Die Wiener Opernproduktion italienischer Librettisten
Viennese Opera by Italian librettists (1620-1705)
Wissenschaftsdisziplinen
Kunstwissenschaften (55%); Sprach- und Literaturwissenschaften (45%)
Keywords
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Opera studies,
History of Music,
History of culture,
Austria-Italy connection in the modern era,
Libretto studies,
Romance studies
Dieses Projekt zielt darauf ab, eine große Lücke im Bereich der westlichen Musik- und Literaturgeschichte zu füllen: Nämlich die Untersuchung italienischer dramatischer Texte für Musik (hauptsächlich Opern), die in Wien von bekannten italienischen Librettisten des 18. Jahrhunderts, wie Zeno, Metastasio und da Ponte geschaffen wurden. Studien von, u.a., Antonicek, Seifert, Sommer-Mathis und Noe, haben den Gebrauch italienischer dramatischer Texte für Musik im barocken Wien ergründet. Sie haben zum ersten Mal erkannt, dass die Gattungen der Oper und des Oratorio sogar vor ihrer Etablierung auf der italienischen Halbinsel, im Laufe des 17. Jahrhunderts über die Alpen, exportiert wurden. Diese Wissenschaftler haben darauf hingewiesen, dass italienische Texte für Musik schon von Beginn an nicht nur importiert, sondern auch direkt vor Ort, aufgrund des italianisierenden Hofs der Habsburger, produziert wurden. Bis jetzt haben aber die sprachlichen und dramatischen Eigenschaften dieser Werke kaum Aufmerksamkeit geweckt und auch ihre historische Bedeutung bedarf noch einer ausführlichen Bewertung. Sowohl italienische als auch österreichische Forscher haben die italienische Produktion von musikdramatischen Texten bei den Habsburgern des 17. Jahrhunderts weitgehend außer Acht gelassen. Darüber hinaus sind zwar im letzten Jahrzehnt Monographien und kritische Editionen erschienen, in denen die Prominenz italienischer Librettisten in der Zeit des Barock erkannt wird, die Produktion in Wien wird hier aber bis auf wenige Ausnahmen meistens ignoriert. Jedoch gibt es keinen Grund zu glauben, dass italienische Dramatiker, die in ihrer Heimat so viele Meisterwerke verfassten, plötzlich ihre Fähigkeiten einbüßten, sobald sie die Alpen überquerten. Das Projekt wird zum ersten Mal eine Studie einer Auswahl italienischer Libretti von vier der bedeutendsten italienischen Autoren (G. B. Andreini, B. Ferrari, F. Sbarra und N. Minato) durchführen, die, nachdem sie schon dramatische Texte in Italien verfasst hatten, unter der Herrschaft von Ferdinand II., Ferdinand III. und Leopold I. (1620 bis 1705) arbeiteten. Texte werden nach den jüngsten philologischen Standards kritisch ediert und einer genetischen Evolutionsanalyse von ihrer Uraufführung bis zu ihrer letzten Inszenierung unterzogen. Anschließend werden sie innerhalb der Karriere des jeweiligen Librettisten und entlang ihres gattungsspezifischen evolutionären Pfades kontextualisiert. Zudem werden österreichische Studierende und Forscher zu einer Neubewertung dieses Werkkomplexes ermutigt und dabei auf ein wichtiges einheimisches und zugleich transnationales Phänomen hinzugewiesen. Dies wird sowohl durch eine Internet Datenbank mit online verfügbaren kritischen Editionen (erstellt mithilfe von der Software Synopsis), eine Monographie und zwei Artikel über das Forschungsthema, als auch durch von den Instituten für Romanistik und Musikwissenschaft der Universität Wien veranstaltete Seminare erreicht.
