Etrusker, Osker und Westgriechen Südkampaniens in vorrömischer Zeit: Ihre Siedlungen und ihre wechselseitigen Beziehungen
Etruscans, Oscans and Western Greeks in South Campania
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (100%)
Keywords
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VORRÖMISCHES ITALIEN,
KAMPANIEN,
ETRUSKER,
OSKER,
WESTGRIECHEN
Das Zusammenleben von Angehörigen unterschiedlicher Volks- und Kulturgruppen war schon in den letzten Jahren eine zentrale Fragestellung der Altertumsforschung und hat aufgrund der dramatischen Ereignisse der jüngsten Vergangenheit entscheidend an Aktualität gewonnen. Die im Rahmen des Projektes P 13148 erzielten Ergebnisse bezüglich der Verhältnisse im antiken Kampanien können künftig in universalhistorischen Diskussionen dieser Thematik als Modell herangezogen werden. Zum einen konnte dieses Projekt sehr deutlich die zentrale Bedeutung gemeinsamer Kultplätze als Orte der Begegnung von Etruskern, Oskern und Griechen in unterschiedlichen politischen Herrschaftsbereichen aufzeigen (Grenze, Handel, Heiligtum - die Bedeutung ethnisch übergreifender Kultstätten Südkampaniens in archaischer Zeit, Anzeiger der philosophisch-historische Klasse der Öst. Akad. d. Wiss., 135. Jhg., 2000, 61-88). Detailuntersuchungen befaßten sich darüber hinaus mit dem Kultleben im griechischen Poseidonia (Beschriftete Silberstücke des 6. Jh. v. Chr. aus Poseidonia, Minima Epigrafica et Papyrologica III,4, 2000, 7-16; Das Hypogäum auf der Agora von Poseidonia - ein Kultort der Tritopatores? Kernos 13, 2000, 107-116). Auf allgemeinerer Ebene zeigte sich in weiterer Folge, daß die politischen Gemeinschaften im antiken Kampanien schon seit archaischer Zeit unterschiedliche Formen künstlerischer Gestaltung (Form und Dekoration öffentlicher Großbauten, Münztypen) und öffentlicher Organisation und Verwaltung (Siedlungsstruktur, Gesetzgebung, Münzwesen) verwendeten, die in unterschiedlichen Kulturen entwickelt worden waren. Das Zusammenleben der unterschiedlichen Volksgruppen im antiken Kampanien in all seinen sozio-historischen Aspekten ist daher nur dann differenziert zu erfassen, wenn politische Interessen von den übergeordneten Kategorien ethnischer Zusammengehörigkeit (gemeinsame Sprache und Religion, Bewußtsein einer gemeinsamer Vergangenheit) und übereinstimmender kultureller Ausdrucksformen deutlich getrennt werden. Die Zugehörigkeit zu unterschiedlichen Volksgruppen konnte im antiken Kampanien zu einem politischen Faktor gemacht werden, verhinderte jedoch zu keiner Zeit grundsätzlich das friedliche Zusammenleben und den fruchtbaren kulturellen Austausch von Etrusker, Griechen und Oskern in diesem gemeinsamen Lebensraum.
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