Achtung, Selbstachtung und Naturrecht, 1670-1780
Esteem, Self-Esteem and Natural Law, 1670-1780
Wissenschaftsdisziplinen
Philosophie, Ethik, Religion (100%)
Keywords
-
Esteem,
Self-Esteem,
Natural Law,
Respect,
Self-Knowledge
Unter den möglichen Antworten auf die Frage, was moralisches Handeln motivieren könnte, hat die Einsicht, dass Menschen ein Bedürfnis nach Achtung haben immer eine Rolle gespielt. Das Thema war besonders prominent im ethischen und politischen Denken der frühen Neuzeit, und in den beiden vergangenen Jahrzehnten wurde es wieder belebt in einer philosophischen Debatte, die von Geoffrey Brennan und Philip Pettit angestossen wurde. Brennan und Pettit verwenden den Begriff der moralischen Ökonomie, um die Mechanismen der Achtung zu analysieren. Damit nehmen sie Bezug auf die Verwendung von Ökonomie im 18. Jahrhundert, die für alle wertorientierten Austauschbeziehungen von Gütern steht. Achtung ist ein Gut, das nicht in einem buchstäblichen Sinn für andere Güter eingetauscht werden kann, aber es ist ein Gut, das oft eine Belohnung für das eigene Handeln darstellt und oft ein Gegenstand des Wettbewerbs ist. Ausserdem kann Achtung anderen verliehen werden dadurch, dass man ihnen Aufmerksamkeit schenkt, sie lobt oder in eine Verbindung mit ihnen tritt. Die entscheidende Frage, die von jeder Theorie einer moralischen Ökonomie der Achtung beantwortet werden muss, lautet: Wie können achtungsbezogene Mechanismen, die die Befolgung von Normen motivierenunabhängig davon, wie kontingent diese Normen sein mögen eine Motivation für genuin moralisches Handeln bilden? Die Beantwortung dieser Frage verlangt die Lösung dreier Probleme: (1) Wie kann das Bedürfnis nach Achtung über blossen Konformismus hinausweisen? (2) Wie kann das Bedürfnis nach Achtung wirksam sein, wenn die eigenen Handlungen nicht öffentlich sind? (3) Wie kann das Bedürfnis nach Achtung wirksam sein in Situationen der Unterdrückung? Das vorliegende Projekt verfolgt das Ziel zu zeigen, dass frühneuzeitliche Theorien der Achtung Ressourcen für eine Lösung dieser Probleme bereitstellen. Dies liegt daran, dass die Verbindung zwischen Achtung, Selbstachtung und naturrechtlichen Normen, die in frühneuzeitlichen Texten hergestellt wird, Hinweise darauf geben kann, wie die Probleme des Fehlens von Öffentlichkeit, der Unterdrückung und des Konformismus gelöst werden können. Die Aspekte der frühneuzeitlichen Auffassungen von Achtung, die auf naturrechtliche Überlegungen gegründet sind, können aufzeigen, in welcher Weise eine Pluralität von moralisch neutralen Qualitäten, die Anlass zu positiven Bewertungen führen, ergänzt werden können durch Werte, die sich aus der menschlichen Natur ergeben. Solche naturrechtlich fundierten Werte koenne dazu dienen, den Begriff der gerechtfertigten Achtung auszufüllen und den Bereich der zulässigen relativistischen Normen von Achtung zu begrenzen. 1
Unter den möglichen Antworten auf die Frage, was moralisches Handeln motivieren könnte, hat die Einsicht, dass Menschen ein Bedürfnis nach Achtung haben, immer eine Rolle gespielt. Das Thema war besonders prominent im ethischen und politischen Denken der frühen Neuzeit, und in den beiden vergangenen Jahrzehnten wurde es wieder belebt in einer philosophischen Debatte, die von Geoffrey Brennan und Philip Pettit angestossen wurde. Brennan und Pettit verwenden den Begriff der "moralischen Ökonomie", um die Mechanismen der Achtung zu analysieren. Damit nehmen sie Bezug auf die Verwendung von "Ökonomie" im 18. Jahrhundert, die für alle wertorientierten Austauschbeziehungen von Gütern steht. Achtung ist ein Gut, das nicht in einem buchstäblichen Sinn für andere Güter eingetauscht werden kann, aber es ist ein Gut, das oft eine Belohnung für das eigene Handeln darstellt und oft ein Gegenstand des Wettbewerbs ist. Ausserdem kann Achtung anderen verliehen werden dadurch, dass man ihnen Aufmerksamkeit schenkt, sie lobt oder in eine Verbindung mit ihnen tritt. Die entscheidende Frage, die von jeder Theorie einer moralischen Ökonomie der Achtung beantwortet werden muss, lautet: Wie können achtungsbezogene Mechanismen, die die Befolgung von Normen motivieren, eine Motivation für genuin moralisches Handeln bilden? Die Beantwortung dieser Frage verlangt die Lösung dreier Probleme: (1) Wie kann das Bedürfnis nach Achtung über blossen Konformismus hinausweisen? (2) Wie kann das Bedürfnis nach Achtung wirksam sein, wenn die eigenen Handlungen nicht öffentlich sind? (3) Wie kann das Bedürfnis nach Achtung wirksam sein in Situationen der Unterdrückung? Das vorliegende Projekt verfolgt das Ziel zu zeigen, dass frühneuzeitliche Theorien der Achtung Ressourcen für eine Lösung dieser Probleme bereitstellen. Dies liegt daran, dass naturrechtliche Normen eine Grundlage für gerechtigtigte Achtung und Selbstachtung bieten und dadurch die Faktoren des Konformismus, des Fehlens von Öffentlichkeit und der Unterdrückung ausgleichen.
