Die Entwicklung der deutschen Schriftsprache in Österreich vom 16. bis 18. Jahrhundert
The development of the written German language in Austria from the 16th to the 18th century
Wissenschaftsdisziplinen
Sprach- und Literaturwissenschaften (100%)
Keywords
-
OBERDEUTSCHE SCHRIFTSPRACHE,
ÖSTERREICH,
NEUZEIT,
GRAPHEMIK,
MORPHOLOGIE,
SYNTAX
Das österreichische Deutsch gilt heute als eine eigene Varietät der deutschen Schriftsprache und hat seine eigene Geschichte. Bezüglich der Schriftsprache erfolgte erst in der Mitte des 18. Jh. die schriftsprachliche Einigung des deutschen Sprachraums durch die südliche Übernahme der in Mittel- und Norddeutschland gültigen Form. Diese basierte auf der ostmitteldeutschen Sprachform der reformatorischen Werke Martin Luthers und wurde von den Grammatikern im 16. und 17. Jh. weiterentwickelt. Dagegen erfolgte im Süden und das besonders in Österreich und Bayern die Fortführung der auf die Kanzleisprache Kaiser Maximilians 1. zurückgehenden oberdeutschen Sprachform, was von der 1562 einsetzenden Gegenreformation begünstigt wurde. So standen sich im jüngeren Frühneuhochdeutschen bis um 1750/60 eine oberdeutsche "katholische" und eine mittel- und norddeutsche "protestantische" Schriftsprache gegenüber, wenn es auch seit der 2. Hälfte des 17. Jh. einzelne nördliche Einflüsse auf den Süden gab. Das Projekt beabsichtigt an ausgewählten gedruckten Texten die bislang fehlende systematische Untersuchung der Entwicklung der oberdeutschen Schriftsprache in Österreich und zwar anhand der relevanten Erscheinungen in der Graphemik, der Morphologie und der Syntax. Für Graphemik und Morphologie werden herangezogen Drucke aus Wien als dem kulturellen Mittelpunkt Österreichs und aus den Provinzstädten Linz, Salzburg, Graz, Klagenfurt und Innsbruck sowie zum Vergleich aus den Städten München und Passau im angrenzenden Bayern. Die Untersuchungen sollen im Abstand von jeweils rund 30 Jahren zwischen 1530/40 und 1760/70 erfolgen, was 8 Zeitschnitte ergibt. Für die Syntax sind wegen erwartbarer geringerer Unterschiede in Raum und Zeit nur 5 Zeitschnitte im Abstand von 60 Jahren an den Orten Wien, Salzburg, Innsbruck und München vorgesehen. Dafür wird aber jeweils ein religiöser und ein profaner Text herangezogen, weil textsortenabhängige syntaktische Unterschiede zu erwarten sind. Nur am Rande wird auch der Wortschatz beobachtet, dessen schriftsprachliche Normierung erst am Ende des 18. Jh. und damit nach der gewählten oberen Zeitgrenze einsetzte. Als Ergebnis dieser Untersuchungen wird die im einzelnen unbekannte Entwicklung der oberdeutschen Schriftsprache in Österreich und im angrenzenden Bayern vom 16. bis 18. Jh. in Graphemik, Morphologie und Syntax als Beitrag zur Sprachgeschichte Österreichs erwartet.
Ziel des Projekts war es, die Entwicklungen der deutschen Schriftsprache in Österreich mit zwei Vergleichsorten in
Bayern im Zeitraum von 1530-1760 auf den Gebieten der Graphematik, Morphologie und Syntax zu erarbeiten.
Auf Grund von Vorarbeiten konnte davon ausgegangen werden, daß einerseits die bairisch-oberdeutsche
Sprachform der Kanzleisprache Kaiser Maximilians I. noch wirkt und andererseits im Gefolge der im 16. Jh.
überall aufgegriffenen Reformation die ostmitteldeutsch-protestantische Sprachform Martin Luthers Einfluß ausübt.
Damit entstand im Kontakt nicht nur eine eigene oberdeutsche Schriftsprache, sondern diese geriet bedingt durch
die Gegenreformation, auch ins Spannungsfeld der Konfessionen.
Zugrunde gelegt wurden je ein geistlicher und ein profaner Text in 8 Zeitschnitten (1520/30, 1560/70, 1600, 1630,
1660, 1690, 1720/30, 1750/60) aus den österreichischen Länderhauptstädten Wien, Graz, Klagenfurt, Innsbruck,
Salzburg und Linz sowie aus München und Passau in Bayern. Insgesamt umfaßte das Material für die
graphematische Untersuchung 1856 Seiten und wurde zur EDV-Auswertung händisch in den PC eingegeben.
Die Graphematik wurde vom Mitarbeiter Roessler untersucht. Problemfelder waren im Vokalismus die Bewahrung
und Unterscheidung von mhd. : ei als
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