Das Forschungsprojekt "Viennese Opera by Italian Librettists (1620-1705): Towards the Birth of a Transnational Genre" zielte darauf, die im Rahmen von jüngeren Forschungen entwickelten Theorien und analytischen Herangehensweisen für die Librettos des 17. bis Anfang des 18. Jahrhunderts an den in Wien aufgeführten Opern anzuwenden. Schwerpunkt meiner Forschungstätigkeit waren die Librettos für Wiener Bühnen vor den Reformen der Arkadia, während der Regierungszeiten von Ferdinand II., Ferdinand III. und Leopold I. (ca. 1620-1705). Ich habe sieben weltliche Dramen von Antonio Draghi untersucht, die in Wien komponiert und uraufgeführt wurden ("L'Almonte" 1661; "L'Oronisbe" 1663; "L'Invidia conculcata" 1664; "La Cloridea" 1665; "L'Alcindo" 1665; "La mascherata" 1666; "Vero amor fa soave ogni fatica" 1667), sowie zwei Librettos von Benedetto Ferrari ("Dafne in alloro" Vienna 1652; "L'inganno d'Amore" Regensburg 1653) und "Il pomo d'oro" von Francesco Sbarra (Vienna 1668). Die Auseinandersetzung mit den zehn herangezogenen Werken sowie mit der Sekundärliteratur über das Musikleben in Wien im 17. Jahrhundert ermöglichte mir nicht nur zu neuen Erkenntnissen über die historische Entwicklung der musikalischen Gattung Oper im Allgemeinen zu gelangen, sondern auch neue Strategien zu entwickeln, um Librettos zu analysieren. Die Forschungsergebnisse über die Librettos von Ferrari und Sbarra erlauben zu behaupten, dass die Hinsichten bezüglich der Entwicklung der Oper von den privaten höfischen Aufführungen bis zu den öffentlichen Theatern, die bis heute die musikwissenschaftliche Debatte animiert haben, eine starke Revision unterzogen werden müssen. In Anbetracht der Tatsachen, dass Ferrari und Sbarra in Italien für öffentliche Theater gearbeitet haben, bevor sie nach Wien kamen, sowie dass ihre Librettos das Resultat eine Vermischung der Elemente der venezianischen und der höfischen Oper darstellen, konnte man auf der Basis ihrer Bühnenstücke die Konzeption der historischen Entwicklung der Oper erweitern und neu definieren, denn die in Wien aufgeführten Werke die Opergeschichte widerlegen, wie sie bisher präsentiert wurde. Wegen der zahlreichen Regiehinweisen und Beschreibungen der Bewegungen der Sänger auf der Bühne erlauben außerdem Draghis Werke eine neue Art von Analyse, die auf die Gestik und Bühnendramatik fokussiert. Diese Besonderheit ermöglicht eine Herangehensweise mit Draghis Werken, die weniger in der literarischen Textanalye und vielmehr in den Methoden der Theaterwissenschaft verankert ist, und neues Licht auf den Librettos als Instrument für Rezitation und Quelle für Studien von Theatergeschichte bringt. Abgesehen von den fünf Vorträgen, die ich im Rahmen von internationalen (musik)wissenschaftlichen Tagungen gehalten habe, sowie den bereits geplanten Publikationen, ist aus meinem Forschungsprojekt die Tagung "I libretti italiani a Vienna tra Sei e Settecento - Italian Libretti in Vienna during the Seventeenth and Eighteenth Centuries" entstanden, die im Juni 2019 am Institut für Romanistik der Univesität Wien stattfand und von mir, Prof. Alfred Noe und Dr. Adriana De Feo organisiert wurde.
- Universität Wien - 100%
- Lorenco Bianconi, Università degli Studi di Bologna - Italien
Research Output
- 2 Publikationen
- 6 Disseminationen
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2020
Titel "< >: su un'ignota revisione italiana de 'La fuerza del natural' di Agustn Moreto e Jernimo de Cncer a Vienna" (accepted, forthcoming in 2020); In: El teatro español en Europa (siglos XVI-XVIII) Typ Book Chapter Autor Usula N. Verlag Firenze University Press