Romanos/Messenien: Keramik aus Frühhelladisch II Brunnen
Romanos/Messenia: Pottery from Early Helladic II Well
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Naturwissenschaften (10%); Geschichte, Archäologie (90%)
Keywords
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Early Helladic II Settlement,
Interaction With The Aegean And Crete,
Early Helladic II Well,
Messenia,
Early Helladic II Pottery,
Aegean
Nördlich von Pylos in Messenien leitete der Antragsteller von Februar 2007 bis Ende Januar 2012 im Auftrag des Griechischen Kulturministeriums ausgedehnte Rettungsgrabungen im Bereich des zu erstellenden weitläufigen Hotelkomplexes mit 18 Loch-Golfplatz "Costa Navarino-Navarino Dunes". Neben der Dokumentation von Befunden mykenischer, früheisenzeitlicher und historischer Zeitstellung stellte die Entdeckung einer ausgedehnten Siedlung der Perioden FH I/II und FH II das Hauptergebnis der Untersuchungen dar. Die Stätte bedeckt eine Fläche von mindestens 40.000m 2 und ist damit die größte bislang bekannt gewordene Frühhelladische Siedlung Messeniens. Ihr Plan zeigt einheitlich ausgerichtete, geräumige Rechteckhäuser und sich rechtwinklig kreuzende Straßenzüge. Neben anderen Befunden, die auf die Existenz eines hoch organisierten Gemeinwesens hindeuten, ist ein FH II- Brunnen von besonderem Interesse. Die in ihm gefundene Keramik liegt bereits komplett gewaschen und beschriftet zur Bearbeitung bereit. Das Material aus dem Brunnen ist ein ungeheurer wissenschaftlicher `Schatz`. Bislang war die Stufe FH II in Messenien weitestgehend unerforscht geblieben und in der ganzen Westpeloponnes war Ajios Dimitrios in Triphylien (Südelis) die einzige nach modernen Standards ausgegrabene und publizierte FH I/II FH II Siedlungsstätte. Die reichen Keramikfunde aus dem Brunnen in Romanos-Navarino Dunes mit hunderten von kompletten und somit typologisch uneingeschränkt bestimmbaren Gefäßformen werden es erstmals gestatten, Wesen und Charakter der FH II-Keramik in Messenien umfassend zu definieren. Dabei wird erkennbar werden, wie ähnlich und wie verschieden messenische FH II-Keramik im Vergleich zur zeitgenössischen Keramikproduktion anderer Landschaften des zentralen und südlichen griechischen Festlandes ist. Zudem zeichnen sich unter dem Material aus dem Brunnen auch Keramikimporte aus weit entfernten Gebieten wie den Kykladen ab, was im Hinblick auf die in der Siedlung vorgefundene ungeheure Menge an Artefakten aus melischem Obsidian nicht überrascht. Neben diesen kykladischen Keramikimporten, den bislang frühesten in Messenien nachgewiesenen, scheinen auch Importe aus Kreta und aus nördlicheren Gebieten des griechischen Festlandes vorzuliegen. Eine im Rahmen dieses Projektes ins Auge gefasste begrenzte Anzahl petrographischer Analysen wird die nähere Bestimmung des Herkunftsgebietes ausgewählter Stücke gestatten. Alles deutet darauf hin, dass die Siedlung in Romanos-Navarino Dunes ein Knotenpunkt eines frühen maritimen Handelsnetzes war, das sich entlang der Küste des ionischen Meeres erstreckte und, über Kythera, bis in die Ägäis und vielleicht sogar bis nach Kreta reichte.
