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Publikationsvorbereitung des Hanghauses 2 in Ephesos: Die Wand- und Deckendekorationen.

Terrace House 2 in Ephesos: Wall- and Ceilingdecorations

Hilke Thür (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/P13185
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.01.1999
  • Projektende 31.12.2002
  • Bewilligungssumme 133.863 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Andere Geisteswissenschaften (10%); Geschichte, Archäologie (80%); Kunstwissenschaften (10%)

Keywords

    KLASSISCHE ARCHÄOLOGIE, EPHESOS, ANTIKE WOHNBAUTEN, AUSSTATTUNG, WANDMALEREIEN, MARMORWANDVERTÄFELUNG

Abstract Endbericht

Das Hanghaus 2 in Ephesos stellt dank seines hervorragenden Erhaltungszustandes und der reichen Ausstattung mit Wandmalereien, Marmorwandverkleidungen, Stuck- und Mosaikdekorationen, aber auch durch sein reichhaltiges Fundinventar an Skulpturen, Kleinkunst, Hausrat und Kleinfunden eines der wichtigsten Denkmäler für die Erforschung des kaiserzeitlichen Wohnbaues generell und insbesondere im östlichen Mittelmeerraum dar. Die Insula wurde von 1962 bis 1985 von H. Vetters ausgegraben, die Wandmalereien und die Mosaiken der bis 1973 freigelegten Teile wurden gemeinsam mit den Dekorationen des Hanghauses 1 1977 von V.M. Strocka (Wandmalereien) und W. Jobst (Mosaiken) vorab publiziert, der Baubefund wurde lediglich summarisch vom Ausgräber in einem Vorspann dargelegt. Die Autoren datierten die früheste faßbare Phase in das 1. Jh. n.Chr., die Zerstörung setzten sie aufgrund eines Münzfundes an den Beginn des 7. Jh. Die Mehrzahl der Wandmalereien und der Mosaiken soll demzufolge in der Spätantike, im 4. und 5. Jh. n.Chr. entstanden sein. Aufgrund neuer archäologischer Evidenzen durch die Freilegung des unteren Bereiches des Hanghauses 2, durch Nachgrabungen der letzten Jahre, durch eine seit 1995 begonnene systematische Bauanalyse und durch die Bearbeitung der Wandgrafitti sind diese Datierungen neu zu überdenken und teilweise mit Sicherheit zu revidieren. Im Rahmen des beantragten Projektes sollen die Wand- und Deckendekorationen neu bearbeitet werden. Die Wände sind entweder mit Marmor vertäfelt oder mit Wandmalereien geschmückt, in zahlreichen Fällen sind beide Dekorationsarten miteinander kombiniert. Marmorwandvertäfelungen fanden bis vor kurzem nur geringes Interesse der Forschung, umfassendere Studien zu dieser Dekorationart lagen nicht vor. Seit einigen Jahren hat K. Koller diese Dekorationsart zu untersuchen begonnen, in ihrer Dissertation hat sie die Ausstattung des sog. Marmorsaales behandelt, diese begonnene Aufarbeitung soll fortgesetzt werden. Die Wandmalereien sind mit neuen Ansätzen und unter Anwendung systematischer Methodik, vor allem aber unter Berücksichtigung der Ergebnisse der Bauanalysen neu zu beurteilen. Noch nicht bearbeitete Malereien von Sturzmauern (aus dem Obergeschoß) und kleine Fragmente müssen ebenso wie die zum Zeitpunkt der Publikation noch nicht ausgegrabenen Malereien der unteren Terrassen aufgearbeitet werden. Diese Untersuchungen sollen durch N. Zimmermann, der sich mit Analysen zu den römischen Katakombenmalereien auf diesem Gebiet spezialisiert hat, durchgeführt werden. Für eine Beurteilung der Wanddekorationen kommt den Funktionen der Räume eine hoher Stellenwert zu. Da das Fundinventar hierfür Hinweise liefern kann, müssen Bauanalyse, Ausstattung und Inventar gemeinsam gesehen und kontrolliert werden, was in Zukunft durch ein integrales Publikationskonzept ermöglicht werden soll. Beide im Rahmen des Projektes geplante Arbeiten lassen aber auch einen wichtigen Beitrag zu einer Interpretation des gesamten Hanghauskomplexes erwarten, der wohl keine Mietwohnungen enthielt, sondern möglicherweise als Besitz einer bestimmten wohlhabenden ephesischen Familie anzusehen ist, ein Familienmitglied, der Priester des Dionysoskultes C. Flavius Furius Aptus, der in der zweiten Hälfte des 2. Jh. n. Chr. lebte, ist in der großen Wohnung 6 durch Inschriften faßbar.

