Rhodische Amphorenstempel: Neue Methoden - neue Ergebnisse
Rhodian Amphora Stamps: New Methods, New Results
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (25%); Geschichte, Archäologie (75%)
Keywords
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Amphora Stamps,
Rhodes,
Historiography,
Computerized Corpus
In der Antike benutzte man Amphoren, um alle möglichen Waren und Erze zu transportieren, und dies manchmal auf weite Distanz, sei es auf dem Meer- oder Landweg. Seit dem 5. Jh. v. Chr. haben gewisse griechische Städte am Mittelmeer und dem Schwarzen Meer diese Amphoren mit Kennzeichen versehen. Die Funktion dieser Amphorenstempel bleibt umstritten, doch sie dienten wahrscheinlich dazu, eine Herstellungsgebühr zu erheben (und sie so zu kennzeichnen). Bedeutsam bei diesen Amphorstempeln ist einerseits die Menge: Von England bis Äthiopien, von Marokko bis Indien wurden ca. 300 000 Exemplare gefunden. Von grossem Interesse sind sie andererseits aber auch deswegen, weil sie bei den meisten Ausgrabungen als sehr genau zu datierendes Material dienen und es erlauben, den Verkehrsweg der Waren zu ermitteln. Schliesslich geben sie uns Auskunft über die soziale und wirtschafliche Organisation des Keramikgewerbes in der griechischen Welt. Unter den uns heute bekannten rund 70 Zentren, in denen Amphoren mit Stempeln hergestellt wurden, ist Rhodos unbestritten das wichtigste: diese Stadt war eine der wirtschaflichen "Großmächte" während der hellenistischen Epoche (323-31 v. Chr.), und allein dort wurde die Hälfte aller heute belegten Amphorenstempel hergestellt, nämlich ungefähr 150 000. Seit dem 16. Jh. wurden zu diesem Thema schon 1500 Beiträge in zwanzig verschiedenen Sprachen veröffentlicht. Diese habe ich alle zusammengestellt und übersetzt. Mein Ziel ist, dieses einzigartige wissenschaftliche Erbe möglichst der Forschung zugänglich zu machen und die zukünftige Entwicklung auf diesem Gebiet zu fördern und zu verbessern. Die Archäologen haben schon lange die Notwendigkeit der Erarbeitung eines Corpus der Amphorenstempel aus Rhodos hervorgehoben; gleichzeitig bedauern sie auch die Untauglichkeit der herkömmlichen Mittel zur Verwirklichung einer solchen Aufgabe. Dank neuer Technologien und dem Fortschritt in der Methodologie der letzten Jahre können wir nun dieses Ziel erreichen, indem das gesamte veröffentlichte Material in einer elektronischen Datenbank gespeichert wird. Darüber hinaus können wir ein Werkzeug schaffen, das es erlaubt, 1) die Chronologie der Amphorenstempel wesentlich voranzutreiben, 2) ihre Bedeutung und ihren Zweck besser zu verstehen, und 3) einen ganzen Bereich des Handels in der antiken Welt über mehrere Jahrhunderte zu erfassen. Das Ziel ist es, eine neue, dynamische Form von Corpus zu schaffen, die als Modell für das Studium aller serienmässig hergestellten Produkte dienen könnte. Auf diese Weise hoffe ich, einen wesentlichen Beitrag zu einer eigentlichen Wirtschaftsarchäologie leisten zu können. Gleichzeitig mit der Ausarbeitung des Corpus ist eine Monographie von ca. 150 Seiten geplant, die eine Bestandesaufnahme der Forschung von der Renaissance bis heute enthält und auch neue Richtlinien für die Zukunft aufzeigt.
Eine Website wurde entworfen, die der Erfassung sowie dem Studium der rhodischen Amphorenstempel dient, eine der bedeutendsten Quellen für die Geschichte des Altertums insbesondere, was ihre wirtschaftlichen Aspekte betrifft sowie eines der besten Hilfsmittel für die Datierung, das den im Mittelmeer- und Schwarzmeerraum tätigen Archäologen zur Verfügung steht. Diese Website wurde durch das Zentrum für neue Technologien (Centre NTE) der Universität Freiburg in der Schweiz realisiert. Sie wird die Entwicklung der relevanten Forschung auf internationaler Ebene ermöglichen. Daneben wurde ein Buch über den schwedischen Arzt und Forscher Johan Hedenborg, der zwischen 1840 und 1857 auf der Insel Rhodos viele Inschriften sowie Stempel auf Amphorenhenkeln und Ziegeln zusammengestellt hat, verfasst. Bislang unveröffentlichte Dokumente ermöglichen es, die Funktionen von Keramikstempeln, die seit der Mitte des 19. Jahrhunderts intensiv diskutiert worden sind, zu erhellen. Es hat sich gezeigt, dass darauf eine Abgabe auf die Produktion erhoben wurde. Schließlich wurde eine Monographie über die rhodischen Amphorenstempel vorbereitet. In ihr wird das bisherige Wissen über dieses Thema, das seit dem 16. Jahrhundert erarbeitet worden ist, zusammengefasst.
- Universität Wien - 100%