`Gute´ Mütter: Frauen(auto)biografien zum 2. Weltkrieg
`Good´ Mothers: Woman´s Life Writing of World War II
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (20%); Soziologie (20%); Sprach- und Literaturwissenschaften (60%)
Keywords
-
Woman´s Life Writing,
Narrative,
World War II,
Motherhood,
Memory,
Morality
Dieses Projekt untersucht das Konzept der `guten` Mutter in Auto/Biografien von Frauen zum zweiten Weltkrieg. Es analysiert in englischer und deutscher Sprache veröffentlichte Erzählungen von Frauen in Ländern auf beiden Seiten des Atlantiks und der ideologischen Kluft (Deutschland, Großbritannien, Kanada, Österreich, die Vereinigten Staaten), um bestehende Konzeptionen und Interpretationen der Mutterschaft im Krieg zu komplizieren. Auffassungen von mütterlicher Gutheit und gutem Bemuttern sind immer emotionell, kulturell, und politisch belastet. In Kriegszeiten nehmen sie eine zentrale Stelle im Diskurs und kollektiven Bewusstsein ein, da Begriffe der guten Mutter an den Kriegskontext angepasst werden. Die Mutterschaft wird sowohl zu Kriegs- als auch zu Friedenszwecken verwendet, um als Beispiel für bestimmte nationale Tugenden (Gelassenheit, Heiterkeit, Unerschütterlichkeit, Sparsamkeit) zu wirken. Zudem beruhen später erstellte historische Inhalte, einschließlich von Gender-Erfahrungen im Krieg, notwendigerweise auf persönlichen Erinnerungen und Erzählungen und sind daher bedingt und instabil. Das vorliegende Projekt ist im komplexen Schnittpunkt von Erinnerung, Erzählung, Gender, und Ethik situiert. Es stellt diese Konzepte in ein- und denselben analytischen Rahmen, um die Figur der Mutter zu untersuchen, während die Geschichten von Frauen über den Krieg gegen eine Politik der Erinnerung analysiert werden, die tief in der erzählten Identität impliziert ist. Ein derartiger Ansatz beachtet den Gegenwartskontext der Erzählung sowie die (Neu)Gestaltung der Erinnerung durch ihre Politisierung als Quelle von Autorität und Identifizierung, aber auch als Stelle der Auseinandersetzung. Unter Verwendung einer Definition des Genres "Life Writing", das sowohl Autobiografik als auch die Biografik umfasst, untersucht das Projekt eine Auswahl von während mehr als siebzig Jahren veröffentlichten und bis in die Gegenwart reichenden Texten, von Berichten von Munitions- und Landarbeiterinnen bis hin zu Geschichten von pazifistischen Müttern und zu generationsübergreifenden Postmemory-Erzählungen von intensiv eingebrachten (imaginären) Töchtern. Das Projekt erforscht dabei die konstruierten Geschichten und Identitäten sowie deren moralische Implikationen. "`Gute` Mütter" ist als multidisziplinäre und vergleichende literarische und kulturelle Studie konzipiert. Ein interkultureller vergleichender Ansatz illuminiert die Gleichheiten und Differenzen zwischen (Neu)Gestaltungen von mütterlichen Kriegserfahrungen und -identitäten sowie zwischen den Kontexten der Erzählung. Ein derartiger Ansatz betrachtet `Frauen` nicht als statische und essentialisierte Kategorie sondern als unter verschiedenen sozialen und kulturellen Bedingungen unterschiedlich konstituiert, und erweitert und verwischt daher die Grenzen zwischen diversen Mutterschaftsmodellen und -geschichten. Gemeinsam mit Nach/Erinnerungsliteratur von Frauen verwendet das Projekt auch historische Studien und Kulturprodukte (Flugblätter, Werbungen in Zeitschriften, Filme, und Plakate), u.z. nicht nur um den historischen Kontext zu konkretisieren sondern auch um die falsche Trennung von Diskurs und Erfahrung zu unterminieren.
- Universität Graz - 100%