Die wichtigsten Ergebnisse sind die Umdatierung des Hanghauses und seiner Malereiausstattung um ca. 200 Jahre, der Nachweis von ein bis zwei Ober-geschossen und deren dem Erdgeschoß gleichwertige Nutzung für Repräsentation. Die bereits vor Abschluß der Grabungen erschienenen Publikationen zur Ausstattung des Hanghauses 2 hatten die Zerstörung des Komplexes an den A. des 7. Jhs. und die Mehrzahl der Malereien in das 5. Jh. datiert. Unter Berücksichtung aller methodischen Ansätze wie der Bauforschung und der archäologischen Funde konnten für die als Anfang untersuchte Wohneinheit 4 und übereinstimmend damit für die übrigen Wohnungen vier Bauphasen klar unterschieden werden: Die erste datiert ca. 50 n. Chr., die vierte ca. 220, etwa 270 n. Chr. wurde die Anlage durch ein Erdbeben zerstört. Für diese Bauphasen ließen sich die Hausformen rekonstruieren und für die Malerei eine klare Phasenfolge erarbeiten. Daraus ergab sich ein wichtiges Ergebnis für die Malereiforschung: Das unterschiedliche Aussehen der Malerei ist nicht als kunsthistorische Dekadenz einzustufen sondern es ist eine Qualitätsschwankung zwischen Haupt- und Nebenräumen. Der Nachweis einer in der letzten Bau- und Ausstattungsphase tätigen Malwerkstatt ermöglichte Aussagen zur Art der Anwendung der Malerei in Relation zu Wohnungs- und Raumgrößen nach z. B. Kriterien wie Farbwahl, Sorgfalt der Ausführung und Themenwahl der Bilder. Die anhand der durchgeführten Methodik sichere chronologische Einordnung der ephesischen Malerei bildet jetzt eine Grundlage und einen neuen Ansatz für übergeordnete Vergleiche. Ein weiterer Aspekt der ephesischen Wand- und Deckendekorationen ist die Relation von Wandmalerei und den - bislang in der Forschung wenig beachteten - Marmorwandausstattungen, die seit dem 2. Jh. zunehmend gewählt wurden. Die teils mit Pilastern gegliederten Wandsysteme - wie z. B. der Marmorsaal der Wohneinheit 6, aber auch ein jetzt rekonstruierter Bankettsaal im ersten Obergeschoß der Wohneinheit 4, trugen qualitätsvoll gearbeitete Kapitelle, deren Dekorformen die Datierungen bestätigen. Die Vielfalt der verwendeten lokalen und importierten Marmore und Buntgesteine - in Wohneinheit 4 insgesamt 27 - spiegelt nicht nur den Ausstattungsluxus der städtischen Elite in ihren Häusern sondern wirft gleichzeitig auch ein Licht auf Handelswege und Ökonomie der Stadt.

Forschungsstätte(n)
  • Österreichische Akademie der Wissenschaften - 100%
Nationale Projektbeteiligte
  • Fritz Krinzinger, Österreichische Akademie der Wissenschaften , assoziierte:r Forschungspartner:in

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