitische und erzieherische Aufgaben, deren Form und Wandel von den allgemeinen gesellschaftspolitischen, ideologischen und sozialen Prozessen abhängig sind. An der slowenischen Kinder- und Jugendtheaterarbeit etwa beteiligten sich zuletzt verstärkt auch deutschsprachige Kinder. Hier wird das Theater, ungeachtet der sprachlichen Zugehörigkeit, zu einem Ort interkulturellen sozialen Lernens. Die Untersuchung des hier beschrittenen Weges und seiner Perspektiven soil einen Beitrag zur Frage nach dem künftigen Zusammenleben von Minderheit und Mehrheit sowie zur aktuellen Diskussion über die Förderung regionaler Kulturen im Rahmen des europäischen Integrationsprozesses leisten. Weiters werden die neueren Entwicklungen auf dem Gebiet des Laienspiels, des (halb)-professionellen Theaters sowie die mediale Rezeption vor dem Hintergrund der slowenischen kulturpolitischen Praxis untersucht. Dabei wird die jeweilige politische, ökonomische und psychosoziale Lage der Kärntner Slowenen besonders berücksichtigt, zumal, die Entstehung des slowenischen Staates und der Beitritt Österreichs zur Europäischen Union wesentliche Einschnitte markieren. Um die vielfältigen Aspekte der Thematik zu erfassen, wird ein interdisziplinärer Forschungsansatz gewählt, der psychosoziale, soziale, historische, volkskundliche wie auch literatur- und theaterwissenschaftliche Aspekte umfaßt. Das Projekt soll die slowenische Theaterszene der letzten Jahre analysieren und die Verortung des slowenisches Theaters in Kärnten im österreichischen Kontext und im Vergleich mit anderen Minderheiten in Europa ermöglichen. Geplant ist die Veröffentlichung der Arbeitsergebnisse in einer gesonderten Publikation.

Das Theater einer ethnischen Minderheit ist in letzter Konsequenz immer Ausdruck kultureller und sprachlicher Identität. Aufgrund seiner heutigen Differenziertheit und Qualität böte das slowenische Theater in Kärnten die Voraussetzungen, es auch verstärkt als Ort der Begegnung und Zusammenarbeit von Mehrheit und Minderheit zu begreifen. Allerdings fehlen Förderprogramme, die zu gezielten Kooperationen anregen und bestehende Vorbehalte gegenüber solchen Initiativen abbauen würden. Ausgehend von der analytischen, interdisziplinär ausgerichteten Darstellung der jüngsten Entwicklung des slowenischen Theaters in Kärnten ging es darum, Kärntens slowenische Theaterproduktion im österreichischen Kontext zu verorten und dem Vergleich mit ähnlichen Aktivitäten anderer ethnischer Minderheiten zugänglich zu machen. Die Arbeitsergebnisse sollten darüber hinaus für die regionale kulturpolitische Arbeit und die Entwicklung künftiger Konzepte nutzbar sein und ausloten, wann Theater über sprachliche und geopolitische Grenzen hinweg als integrativer Faktor wirksam wird. Im Anschluß an zwei frühere Arbeiten liegt nun eine detaillierte Darstellung der Kärntner slowenischen Theatergeschichte des 20. Jahrhunderts vor. Sie zeigt, daß sich das Theaterschaffen erst in den 90er Jahren als autonome Kunstform etablieren konnte, verbunden mit einer starken Differenzierung des Theaters. Dies wirkte sich positiv auf die Weiterführung der traditionellen Theateraktivitäten aus und war zugleich die Basis unterschiedlich intensiver, künstlerisch und professionell orientierter Theaterarbeit. Durch die Beziehung von Mentoren aus Slowenien für das Kinder,- Jugend- und Figurentheater und die Zusammenarbeit professioneller Theaterschaffender mit Amateuren in Kärnten wurden in den 70er und 80er Jahren die Weichen für eine Entwicklung gestellt, die auch die sprachliche und kulturelle Kompetenz förderte. Die konkrete Theaterarbeit stützt sich allerdings auf kein ganzheitliches Konzept, sodaß in der Praxis zumeist Sachzwänge und individuelles Engagement entscheidend sind. Kärntens slowenisches Theater schöpft überwiegend aus den kulturellen, strukturellen und finanziellen Ressourcen Sloweniens. Trotz dieser überproportionalen Abhängigkeit, die der realen Einbettung der slowenischen Minderheit in Kärnten in den österreichischen Kontext in keiner Weise entspricht, wurde das Kärntner slowenische Theater in den letzten 10 bis 15 Jahren auch zu einem wichtigen Vermittler österreichischer Theaterkultur und hat diese seinerseits bereichert. Gemessen daran sind die Förderungen seitens Österreichs für diesen Bereich kultureller und künstlerischer Arbeit verhältnismäßig gering. Die Folge sind deutliche Defizite in der an sich positiven Entwicklung. Es liegen keine Entwicklungskonzepte vor; punktuellen Neuerungen fehlt die Kontinuität; die Theaterarbeit steht permanent in einem finanziell bedingten Interessenskonflikt mit den politischen Strukturen der Minderheit; die Theaterarbeit findet ohne flankierende Maßnahmen statt, ohne strukturelle Verbesserungen, ohne die gezielte Entwicklung einer Theaterkritik und ohne wirksame Fördermaßnahmen, um die autochthone Produktion szenisch-dramatischer Texte zu stimulieren. Eine koordinierte Kulturpolitik aller Beteiligten und spezielle Fördermaßnahmen wären insbesondere dann notwendig, sollten die in der Theaterpraxis zum Teil schon überwundenen sprachlichen Grenzen auch breiter wirksam werden. Bisher ist es primär das slowenische Theater in Kärnten, das in der regionalen Zusammenarbeit eine gewisse Breitenwirkung erzielt hat, allerdings primär im slowenischen kulturellen Kontext.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Klagenfurt - 100%
Nationale Projektbeteiligte
  • Johann Strutz, Universität Klagenfurt , assoziierte:r Forschungspartner:in

Research Output

  • 5 Zitationen
  • 1 Publikationen
Publikationen
  • 2020
    Titel Adipose Triglyceride Lipase is needed for homeostatic control of Sterol Element-Binding Protein-1c driven hepatic lipogenesis
    DOI 10.1101/2020.11.02.363440
    Typ Preprint
    Autor Wieser B
    Seiten 2020.11.02.363440
    Link Publikation

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