Germania Judaica IV - Austria Judaica
Germania Judaica IV - Austria Judaica
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (80%); Sprach- und Literaturwissenschaften (20%)
Keywords
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JÜDISCHE GESCHICHTE (16. UND 17. JHDT.),
ÖSTERREICH,
QUELLENSAMMLUNG,
WIRTSCHAFTS- UND SOZIALGESCHICHTE,
RECHTSGESCHICHTE
Die Germania Judaica wurde 1903 von der "Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums" initiiert. Zweck war es, die Geschichte der Juden auf deutschsprachigem Boden umfangreich und genau darzustellen. Der erste, inhaltlich bis 1238 reichende Band, erschien in zwei Teilen 1917 bzw. 1934. Die fertigen Manuskripte für den zweiten Band (bis 1350) wurden 1938 von den Nationalsozialisten eingezogen. Erst 1955 konnten die Arbeiten von ehemaligen nun nach Israel emigrierten Mitarbeitern wieder aufgenommen werden. Durch enge Zusammenarbeit mit mitteleuropäischen Historikern und Archiven wurden Band zwei und drei fertiggestellt. womit nun auch die Zeit von 1238 bis 1519 bearbeitet ist. Seit 1990 wurden Anstrengungen unternommen, um die Germania Judaica für die Frühe Neuzeit fortzusetzen. Die Abtrennung und eigenständige Bearbeitung der Österreichbetreffe als Austria Judaica ergibt sich aus der Neuorganisation der Germania Judaica IV, das heißt, es werden nicht mehr Artikel zu einzelnen Städten, sondern eigene Gebietsartikel verfaßt. Die Austria Judaica wird somit eine Einzelpublikation sein, die sich in das Gesamtprojekt der Germania Judaica IV einfügt. Das Projekt Austria Judaica beginnt dort, wo Germania Judaica III ihr Ende fand, nämlich 1520. Obwohl Germania Judaica IV bereits mit 1650, mit den Ergebnissen des Westfälischen Friedens endet, wird die Austria Judaica bis 1670 reichen, bis zu jenem Jahr, in dem die Juden aus Wien und ganz Niederösterreich ausgewiesen wurden. Der behandelte Zeitraum des Unternehmens ist durch einen engen Zusammenhang der österreichischen Erbländer mit der böhmischen Krone gekennzeichnet, daher ist eine grenzüberschreitende Forschung unerläßlich. Nach dem derzeitigen Stand der Forschung ist anzunehmen. daß außerhalb der heutigen Grenzen von Wien, Niederösterreich, Oberösterreich und Burgenland nur geringfügig neue Ergebnisse für den west- und südösterreichischen Raum zu erwarten sind, dafür aber eine Fülle von wirtschaftlichen, familiären, gesellschaftlichen und rechtlichen Beziehungen im osteuropäischen Raum. Ziel des Projekts ist es, eine umfassende Quellensammlung zu erstellen, aus der eine präzise Darstellung zur Geschichte der Juden in Österreich in der Frühen Neuzeit entstehen wird.
Ziel des Projekts Germania Judaica IV - Austria Judaica ist es, ein vollständiges Bild jüdischer Existenz im 16. und 17. Jahrhundert nicht nur für Österreich, sondern für den mitteleuropäischen Raum zu entwerfen. Dies schließt eine enge Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern in Deutschland sowie den östlichen Nachbarländern - Tschechische Republik, Ungarn, Slowakei - mit ein. Kooperationen Die Germania Judaica, ein Projekt zur vollständigen Erfassung der jüdischen Besiedlung im Hei-ligen Römischen Reich von ihren Anfängen bis in die neuesten Zeiten, wurde 1903 von der "Ge-sellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums" initiiert. Mittlerweile sind drei Bände, die die Zeit bis 1519 abdecken, erschienen. 1998 wurden zeitgleich in Österreich (Austria Judaica), der Tschechischen Republik (Bohemia, Moravia et Silesia Judaica) sowie Deutschland und Israel (Germania Judaica) die Arbeiten für Band IV, der den Zeitraum von 1520 bis 1650 (Deutschland) bzw. 1670 (Österreich/Böhmen-Mähren) umfassen wird, begonnen. 2001 wurde mit dem Projekt Hungaria et Slovakia Judaica (1520-1686) ein weiteres Kooperationsprojekt für Ungarn und die Slowakische Republik ins Leben gerufen. Mit der Initiative des Instituts für Geschichte der Juden in Österreich, die Forschungsarbeiten auch auf die östlichen Nachbarländer auszudehnen wurde nicht nur die Erfassung zahlreicher relevanter Quellen gewährleistet, sondern der eigentliche Schwerpunkt jüdischen Lebens in der Frühen Neuzeit - in den böhmischen Ländern, in Polen - verstärkt in den Mittelpunkt des Interesses gestellt. Prag, das "Jerusalem" dieser Epoche, ist nun nicht mehr nur ein allerorten präsentes Schlagwort, sondern konkrete Forschungsarbeiten wie auch die Zusammenarbeit mit dem Jüdischen Museum Prag ermöglichen die Einschätzung des tatsächlichen Stellenwerts dieser jüdischen Metropole und erschließen wichtige Verbindungsnetze jüdischer Einzelpersonen wie Gemeinden in diesem Zeitraum. Austria Judaica stellt sich daher als ein mitteleuropäisches Kernprojekt dar, von dem Impulse zu konkreter Zusammenarbeit ausgehen, in die nicht nur die Mitarbeiter, sondern auch Institutionen eingebunden sind. Mit den Kooperationen sind auch Vortragstätigkeit und Öffentlichkeitsarbeit verbunden. Ergebnisse An Ergebnissen der bisherigen Forschungsarbeiten ist die große Menge an gesammelten und erfaßten Materialien zu nennen und daraus resultierend wesentliche neue Erkenntnisse zur jüdischen Geschichte der Frühen Neuzeit in Mitteleuropa. Speziell für Österreich konnten zahlreiche neue Informationen zu verschiedensten Themenbereichen gewonnen werden, die ein weitaus vielfältigeres jüdisches Leben zeigen, als bisher in der Literatur dargestellt. Ein wesentliches Ergebnis der letzten Jahre war der erfolgreiche Auf- und Ausbau von Kooperationen, wie ihn ein Gesamtprojekt dieses Umfangs benötigt. Ohne Informationen zu unterschiedlichsten Themen und Aspekten von Mitarbeitern aller Teilprojekte wäre ein vollständiges Bild jüdischer Existenz in der Frühen Neuzeit nicht denkbar.