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Individuelle Privatsphäre und das Internet: eine ethische Analyse als Grundlage für politische, rechtliche und technische Maßnahmen

Privacy and the Internet

Edgar Morscher (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/P13396
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.05.1999
  • Projektende 30.04.2002
  • Bewilligungssumme 110.245 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Philosophie, Ethik, Religion (100%)

Keywords

    PRIVATHEITSRECHT, PRIVATHEITSNORM, INTERNET, DATENSCHUTZ

Abstract Endbericht

Im Projekt geht es um eine ethische Untersuchung der Bedrohung der individuellen Privatsphäre durch das Internet. Persönliche Daten sind durch dieses globale Computernetzwerk immer leichter und effizienter zugänglich. Dies hat bereits zu intensiven Auseinandersetzungen auf internationaler Ebene geführt, wobei die ethische Problematik leider oftmals zu Unrecht übergangen wird. Dem soll dieses Projekt abhelfen, indem es folgenden Fragen nachgeht: 1. Inwiefern ist durch das Internet die individuelle Privatsphäre bedroht? 2. Warum ist die Bedrohung der individuellen Privatsphäre durch das Internet ethisch bedenklich? 3. Was ist bei Maßnahmen zum Schutz der Privatsphäre im Internet aus ethischer Perspektive zu berücksichtigen? In einem ersten Schritt sollen begriffliche Verwirrungen geklärt und der Untersuchungsgegenstand näher bestimmt werden. Der alltagssprachliche Ausdruck Privatsphäre ist mehrdeutig. Damit ist zunächst unklar, inwiefern die Privatsphäre durch das Internet bedroht wird. Wird die Privatsphäre von Menschen dadurch bedroht, daß (a) andere etwas über sie erfahren, (b) andere etwas über sie erfahren, worauf jene kein Recht haben, oder (c) sie nicht kontrollieren können, wer was über sie erfährt? Ohne Klarheit auf dieser Ebene wird jede weitere Auseinandersetzung erschwert. Sodann stellt sich die Kernfrage, warum eine, Bedrohung der individuellen Privatsphäre durch das Internet ethisch bedenklich ist. Liegt es daran, daß ohne Privatsphäre (a) staatliche und nicht-staatliche Organisationen zu viel Macht bekommen würden, (b) Menschen keine engen persönlichen Beziehungen eingehen könnten oder (c) sie nicht als Personen respektiert würden? Diese und andere vermeintliche Zusammenhänge sind aus ethischer Perspektive überaus bedenkenswert. Dieses Projekt untersucht, ob diese Zusammenhänge bestehen und inwiefern sich auf Grund dieser Zusammenhänge ein Schutz der Privatsphäre im Internet begründen läßt. Werden Maßnahmen zum Schutz der Privatsphäre im Internet getroffen, könnte aus ethischer Sicht darüber hinaus zu berücksichtigen sein, daß (1) auf manche Rechte verzichtet werden kann und daß (2) in vielen ethischen Überlegungen nicht nur ein Wert oder eine Norm relevant ist. In einem dritten Schritt soll deshalb zum einen untersucht werden, unter welchen Bedingungen auf ein Recht auf Privatsphäre verzichtet werden kann, und zum anderen aufgezeigt werden, welche Werte und Normen (unter Berücksichtigung des Kontextes) den Schutz der Privatsphäre im Internet aufwiegen könnten. Was letzteres betrifft, könnte durchaus eine Rolle spielen, daß die Verbrechensbekämpfung durch den Schutz der Privatsphäre erschwert wird. Mit einer gründlichen Behandlung dieser Thematik soll dieses Projekt zu den ethischen Grundlagen beitragen, auf denen politische, rechtliche und technische Maßnahmen zum Schutz der individuellen Privatsphäre im Internet aufbauen. Mit diesen werden zukünftige Arbeits- und Lebensbedingungen gestaltet.

