EDD Online in der Anwendung, korrigiert und ergänzt
EDD Online applied, corrected and supplemented
Wissenschaftsdisziplinen
Sprach- und Literaturwissenschaften (100%)
Keywords
-
Digital Lexicography,
English popular culture,
Modern Dialectology,
Computer Linguistics,
English historical linguistics
In dem vorangehenden Projekt EDD Online ist es einem Innsbrucker Team der Anglistik gelungen, das renommierte English Dialect Dictionary von Joseph Wright (1898-1905) zu digitalisieren und durch eine hervorragende Software in seinen vielfältigen linguistischen Details zugänglich zu machen. Das sechsbändige Wörterbuch ist durch seinen Umfang (ca. 4500 Seiten) sowie seine wissenschaftliche Qualität und Komplexität einzigartig. Es erschließt die Dialekte des United Kingdom (inkl. Irland) sowie der USA und der englischen Kolonien des späten 19. Jahrhunderts für die Zeit 1700 bis 1904 und vermittelt darüber hinaus Kenntnisse über die Wurzeln des englischen Dialektwortschatzes seit dem Altenglischen. Die neue Suchplattform (Interface) ist seit April 2016 gratis online und wird schon jetzt (Juni 2016) von verschiedensten Benutzergruppen, von englischen Dialektgesellschaften bis zu zahlreichen individuellen LinguistInnen weltweit, genutzt. Die ersten Reaktionen waren überschwenglich: "wonderful tool ... brilliant ... a clearly tremendous contribution". Der Grund liegt einerseits in unserer ambitionierten philologischen Auswertung des Wörterbuchs von Wright, mit seinen über 100.000 Wortartikeln, ca. 120.000 Wortvarianten und zahllosen Belegzitaten und Quellenangaben. Andererseits wurden diese Daten in einer einzigartigen und eigens für diesen Zweck geschriebenen Software zugänglich gemacht. Das Interface bietet zehn verschiedene Suchparameter (von full text bis zu Zitattext, Phrasen und Varianten) und acht verschiedene Filter, die vor allem das Wann und Wo sowie die Verwendungsweise eines Dialektwortes betreffen, aber auch seine etymologische Herleitung. Die Dialektverteilung wird durch Umrißkarten der britischen Inseln und der ganzen Welt veranschaulicht, und sowohl Flora als auch Fauna werden nicht nur in ihrer Dialektterminologie erfaßt, sondern auch durch pop-up Internet-Bilder illustriert. Und doch ist EDD Online nicht perfekt. Angesichts des Umfangs der Software sind einzelne Bugs und Fehler, die schon in letzter Zeit aufgefallen sind, nicht verwunderlich. Mit weiteren Fehlermeldungen von auswärts ist angesichts der weltweiten Benutzerschaft zu rechnen. Erstes Projektziel ist daher die korrigierende Nachbearbeitung der Software. Zur Perfektionierung gehört auch die Erfassung und Implementierung von 179 Seiten "Supplement", d.h. der nachträglichen Ergänzungen von Wright. Sie bieten einige Sonderprobleme und konnten daher zuvor nicht berücksichtigt werden, wurden aber gleich zu Anfang schon mitgescannt. Ein drittes Ziel des vorliegenden Projektes ist, entsprechend dem Hauptzweck der ORD-Projektkategorie, die Anwendung der Ergebnisse des Vorprojekts. Die Nutzung des EDD Online Interface soll sowohl international vorangetrieben werden (durch entsprechendes Marketing und wissenschaftliche Kooperation) als auch vor Ort in Innsbruck, durch Publikationen allgemein und die Förderung einer exemplarischen Master-Arbeit. Für die Verwirklichung der drei Zielsetzungen sind, neben dem Projektleiter, eine wissenschaftliche Angestellte, ein studentischer Mitarbeiter und zwei Programmierer vonnöten. Angesichts des in Jahren erworbenen Knowhows von vier Mitgliedern des Teams sind die geplanten Arbeiten in einem Jahr zu bewältigen.