- Universität Klagenfurt - 100%
- Ohad Nachtomy, Bar-Ilan University - Israel
Research Output
- 21 Zitationen
- 13 Publikationen
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2019
Titel Helvétius's challenge: Moral luck, political constitutions, and the economy of esteem DOI 10.1111/ejop.12471 Typ Journal Article Autor Blank A Journal European Journal of Philosophy Seiten 337-349 Link Publikation -
2022
Titel Marquard Freher and the presumption of goodness in legal humanism DOI 10.1080/01916599.2022.2095524 Typ Journal Article Autor Blank A Journal History of European Ideas Seiten 491-505 Link Publikation -
2019
Titel "Christian Wolff on Common Notions and Duties of Esteem." Typ Journal Article Autor Blank Journal Journal of Early Modern Studies Seiten 171-193 Link Publikation -
2017
Titel "D'Holbach on Self-Esteem and the Moral Economy of Oppression." Typ Journal Article Autor Blank Journal British Journal for the History of Philosophy Seiten 1116-1137 Link Publikation -
2020
Titel Wolff on duties of esteem in the law of peoples DOI 10.1111/ejop.12593 Typ Journal Article Autor Blank A Journal European Journal of Philosophy Seiten 475-486 Link Publikation -
2018
Titel "Complaisance and the Question of Autonomy in the French Women Moralists, 1650-1710."; In: Women Philosophers on Autonomy Typ Book Chapter Autor Blank Verlag Routledge Seiten 43-60 Link Publikation -
2018
Titel "Anne-Thérèse de Lambert on Aging and Self-Esteem." Typ Journal Article Autor Blank Journal Hypatia Seiten 289-304 Link Publikation -
2018
Titel Self-knowledge and varieties of human excellence in the French moralists DOI 10.1080/09608788.2018.1524366 Typ Journal Article Autor Blank A Journal British Journal for the History of Philosophy Seiten 513-534 Link Publikation -
2020
Titel D’Holbach on (Dis-)Esteeming Talent DOI 10.32881/jomp.70 Typ Journal Article Autor Blank A Journal Journal of Modern Philosophy Link Publikation -
2022
Titel The Morality of Self-Acceptance: La Rochefoucauld and the Augustinian Challenge DOI 10.1080/20563035.2022.2115867 Typ Journal Article Autor Blank A Journal Early Modern French Studies Seiten 131-149 Link Publikation -
2022
Titel Christoph Besold on confederation rights and duties of esteem in diplomatic relations DOI 10.1080/17496977.2021.2001886 Typ Journal Article Autor Blank A Journal Intellectual History Review Seiten 51-70 Link Publikation -
2021
Titel The morality of the desire for esteem: Gassendi and the Augustinian challenge DOI 10.1080/01916599.2021.1883090 Typ Journal Article Autor Blank A Journal History of European Ideas Seiten 1228-1242 Link Publikation -
2021
Titel Pufendorf and Leibniz on duties of esteem in diplomatic relations DOI 10.1177/17550882211002225 Typ Journal Article Autor Blank A Journal Journal of International Political Theory Seiten 186-204 Link Publikation