Das Projekt "Privatsphäre und Internet" untersuchte, ob durch das Internet die individuelle Privatsphäre bzw. die Privatheit bedroht wird und inwiefern dies ethisch von Belang wäre. Es zeigte sich, dass im Lichte von mehreren ethischen Prinzipien verschiedene Möglichkeiten, mit Hilfe des Internets Informationen über Menschen zu gewinnen, bedenklich sind. Da in mancherlei Hinsicht jedoch die Wahrscheinlichkeit einer Schädigung zu berücksichtigen ist, ist heute vielfach noch unklar, wie viel Sorge aus ethischer Perspektive angebracht ist. Die Thematik wurde im Lichte von vier ethischen Prinzipien bzw. "Bündeln von Prinzipien" untersucht. Diese sind: das Prinzip der Autonomie, das Prinzip der Nicht-Schädigung, das Prinzip der Wohltätigkeit und das Prinzip der Gerechtigkeit, wobei sich bei der ethischen Beurteilung von Privatsphäre und Internet v.a. die ersten beiden Prinzipien als relevant erwiesen. Aus ethischer Perspektive ist zunächst eine Bedrohung von Privatheit von einer Bedrohung von Rechten auf Privatheit bzw. einer Selbstbestimmung über Privatheitszustände zu unterscheiden. Aus Sicht des Autonomieprinzips mag nämlich die Forderung nach Selbstbestimmung über Privatheitszustände zu begründen sein, nicht jedoch die Forderung nach bestimmten Privatheitszuständen. So geht es vielen, wenn sie das Internet als Bedrohung ihrer Privatsphäre betrachten, auch nicht darum, dass z.B. niemand von ihren Konsumgewohnheiten weiß, sondern darum, dass sie selbst entscheiden können, wer diese und in welchem Umfang kennt. Hier ergibt sich ein deutlicher Bezugspunkt zum rechtlich gefassten Recht auf informationelle Selbstbestimmung. Andererseits ist aus Sicht des Prinzips der Nicht-Schädigung - das (sehr) einfach ausgedrückt verlangt, dass kein Schaden bzw. kein Leid verursacht wird - bereits bedenklich, dass es mit Hilfe des Internets möglich ist, Informationen über Menschen zu sammeln, die dazu verwendet werden können, jemandem zu schaden. Anders als bei Datenschutzgesetzen ist hier beispielsweise bei den sogenannten Cookies nicht nur relevant, ob sich Daten eindeutig einer Person zuordnen lassen, womit sie als personenbezogen gelten und in den Anwendungsbereich von Datenschutzgesetzen fallen würden. Aus ethischer Sicht geht es durchaus auch darum, welche Möglichkeiten, Menschen zu schaden, sich aus der Anwendung von Cookies ergeben. Da beim Prinzip der Nicht-Schädigung der zu erwartende Schaden und damit Wahrscheinlichkeitsüberlegungen zu berücksichtigen sind, ist heute jedoch vielfach noch unklar, wie viel Sorge aus ethischer Perspektive angebracht ist. Darüber hinaus ergab eine Untersuchung zu Datenschutz und Vertrauenswürdigkeit im E-Commerce, dass E-Unternehmen in diesem Zusammenhang gut daran tun, nicht nur auf Sicherheit zu setzen, sondern auch auf Wohlwollen, das zu den unverzichtbaren Komponenten von Vertrauenswürdigkeit zählt - ein Ergebnis, dessen Relevanz wohl nicht überschätzt werden kann. Wichtig war bei der Durchführung des Projektes, Forschung in Verbindung mit der Praxis zu bringen und die Ergebnisse auch der Öffentlichkeit zu präsentieren. Allgemein wurde es jedoch als problematisch empfunden, sowohl die wissenschaftliche Grundlagenarbeit zu leisten als auch mit Antworten auf drängende Fragen zu rasanten Entwicklungen im Bereich der neuen Informations- und Kommunikationstechnologie aufwarten zu müssen. In der Verbindung dieser zwei "Zeitkulturen" lag eine große Herausforderung.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Salzburg - 100%

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