In der Umgebung des Ortes Romanos/Messenien/Griechenland wurde nahe am Ionischen Meer eine ausgedehnte frühbronzezeitliche Siedlung entdeckt und partiell erforscht. Ein wichtiger Fund war ein wohl in Folge eines Erdbebens unbrauchbar gewordener Brunnen, der gegen Ende der Periode Frühhelladisch II (um 2300 v.Chr.) bis hoch zum Mündungsrand mit Massen von Keramik verfüllt worden war. Die Verfüllung bestand aus drei sukzessiv trichterförmig vom südlichen Brunnenrand eingebrachten tief hinabreichenden Schüttungen kompakten Keramikschutts, welche durch Erde mit geringer Keramikbeimischung voneinander abgesetzt waren. Insgesamt konnten aus diesem Schutt bislang nahezu 400 Tongefäße komplett bzw. nahezu vollständig zusammengefügt und aufgenommen werden. Damit handelt es sich um den bislang größten in der Westpeloponnes bekannten Fund ganz erhaltener frühhelladisch II-zeitlicher Tongefäße. Erstmals konnten an derartigen Fundstücken in großem Umfang zuverlässige Gewichtsangaben ermittelt werden. Des Weiteren ließen sich an ihnen erstmals für die Frühe Bronzezeit des süd- und mittelgriechischen Festlandes auf großer Basis Füllmengenmessungen vornehmen. So haben z.B. die in großer Zahl vorhandenen Ringfußschälchen (Trinkschälchen) stets ein Fassungsvermögen um 0,34l. Saucieren (Schenkgefäße mit langgezogenem Ausguss) liegen in Größen vor, die ein Füllvolumen um 0,33l, 0,66l und 1,0l aufweisen. Es erscheint daher möglich, dass eine Hohlmaßeinheit bestand, die ungefähr einem Drittel des Liters entspricht. Insgesamt ließen sich 14 verschiedene Keramikgattungen feststellen, wobei die meisten als lokale Waren anzusprechen sind und erstmals als solche definiert werden können. Bei anderen besteht der Verdacht auf Importware, der jedoch noch durch die endgültigen Ergebnisse der Keramikanalysen (petrographischer Dünnschliff, chemische Analyse) bestätigt werden muss. Vereinzelte Importe liegen aus dem attisch-kykladischen Raum, der Korinthia und wohl auch von der Insel Kythera vor. Generell ist die Keramik fest in der Koine der frühhelladisch II-zeitlichen Keramiktradition verankert, wenngleich eine ganze Reihe von hier erstmals belegten, vormals unbekannten, Gefäßformen - wie z.B. einer gigantischen Super-Sauciere mit drei Ausgüssen - eine gewisse regionale Eigenständigkeit erkennen lässt. Einflüsse kykladischer Töpfertradition lassen sich jedoch auch an einigen lokal hergestellten Gefäßen über bestimmte Dekormotive sowie über plastische Details und Zusätze ausmachen. Flache, weite, konische Schälchen (Trinkschälchen, Teller) gehörten neben den Ringfußschälchen zu der weitaus am häufigsten im Brunnen vertretenen Gefäßform, wobei einige Exemplare sogar auf einer langsam drehenden Scheibe hergestellt zu sein scheinen. Auch diese Schälchen zeigen eine Verbindung zum Raum der Ägäis auf, wo sie z.B. auf den Kykladen in der späten Frühbronzezeit II (u.a. in Ajia Irini auf Keos Phase III) oder auf Kreta z.B. in Knossos im späten Frühminoisch IIA und in Frühminoisch IIB gehäuft in Erscheinung treten. Zu fragen ist, warum die wohl bei gemeinschaftlichen Banketten oder Feiern genutzten ganz erhaltenen Tongefäße - darunter viel Feinware und viele Trink- oder Schenkgefäße - nicht wiederverwendet worden waren, sondern in den aufgelassenen Brunnen geworfen worden waren? Befunde von anderen frühhelladischen und frühminoischen Brunnen (Eutresis, Korinth Cheliotomylos, Knossos Palast) geben Anlass zur Überlegung, dass die Verfüllung des Brunnens in Romanos nicht allein ein profaner Akt war, sondern mit rituellen Aktivitäten und religiösen Vorstellungen verbunden gewesen sein mag.
Research Output
- 3 Publikationen
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2016
Titel Early Helladic Romanos/Messenia: Filling a Well. Typ Conference Proceeding Abstract Autor Rambach J Konferenz Alram-Stern E., Blakolmer F., Deger-Jalkotzy S., Laffineur R., Weilhartner J. (eds), METAPHYSIS, Ritual, Myth and Symbolism in the Aegean Bronze Age: Proceedings of the 15th International Aegean Conference at the Institute for Oriental and European Archaeology, Austrian Academy of Sciences and Institute of Classical Archaeology, University of Vienna; AEGAEUM (Annales d'archéologie égéenne de l'Université de Liège et UT-PASP). -
2015
Titel Ceramic Traditions in Southwestern Peloponnese during the Early Helladic II Period: The Romanos Pylias Case Study. Typ Conference Proceeding Abstract Autor Kordatzaki G Konferenz Alram-Stern, Horejs (eds), POTTERY TECHNOLOGIES AND SOCIOCULTURAL CONNECTIONS BETWEEN THE AEGEAN AND ANATOLIA DURING THE 3rd MILLENNIUM BC, Proceedings of the Conference held at the Institute for Oriental and European Archaeology, Austrian Academy of Sciences. -
2015
Titel Romanos-Navarino Dunes in the Pylia: The EH II settlement and the case of the EH II well. Typ Conference Proceeding Abstract Autor Rambach J Konferenz Alram-Stern, Horejs (eds), POTTERY TECHNOLOGIES AND SOCIOCULTURAL CONNECTIONS BETWEEN THE AEGEAN AND ANATOLIA DURING THE 3rd MILLENNIUM BC, Proceedings of the Conference held at the Institute for Oriental and European Archaeology, Austrian Academy of Sciences.