Das Fortsetzungsprojekt ORD 89-VO (nach TRP 00116-G20 [2011 to 3/2016]) wurde zum 1.5.2017, nach sorgfältiger Vorbereitung durch den Projektleiter, begonnen. Angestellt wurden neben den zwei Programmierern zwei Mitarbeiterinnen, die für die Korrekturen am XML-Text und für die Erstellung der Suchformeln zuständig waren. Das Projekt lief nach Verlängerung bis Ende Oktober 2018. Unsere Arbeit bezog sich zunächst auf die Textkorrektur des Supplement zum EDD. Da diese Arbeit weitgehend vor Projektbeginn von mir selbst in Angriff genommen worden war, konnte sie schon sehr bald (im Juni) abgeschlossen werden. Die zweite Hauptaufgabe war die Annotierung des Supplement-Textes (Tagging). Dies erwies sich als etwas mühsamer denn erwartet, da trotz der relativ kurzen Länge des Textes (179 Seiten) alle verfügbaren Tags bedacht und zugeteilt werden mußten. Z.T. parallel zum Tagging verliefen die Korrekturarbeiten am Gesamttext sowie das Ausmerzen von "bugs". Vor allem aber waren wir mit der Implementierung neuer Such-Tools beschäftigt. Dazu gehörten die Einrichtung einer kwic-Konkordanz sowie die Programmierung eines neuen Filters LABEL/reliability, zur Erfassung verschiedener Grade der Verläßlichkeit der Daten des EDD. Zu den Korrekturarbeiten gehörten ferner diverse Normalisierungen und Quantifizierungen von Ergebnislisten. Dieser Aufgabenstellung war ein Besuch von mir an der Uni Salzburg und eine siebenstündige Unterredung mit dem dortigen Prof. Hans Goebl vorausgegangen. Goebl kann als Spezialist im Bereich geostatistischer Quantifizierung (Dialektometrie) gelten. Auch der Besuch eines Gastdozenten (Dr. Heinrich Ramisch aus Bamberg) diente der Vertiefung unserer Kompetenz in puncto Quantifizierung und Kartographie. Die von uns entfernten Bugs bezogen sich vor allem auf präzise Dialekterfassung und die diversen von uns kreierten Labels (z.B. entpuppte sich Cor* als ambivalentes Kürzel) sowie die über 1000 Quellen des EDD. Großer Bedarf an Bug-Korrekturen bestand auch hinsichtlich der Kompatibilität von Filtern. Neben unserem Interface lag uns ferner die Distribution und Bewerbung von EDD Online am Herzen. Alle diesbezüglichen Websites wurden überarbeitet, das Manual wurde 2017 online veröfffentlicht, und ich habe das Projekt und meine diesbezüglichen Publikationen auf der Internet-Plattform researchgate angemeldet. Es fanden vier Auswärts-Vortragsbesuche von Projektmitgliedern statt, und es wurden sieben projektbezogene Artikel bzw. Rezensionen und Gutachten verfaßt. Nach Befassung mit dem EDD seit ca. 2003 kann ich mit Genugtuung feststellen, dass EDD Online in der jetzigen Form meine früheren Erwartungen bei weitem übertrifft. Umso mehr danke ich herzlich allen MitarbeiterInnen und den Amtsträgern der Leopold-Franzens Universität Innsbruck und des FWF in Wien für ihren Einsatz bzw. die Solidarität, mit der sie das Projekt und meine eigene Arbeit begleitet haben.
- Universität Innsbruck - 100%
Research Output
- 12 Zitationen
- 4 Publikationen
-
2018
Titel Monika Wegmann. Language in Space: The Cartographic Representation of Dialects. Travaux de Linguistique et de Philologie. Strasbourg: Éditions de Linguistique et de Philologie, 2017, xvi + 318 pp., 1 table, 3 figures, 50 maps, € 45.00. DOI 10.1515/ang-2018-0041 Typ Journal Article Autor Markus M Journal Anglia Seiten 530-537 -
2018
Titel The Supplement to the English Dialect Dictionary: Its Structure and Value as Part of EDD Online DOI 10.1093/ijl/ecy021 Typ Journal Article Autor Markus M Journal International Journal of Lexicography Seiten 58-67 -
2018
Titel Corporal Punishment in Late Modern English Dialects (an analysis based on EDD Online) DOI 10.1017/s0266078417000529 Typ Journal Article Autor Markus M Journal English Today Seiten 17-26 -
2017
Titel The Survival of Shakespeare’s Language in English Dialects (on the Basis of EDD Online) DOI 10.1080/0013838x.2017.1365558 Typ Journal Article Autor Markus M Journal English Studies Seiten 881-896 Link Publikation