Zerfall Larsen Schelfeis
Disintegration of Northern Larsen Ice Shelf, Antarctic Peninsula, and Ice Retreat in Patagonia
Wissenschaftsdisziplinen
Geowissenschaften (70%); Physik, Astronomie (30%)
Keywords
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SCHELFEIS,
GLETSCHER,
ANTARKTISCHE HALBINSEL,
PATAGONIEN,
MASSENBILANZ,
INTERFEROMETRIE
Die Massenbilanz und Dynamik des Larsen Schelfeises an der nördlichen Antarktischen Halbinsel und von zwei Ausflussgletschern des südlichen Patagonien Eisfeldes in Argentinien wurden untersucht und zu Klimaparametern in bezug gesetzt. In dieser Region, die sich von 50 S bis 70 S erstreckt, wurde in den letzten Jahren starker Eisrückzug beobachtet, der mit einer Temperaturerhöhung einhergeht. Die Arbeiten umfassten glaziologische Feld- messungen, Analyse von Satellitendaten und Modellrechnungen. Die Feldkampagnen wurden in Kooperation mit dem Argentinischen Antarktisinstitut durchgeführt. Dem nördlichen Larsen Schelfeis, das nahe der klimatischen Grenze für Schelfeis liegt, wird seit dem Zerfall seiner zwei nördlichsten Abschnitte im Januar 1995 starke Beachtung geschenkt. Dieser Zusammenbruch wurde im Vorprojekt FWF P10709-GEO untersucht. Die Arbeiten im jetzigen Projekt bestätigen, dass sich die klimatische Grenze von Schelfeis weiter nach Süden verlagert. Seit Anfang 1995 hat sich die Fläche von Larsen B, dem nunmehr nördlichsten Teil des Schelfeises um 40 %, von 11500 km 2 to 6800 km 2 verringert. Die Feldmessungen zeigten eine Beschleunigung der Fließgeschwindigkeit, die Öffnung von großen Rissen und negative Massenbilanz. Karten der Eisbewegung, die aus interferometri-schen SAR (Synthetic Aperture Radar) Bilder der Europäischen ERS Satelliten abgeleitet wurden, ermöglichten detaillierte Studien der Eisdynamik. Aus den Interferogrammen, die auf SAR Wiederholungsaufnahmen in eintägigen Zeitabständen beruhen, wurde die Eisbewegung mit einer Genauigkeit von wenigen Millimetern pro Tag bestimmt. Die Analysen bestätigten die Bedeutung von Bruchmechanismen für den Rückzug von Schelfeis. In dem Gebiet, wo sich das Schelfeis im Jahre 1995 vollständig auflöste, wurde das Verhalten der Gletscher und Eisströme untersucht, die vorher in das Schelfeis flossen und nunmehr ins Meer kalben. Die SAR Daten zeigen, dass sich alle größeren Gletscher hinter die Aufsetzlinie zurückgezogen und die Fließgeschwindigkeit stark anstieg. Dies ist der erste direkte Nachweis, dass das Verschwinden von Schelfeis einen Anstieg des eustatischen Meeresspiegels verursachen kann, da sich der Eisexport der angrenzenden Auslassgletscher erhöht. Auch die meisten Gletscher des Südlichen Patagonischen Eisfeldes ziehen sich stark zurück, auch wenn es einige Ausnahmen gibt. Die Massenumsätze und das dynamische Verhalten von zwei benachbarten Auslassgletschern, die in Süßwasserseen kalben, wurden untersucht, um die Ursachen für das unterschiedliche Verhalten zu erforschen. Der Moreno Gletscher ist seit 80 Jahren nahezu stationär, während sich der Ameghino Gletscher in den letzten 30 Jahren um mehrere Kilometer zurückgezogen hat. An beiden Gletschern wurden Feldmessungen durchgeführt und Karten der Eisbewegung aus SAR Daten des Space Shuttle abgeleitet. Es zeigte sich, dass die Topographie der Gletscher und die Geometrie der kalbenden Fronten wesentlich für das unterschiedliche Verhalten der beiden Gletscher sind. Das bestätigt die Beobachtungen an der antarktischen Halbinsel, dass kalbende Gletscher und Eisströme besonders empfindlich auf Klimaänderungen reagieren.
- Universität Innsbruck - 100%
- Pedro Skvarca, Direccion Nacional del Antartico - Argentinien
- Heinz Miller, Alfred Wegener Institute - Deutschland
Research Output
- 83 Zitationen
- 1 Publikationen
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2007
Titel Glaciar Perito Moreno, Patagonia: climate sensitivities and glacier characteristics preceding the 2003/04 and 2005/06 damming events DOI 10.3189/172756507781833848 Typ Journal Article Autor Stuefer M Journal Journal of Glaciology Seiten 3-16 Link Publikation