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Kirchliche und private Religiosität in modernen Gesellschaften. Eine interkulturell vergleichende Analyse anhand des International Social Survey Programme 1998

Religion in Modern Societies. A Cross-Cultural Comparsion

Franz Höllinger (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/P13466
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 15.05.1999
  • Projektende 15.05.2001
  • Bewilligungssumme 44.185 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Soziologie (100%)

Keywords

    RELIGION, RELIGION IM INTERKULTURELLEN VERGLEICH, CHRISTLICHE RELIGION, RELIGION IN CROSS-CULTURAL COMPARSION, NEW AGE, CHRISTIAN RELIGION

Abstract Endbericht

Die Hauptströmungen der europäischen Soziologie gingen lange Zeit davon aus, daß die Religion in modernen Gesellschaften an Bedeutung verliert. Die Ausweitung des Blickfelds über die Grenzen Europas hinaus, aber auch eine differenzierende Betrachtung der religiösen Lage in Europa zeigen indes, daß die These einer generellen Unvereinbarkeit von Modernität und Religiosität nicht aufrechterhalten kann. In den verschiedenen Kulturkreisen und Ländern der modernen Welt gibt es sehr unterschiedliche Ausdrucksformen des religiösen Lebens, die sich in ebenso unterschiedlicher Weise auf das soziale Verhalten der Menschen auswirken. Nicht alle, sondern nur bestimmte Typen von religiösen Glaubensvorstellungen und Sozialformen des religiösen Lebens verlieren an Plausibilität. Und aus dem breiten Reservoir an religiösen und magisch-esoterischen Vorstellungen und Praktiken früherer Zeiten und anderer Kulturen entwickeln sich neue religiöse Kulte wie auch eine Sozialform der Religion, die im Vergleich zu früher stärker private Züge aufweist. Ziel dieses Forschungsprojekts ist es, den international vergleichenden Fragebogen des International Social Survey Programme (ISSP) zum Thema "Religion" in Österreich zu erheben und anhand des kumulierten ISSP-Datensatzes die religiösen Glaubensvorstellungen und. Praktiken der Bevölkerung in etwa 20 europäischen und 8 außereuropäischen Ländern zu vergleichen. Im Mittelpunkt der Untersuchung stehen die folgenden Fragen: 1. Welche Bedeutung hat die traditionelle Form der (kirchlichen) Gemeinschaftsreligiosität in den einzelnen Ländern? Aufgrund welcher soziokulturellen Bedingungen kommt es in bestimmten Ländern zu einem starken Rückgang dieser Form der Religiosität, in anderen Ländern hingegen nicht? 2. Verlieren die traditionellen (christlich-) religiösen Glaubensvorstellungen in allen Ländern der westlichen Welt an Plausibilität, während zur gleichen Zeit die Glaubwürdigkeit magisch-esoterischer Praktiken zunimmt? Was sind die Ursachen für diese Entwicklung, und auf welche Faktoren lassen sich diesbezügliche Länderunterschiede zurückführen? 3. Welche Zusammenhänge bestehen zwischen bestimmten Formen der Religiosität und politischen und moralischen Einstellungen und Verhaltensweisen?

Anhand der Erhebungen des International Social Survey Programme (ISSP-1998) zum Thema "Religion" und einer internationalen Studie über "Religion, Esoterik und politische Einstellungen von Studierenden" wurden die Verbreitung religiöser und esoterischer Glaubensvorstellungen und Praktiken in modernen Gesellschaften, sowie der Zusammenhang zwischen Religiosität und sozialen Wertorientierungen untersucht. Die Analyse der Daten von über 20 christlichen Ländern zeigt große Unterschiede im Niveau der Religiosität. Diese Unterschiede sind weniger auf das sozioökonomische Entwicklungsniveau der Länder, sondern auf folgende Faktoren zurückzuführen: a) Spezifische Muster der Religiosität bei verschiedenen christlichen Konfessionen; b) die Einstellungen der Bevölkerung eines Landes zur Kirche als Folge der historisch gewachsenen Beziehungen zwischen Kirche, Staat und Gesellschaft; c) den Grad der Reduzierung von existentiellen Lebensriskiken durch den Ausbau des sozialen Wohlfahrtsstaat. Der Trend von 1991 bis 1998 deutet auf eine weitere Verlagerung von kirchlicher zu privater Religiosität in Westeuropa hin, während in Osteuropa in diesem Zeitraum ein leichter Anstieg der kirchlichen Religiosität festzustellen ist. Der Glaube an esoterische Phänomene ist in Osteuropa, in Südamerika und in den USA wesentlich weiter verbreitet als in Westeuropa. Ein erheblicher Teil der Bevölkerung Österreichs und anderer europäischer Länder hat bereits neue Formen der Spiritualität, Alternativmedizin und esoterische Praktiken ausprobiert, der Anteil derer, die derartige Praktiken regelmäßig ausüben, beträgt jedoch nur ein paar Prozent. Christliche Religiosität und die Affinität zur Esoterik und neuen Formen der Spiritualität gehen mit gegensätzlichen moralischen und politischen Einstellungen einher. Religiöse Menschen haben eine restriktivere Sexual- und Familienmoral; sie vertreten häufiger konservative politische Positionen und beteiligen sich häufiger als andere an karitativen Aktivitäten. Personen, die der New Age-Bewegung nahe stehen, haben hingegen liberalere moralische Einstellungen, nehmen häufiger an politischen Protestaktivitäten teil und fühlen sich eher zu links-liberalen Parteien, insbesondere zu den Grünen hingezogen.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Graz - 100%

Research Output

  • 174 Zitationen
  • 1 Publikationen
Publikationen
  • 2008
    Titel Structural Coupling of SH2-Kinase Domains Links Fes and Abl Substrate Recognition and Kinase Activation
    DOI 10.1016/j.cell.2008.07.047
    Typ Journal Article
    Autor Filippakopoulos P
    Journal Cell
    Seiten 793-803
    Link Publikation

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