Die Wasserzeichen in den mittelalterlichen Handschriften des Stiftes Klosterneuburg
Watermarks of the Manuscripts in Klosterneuburg
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (65%); Informatik (35%)
Keywords
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HISTORISCHE HILFSWISSENSCHAFTEN,
FILIGRANOLOGIE,
HANDSCHRIFTEN,
BETARADIOGRAPHIE,
KLOSTERNEUBURG,
DIGITALE BILDVERARBEITUNG
Projektziel ist einerseits die genaue Datierung aller Papierhandschriften der Stiftsbibliothek Klosterneuburg mit Hilfe der in Klosterneuburger Handschriften der Bibliothek und des Archivs nachweisbaren Wasserzeichen, andererseits die Erstellung eines Repertoriums aller erhobenen Wasserzeichen in Form einer Text-Bild-Datenbank. Wasserzeichen sind Abdrucke der auf dem Schöpfsieb angebrachten Drahtfigur. Da die Lebensdauer dieser Drahtfiguren nur auf wenige Jahre beschränkt war, können undatierte Papierhandschriften dann auf wenige Jahre genau datiert werden, wenn es gelingt, vö1lig deckungsgleiche Wasserzeichen in datierten Manuskripten nachzuweisen. Datierte Manuskripte finden sich vor allem in Archiven. Da ein zuverlässiger Vergleich zwischen Wasserzeichen nur dann stattfinden kann, wenn alle Einzelheiten der sich häufig nur sehr geringfügig unterscheidenden Papiermarken eindeutig erkennbar sind. werden von allen Wasserzeichen Betaradiographie- Aufnahmen angefertigt. Dieses Verfahren, das die Dickenunterschiede des Papiers am Film sichtbar macht, den mit schwarzer Tinte geschriebenen Text hingegen nicht abbildet, ist in der Lage, von fast allen Wasserzeichen eindeutige Bilder zu liefern. Alle Betaradiographien werden eingescannt. Die Daten zur Trägerhandschrift, zum Wasserzeichen selbst sowie zur Graphik des Wasserzeichens werden in mehreren Datenbanken (Paradox 7.0) gespeichert. Im Rahmen des Projektes geschriebene Programme greifen auf diese Daten zu und erlauben unter anderem den Ausdruck der Wasserzeichenbilder mit allen dazugehörenden Informationen. Die Implementation verschiedener Suchmodule und der automatische Vergleich von Wasserzeichenbildern gehören zu den vordringlichen, noch zu programmierenden Aufgaben. Die erhobenen Bilder und Daten werden bereits 1999 interessierten Institutionen via Internet und auf CD-ROM zur Verfügung gestellt werden, um Verbesserungsvorschläge noch während der Laufzeit des Projektes berücksichtigen zu können. Die in drei Jahren rund l0.000 Wasserzeichen umfassende Datenbank wird zweifellos eine wertvolle Ergänzung zu den gedruckten Wasserzeichenrepertorien darstellen.
Hauptziel des Projektes war die Datierung der 650 mittelalterlichen Papierhandschriften der Bibliothek des Stiftes Klosterneuburg. Zu diesem Zweck wurden alle Wasserzeichen der undatierten Handschriften nicht wie üblich ausschließlich mit Wasserzeichen-Nachzeichnungen in gedruckten Repertorien wie "Piccard", sondern auch mit den Wasserzeichen der rund 250 datierten Manuskripte in der Bibliothek und im Archiv des Stiftes Klosterneuburg verglichen. Auf der Basis der Wasserzeichen aus den datierten Handschriften, welche zu Beginn des Projektes registriert worden waren, war es möglich, mehr als 400 Handschriften in eine zuverlässige chronologische Ordnung zu bringen. Denn der größte Teil der datierten Wasserzeichen konnte auch in undatierten Handschriften nachgewiesen werden. Demgegenüber konnten von über 5000 verschiedenen Wasserzeichen aus Klosterneuburger Handschriften weniger als 3% in identischer Form in gedruckten Repertorien festgestellt werden. Datieren von Handschriften mit Hilfe ihrer Wasserzeichen ist somit dann erfolgreich, wenn man datierte Handschriften derselben Provenienz (Bibliothek und/oder Region) zusätzlich zu gedruckten Repertorien heranzieht. Wasserzeichen sind Abdrucke, die von der Drahtfigur auf dem Drahtsieb herrühren, das zur Produktion der Papierbögen benutzt wurde. Da diese Siebe nur einige wenige Jahre in Gebrauch waren, können undatierte Papierblätter datiert werden, wenn völlig identische Wasserzeichen auf datierten Blättern nachgewiesen werden können. Die übliche Methode der Wasserzeichen-Registrierung ist die der Handpause. Da jedoch die meisten der Wasserzeichen in mittelalterlichen Handschriften teilweise von Tinte bedeckt sind, versagt diese Methode häufig. Aus diesem Grund wurde ausschließlich die Beta-Radiographie zur Reproduktion aller Wasserzeichen Klosterneuburger Handschriften eingesetzt. Bei dieser Methode werden lediglich Dickenunterschiede der Papierblätter auf einem Röntgenfilm sichtbar gemacht, während der in schwarzer Tinte geschriebene Text auf dem Film nicht erscheint. Nur radiographische Methoden wie die Beta-Radiographie sind in der Lage, eindeutige Aufnahmen von nahezu jedem Wasserzeichen zu liefern. Alle Bilder sowie die zu Handschriften, Wasserzeichen und Graphiken der Wasserzeichen relevanten Daten sind in relationalen Datenbanken abgelegt. Das Datenbank-Management wurde mit einer Gruppe von Software-Tools in einem einzigen System zusammengefaßt ("Watermark Processing and Database Toolkit"). Die Software ermöglicht computergestütztes Ermitteln von Größenparametern, das Suchen nach identischen Wasserzeichen und die Automatisierung einer Anzahl von Routine-Jobs. Bis jetzt wurden mehr als 10.000 Photos von rund 5.000 verschiedenen Wasserzeichen angefertigt. Seit 1999 sind Photos von etwa 4.700 Wasserzeichen über das Internet zugänglich (http://www.oeaw.ac.at/ksbm/wz/wzma/) und stellen eine wertvolle Ergänzung zu den bestehenden gedruckten Repertorien dar.
- Emanuel Wenger, Österreichische Akademie der Wissenschaften , assoziierte:r Forschungspartner:in