Repertorium der griechischen Kopisten 800-1600. Abschluß von Teil 4. Handschriften aus Bibliotheken Österreichs, Belgiens, Deutschlands, der Niederlande und der Schweiz
Repertorium of the Greek copyists 800-1600
Wissenschaftsdisziplinen
Medien- und Kommunikationswissenschaften (30%); Sprach- und Literaturwissenschaften (70%)
Keywords
-
HANDSCHRIFTENSCHREIBER,
TEXTGESCHICHTE,
RENAISSANCE,
BUCHPRODUKTION
Mit den Ergebnissen des Repertoriums der griechischen Kopisten wird unsere Kenntnis über die Überlieferung der griechischen Literatur der Antike und des Mittelalters wesentlich bereichert. Die Identifizierung der Handschriftenschreiber erlaubt die Rekonstruktion von Schwerpunkten in der Textgeschichte der klassischen Literatur und beweist nicht nur, daß die Kenntnis des Erbes der Antike durch die Abschriften des Mittelalters vermittelt wurde, sondern zeigt auch die Wertung der Klassiker im Lauf der Geschichte. Für die Kultur der Renaissance ist die Beteiligung der griechischen Kopisten an der Verbreitung der Kenntnis der griechischen Sprache und Literatur von zentraler Bedeutung. Der Schreiber und Händler Andreas Darmarios aus Monembasia versorgte mit seinen Mitarbeitern nicht nur die Konzilsväter am Konzil von Trient, sondern auch den ungarischen Humanisten Johannes Sambucus, aus dessen Besitz zahlreiche griechische Manuskripte in den Besitz der Wiener Hofbibliothek gelangt sind. Unter seinen Mitarbeitern befindet sich auch Symeon Kabasilas aus Epirus, dessen Weg in den Westen über den Philhellenen Martin Epoche der konfessionellen Konflikte vor dem Hintergrund eines möglichen Bündnisses der Orthodoxie und der protestantischen Kirchen gegen das Papsttum ein lebhaftes Interesse an den Zuständen in Griechenland an den Tag legte. In der Universitätsbibliothek Tübingen finden sich zahlreiche Abschriften der Schüler und Zeitgenossen des Crusius mit griechischen Texten. Die Zusamenstellung dieser Aktivitäten im Vergleich mit dem Werk der Berufschreiber des 16. Jahrhunderts gibt eine Übersicht jenes Repertoires an Vertretern der griechischen Literatur, das damals im Westen gefragt war. Von besonderem Interesse ist die positive Wertung der Volkssprache in einer Epoche, die großen Wert auf die Nachahmung der klassischen Modelle legte. Eine Erweiterung des Horizontes ist in der Person des Sebastian Münster festzustellen, der vergleichende Studien der lateinischen, griechischen und hebräischen Sprache betrieb, was durch ein eigenhändiges Lexikon im Bestand der Österreichischen Nationalbibliothek belegt ist.