Generalverzeichnis der Handzeichnungen Francesco Borrominis (1599-1667)
Catalogue of Drawings by Francesco Borromini
Wissenschaftsdisziplinen
Bauwesen (10%); Kunstwissenschaften (90%)
Keywords
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BORROMINI,
FRANCESCO,
ARCHITEKTURZEICHNUNGEN,
RÖMISCHE BAROCKARCHITEKTUR
Das Forschungsprojekt "Generalverzeichnis der Handzeichnungen Francesco Borrominis" (1599-1667) ist institutionell und inhaltlich eng mit dem Ausstellungsprojekt verbunden, das anläßlich des 400. Geburtstages des italienischen Architekten Francesco Borromini von der Graphischen Sammlung Albertina/Wien und der Bibliotheca Hertziana/Rom geleitet wird. Die Ausstellung wird vom 15. Dezember 1999 bis 21. Februar 2000 im Palazzo delle Esposizioni in Rom und vom 12. April bis 25. Juni 2000 in der Albertina in Wien gezeigt werden. Die in deutscher und italienischer Sprache abgefaßten Ausstellungskataloge werden im italienischen Verlag Elemond/Mailand erscheinen. Derselbe Verlag wird auch für die Produktion des Generalverzeichnisses der Handzeichnungen Francesco Borrominis verantwortlich zeichnen, das nur in italienischer Sprache erscheinen wird. Für die Erfassung der Bild- und Textdaten des Generalverzeichnisses wurde an der Graphischen Sammlung Albertina eine spezielle Datenbank entwickelt, die der Sammlung auch über die Publikation des Verzeichnisses hinaus als Inventar zur Verfügung stehen wird. Das Generalverzeichnis soll in Buchform und als CD-ROM erscheinen und alle bekannten Handzeichnungen Borrominis (960 Stück) in Bild, Grunddaten und wissenschaftlichen Kommentaren verschiedener Autoren präsentieren. Als Erscheinungsdatum ist der Termin der römischen Ausstellung vorgesehen.
Das Vorhaben entstand im Rahmen eines Ausstellungsprojekts ("Francesco Borromini", Rom - Wien 1999-2000), in das die namhaftesten Fachleute aus Europa und Amerika eingebunden waren. Vom Projektleiter koordiniert, sollte die vollständige Erfassung und wissenschaftliche Bearbeitung der rund tausend erhaltenen Originalzeichnungen des großen römischen Barockarchitekten und seiner engsten Gehilfen vorgenommen werden. Zu diesem Zwecke war eine Bilddatenbank hergestellt worden, die - auf CD-Rom gebrannt - den beteiligten Spezialisten zur Verfügung gestellt werden konnte. Den einzelnen Forschern wurden bestimmte Bauwerke zur Bearbeitung anvertraut; sie sollten kurze Baumonographien erstellen sowie die Zeichnungen - nach Überprüfung ihrer jeweiligen Zugehörigkeit -einer kritischen Bearbeitung unterziehen. Diese auf weltweite Gruppenarbeit abzielende Vorgangsweise hatte infolge ihres synergetischen Effekts eine regelrechte Wissenspotenzierung zur Folge. Zahlreiche Fragen der Zuordnung, der genaueren Bestimmung des Darstellungsgegenstandes, der Stellung einzelner Blätter innerhalb des Entwurfsprozesses und vieles andere konnte erst über die Verknüpfung der bei der Projektleitung zusammenlaufenden Teilinformationen geklärt oder zumindest neu formuliert werden. Der solchermaßen ständig im Fluß begriffene Kenntnisstand verlangte nicht nur ein Höchstmaß an Beweglichkeit bei der wissenschaftlichen Verwaltung, er verlangte auch immer wieder ergänzende Archivrecherchen zu einzelnen, von der bisherigen Borromini-Forschung nur ungenügend beachteten Themen. Das vom FWF finanzierte Projekt P 13356 - ARS hat es ermöglicht, diese zentralen Aufgaben des Forschungsvorhabens zu bewältigen. Die Projektmitarbeiter mußten also sowohl selbständig wissenschaftliche Forschungsarbeit als auch die oben geschilderte, besonders schwierige und verantwortungsvolle Koordinationsleistung vollbringen. Im Zuge der Archivarbeiten wurden einige bislang unbekannte Originalzeichnungen entdeckt, vor allem aber wichtige Erkenntnisse zu denPlanungs- und Bauabläufen gewonnen. Unter den im Rahmen des Projekts neugedeuteten Zeichnungen ist u.a. ein bisher unbekanntes Projekt zur Fassade der Lateransbasilika zu nennen. Mit Hilfe von bislang nicht ausgewerteten Originalzeichnungen der Albertina war es möglich, ein unausgeführtes Projekt für die Sakristei von St. Peter sowie ein Fassadenprojekt für die römische Klosterkirche S. Carlo alle Quattro Fontane zu rekonstruieren und in virtueller Dreidimensionalität darzustellen. Nachdem die Materialsammlung vervollständigt war und der Großteil der Beiträge eingelangt war, galt es, kritische Revisionen an der computergestützten Datenbank vorzunehmen und eine klare und sinnvolle Neuordnung zu schaffen. Es entstand ein bereits für die künftige Drucklegung gültiges Struktur-Konzept für die Abfolge und Gruppierung der monographischen Texte und Zeichnungs-Kommentare. Es wurden 973 Originale (inklusive solche der engsten Mitarbeiter Borrominis) identifiziert, die sich auf insgesamt 48 Bauobjekte beziehen. 721 Zeichnungskommentare und 35 Baumonographien (insgesamt 672 Manuskriptseiten) liegen bereits meist in redaktionell vollendeter Form vor. Aus technischen, von der Projektleitung nicht beeinflußbaren Gründen war es bisher nicht möglich, die von den externen Mitarbeitern vorgeschlagenen Korrekturen in die Stammblätter der elektronischen Datenbank einzuarbeiten. Dies und die redaktionelle Vereinheitlichung der noch fehlenden Beiträge wird der Projektmitarbeiter in den kommenden Monaten vornehmen; mit finanzieller Unterstützung der Bibliotheca Hertziana (Max-Planck-Gesellschaft), die von Anfang an am Ausstellungs- und Forschungsprojekt beteiligt war.
- Albertina - 100%
- Richard Bösel, Österreichische Akademie der Wissenschaften , assoziierte:r Forschungspartner:in
- Christoph L. Frommel, Max-Planck-Institut - Italien