Protokolle des Ministerrates der Zweiten Republik, Kabinett Leopold Figl, Band 1 und 2 (20. 12. 1945 - 22. 10. 1946)
Minutes of the cabinet Figl I
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (100%)
Keywords
-
MINISTERRATSPROTOKOLLE,
REGIERUNG FIGL I,
WIEDERAUFBAU ÖSTERREICHS
Die wissenschaftlich kommentierte Gesamtedition der Protokolle des Ministerrates der Regierung Figl I wird grundlegendes Quellenmaterial zu den ersten Jahren der Zweiten Republik liefern. Probleme der Außen-, Innen- und Wirtschaftspolitik der Nachkriegszeit werden in zum Teil sehr offener Form von den Regierungsmitgliedern behandelt. Die Ministerratsprotokolle liefern damit wichtige Beiträge zur Erforschung des Wieder- und Neuaufbaues der staatlichen und politischen Organe der Zweiten Republik. Interessensgegensätze oder - übereinstimmungen zwischen den Mitgliedern der Regierung und der Diskussionsstand zu einzelnen Problemen können an Hand der Protokolle in einem bis jetzt noch nie dagewesenen Ausmaß verfolgt werden, was nicht zuletzt dadurch an Bedeutung gewinnt, da der Bestand für die allgemeine Benützung weiter gesperrt ist. Im Rahmen des Forschungsprojektes sollen zunächst die ersten zwei der auf zehn Bände projektierten Edition für die Publikation vorbereitet werden: Band 1 - Ministerratsprotokolle Nr. 1 vom 20. Dezember 1945 bis Nr. 16 vom 9. April 1946; Band 2 - Ministerratsprotokolle Nr. 17 vom 16. April 1946 bis Nr. 41 vom 22. Oktober 1946. Die Edition versteht sich als Fortsetzung der Edition der Kabinettsratsprotokolle der Provisorischen Regierung Renner und soll einen Vergleich zwischen der Regierung Renner (1945) und der Regierung Figl I ermöglichen. Die Regierung Figl hatte bereits ganz andere Probleme zu bewältigen. U.a. änderte sich das Verhältnis Regierung - Besatzungsmächte deutlich. So belegen die Ministerratsprotokolle der Regierung Figl I, daß die Regierung sicher weniger Freiräume genoß als die Regierung Renner, da Einsprüche der nunmehr auf vier angewachsenen Besatzungsmächte häufiger wurden. Der Handlungsspielraum der Regierung Figl ging aber sicher über den Status alliierter Auftragsverwaltung - wie etwa in Deutschland - hinaus. Die Diskussionen um Wirtschaftsprobleme nahmen zeitweise viel dramatischere Formen an als 1945. In der Außenpolitik wird Südtirol zum ständigen Tagesordnungspunkt. Daneben gibt es erste ausführlicher Überlegungen zum Staatsvertrag. Eine Fortsetzung der Edition der Kabinettsratsprotokolle Renner durch die geplante Edition der Ministerratsprotokolle der Regierung Figl würde aber nicht nur neue Erkenntnisse über die schwierige Aufbauphase der Zweiten Republik bringen, sondern auch die Forschungsmöglichkeiten erleichtern. Die Aktenedition bedeutet nicht nur, daß die Quelle selbst für die wissenschaftliche Forschung erschlossen wird, sondern daß auch Hinweise auf vorhandene, bzw. nicht mehr auffindbare Aktenbestände geliefert werden. Dies wird sowohl den Archiven als auch dem künftigen Benützer/Forscher umfangreiche Einzelsuchvorgänge ersparen und Anregungen für weitere Forschungsmöglichkeiten bringen. Das geplante Forschungsvorhaben bietet nicht zuletzt auch eine wesentliche, längst fällige Grundlage, um einen internationalen Vergleich der politischen, sozialen und wirtschaftlichen Ausgangssituation im Europa nach dem Zweiten Weltkrieg zu ziehen.
- Österreichische Gesellschaft für historische Quellenstudien - 100%
- Rudolf Jerabek, Österreichische Gesellschaft für historische Quellenstudien , assoziierte:r Forschungspartner:in