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Die Spur der Romantik in Wien. Österreichische Literatur und politische Diskurse im Spannungsfeld der deutschen Romantik

German Romanticism in Vienna

Edith Saurer (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/P12976
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.04.1999
  • Projektende 30.06.2002
  • Bewilligungssumme 129.854 €

Wissenschaftsdisziplinen

Andere Geisteswissenschaften (60%); Geschichte, Archäologie (20%); Sprach- und Literaturwissenschaften (20%)

Keywords

    ROMANTIK, ÖSTERREICHISCHE LITERATUR

Abstract Endbericht

Im Zentrum des Forschungsprojektes steht die historische Einordnung romantischen Literatur und romantischen Denkens im gesellschaftlichen und kulturellen Kontext Österreichs zwischen josephinischer Spätaufklärung und Restauration . Dabei soll insbesondere der Frage nachgegangen werden, inwieweit die moderne genuin österreichische Literatur und die mit ihr einhergehenden theoretischen und politischen Diskurse in skeptischer Abgrenzung von der deutschen protestantischen Romantik (mitsamt ihren Projektionen des Katholischen) entstanden und durch diese Abgrenzung geprägt sind. Diese spezifische Reaktionsbildung auf die Romantik ist nicht ohne Rekurs auf die historischen und politischen Besonderheiten der österreichischen Staatlichkeit zu begreifen, wie sie sich im Gefolge der napoleonischen Kriege, herauskristallisiert hat. Die in Österreich und natürlich im deutschsprachigen Raum kontroversiell diskutierte Frage der Existenz einer österreichischen Nationalliteratur und ihrer Genese ist für die Problemstellung des vorliegenden Projektes von entscheidender Bedeutung. Das Projekt konzentriert sich auf die Periode der historischen Romantik oder - genauer - auf die Aufnahme der Romantik in der österreichischen Metropole Wien. Damit soll zugleich ein Beitrag zu einer national übergreifenden Romantik-Forschung geleistet werden. Denn in der wissenschaftlichen Romantik- Rezeption der letzten zwei Jahrzehnte, welche die Bewertung und Einordnung der Romantik nachhaltig verändert haben, spielt die sog. Frühromantik eine exklusive Rolle, während die sich daran anschließenden romantischen "Bewegungen" weitgehend unterbelichtet geblieben sind. Im Vergleich zur Kultur der Jahrhundertwende, die in vielen Monographien, Forschungsbänden und Ausstellungen ausführlich bearbeitet worden ist, hat man der politisch aber auch kulturell so wichtigen Zeit romantischer und gegenromantischer Bestrebungen im Wien zwischen 1808 und 1815 sowie nach 1815 nur marginales Augenmerk geschenkt.

Zumindest partiell scheiterten führende VertreterInnen der deutschen Romantik mit ihren Bestrebungen, sich nachhaltig in einem Land zu etablieren, das zugleich eine Projektionsfläche der Romantik war: dem katholischen Österreich. Sowohl in Hinblick auf die Literatur als auch in Hinblick auf gesellschaftspolitische Ordnungskonzepte blieb die Romantik im Zeitalter der Restauration das "unmögliche" Dritte zwischen Aufklärung und konservativen "roll back" - konservativ in den Inhalten, modern in den ästhetischen und medialen Ausdrucksformen. Das Forschungsprojekt fragte erstmals umfassend und in methodologisch innovativer Weise (konsequente Trans- und Interdisziplinarität) nach den Gründen für das Scheitern dieses romantischen Österreich-Projekts und ging darüber hinaus auch jenen mächtigen Gegenströmungen nach, die es hervorrief. Aus dieser Perspektive bedeutet "Romantik in Wien" zunächst also v.a. einmal Auseinandersetzung mit Romantikern in Wien: Trägermedium der Auseinandersetzung zwischen spätjosephinischer Aufklärung und anreisenden RomantikerInnen wird in zunehmenden Ausmaße das öffentliche, i.e. das gedruckte Wort. Der erbitterte "Wortstreit" machte auch vor der Materialität der Schrift (Letterndiskussion) nicht halt. Romantik in Wien lässt sich nicht zuletzt vor diesem Hintergrund ganz gut nicht nur als kulturhistorisches Phänomen ausmachen, sondern auch als eine Praxis des konkreten charakteristisch anderen Sprechens. Dass die "romantische" Sprache jedoch nicht nur von den genuin romantischen Sprechern gebraucht wurde, sondern (meist in hyperbolischer Rhetorik) auch von ihren Gegnern, ist ein nicht unwesentlicher Aspekt einer ersten negativen Romantikrezeption in Wien. Dann jedoch bedeutet "Romantik in Wien" auch schlicht das Auftreten oder sogar die bewusste positive Übernahme bzw. Adaption romantischer Lebens- und Kunstkonzepte vor Ort: Dieses positive Rezeptionsmuster lässt sich mitunter auch an deklarierten Romantikgegnern in Wien festmachen, wie etwa das Beispiel Franz Grillparzer gezeigt hat. Aber auch der weite Bereich der Antikenrezeption zeigt dieses positive Rezeptionsmuster. Neben der Literatur haben auch Musik (Paganini, Schubert) und Bildende Kunst (Nazarener) deutliche romantische Spuren im künstlerischen Wien hinterlassen. Letztendlich gibt es auch die Textur Wiens, welche auf die anreisenden Romantiker zurückwirkt, ihre ästhetischen und ethischen Konzepte entscheidend mit- und umgestaltet. So entspricht etwa dem Ein- und Zutritt in bzw. zur katholischen Hauptstadt auf der Ebene des Subjekts folgerichtig die Konversion zum katholischen Glauben. Politisch lässt sich Wien auch als rückwärtsgewandter und doch zugleich revolutionärer U-topos für Friedrich Schlegels "konservative Revolution", begreifen, was in einem Closereading seiner programmatischen Aufsätze gezeigt werden konnte. Doch auch literarisch hatte Wien den deutschen Romantikern einiges zu bieten. Dabei war für die Romantik weniger der Bereich der sogenannten "hohen Literatur" Anregung und Genugtuung zugleich, sondern viel eher das populäre "Volkstheater" Wiens, welches der Vorstellung eines "universalen Lustspiels" noch am ehesten entsprochen hatte.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%

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