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Die konstituierende Gewalt des Wortes (13.-14. Jahrhundert)

The Constituent Power of the Word (13th-14th century)

Gianluca Briguglia (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/M1443
  • Förderprogramm Lise Meitner
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.09.2012
  • Projektende 31.08.2014
  • Bewilligungssumme 133.360 €

Wissenschaftsdisziplinen

Geschichte, Archäologie (50%); Philosophie, Ethik, Religion (50%)

Keywords

    Middle Ages, Latin and Vernacular, History of Political Thouhgt, Origins of Humanism, Political Theology, History of Medieval Philosophy

Abstract Endbericht

Das vorliegende Projekt zielt auf eine Untersuchung der Ursprünge eines neuen Erfassens von politischem Raum und Gemeinschaft im 13. und 14. Jh., verstanden als ein Herangehen, Aneignen und Errichten einer neuen öffentlichen Rede in ihren rhetorischen, philosophischen und literarischen Dimensionen. Will man der Macht des Wortes im politischen Leben gemäß unserer Arbeitshypothese auf den Grund gehen, so wird man dieses Bemühen nicht nur in verschiedenen Disziplinen (Philosophie, Theologie, Literaturwissenschaft) und neuen Textgenres (z.B. die städtisch-politische Historiographie oder Romane), sondern auch bei verschiedenen sozialen Gruppen (Kleriker, Laien) und auch in Hinsicht auf geschlechtsrelevante Aspekte erforschen müssen. Das Projekt will diesen Veränderungsprozess analysieren, wobei im interdisziplinären Zugriff die Wechselwirkungen verschiedener Texte und Kontexte erhoben werden. Dabei werden in gezielten Fallstudien eine Reihe von spezifischen Themen und Debatten untersucht, welche auch die gesteckten Forschungsziele und konkreten Arbeitsschritte inhaltlich wie zeitlich strukturieren helfen. Wichtige Debatten in diesem Zusammenhang sind: a) Die Ursprünge der menschlichen Gemeinschaft: Mythen und Funktion. b) Lust als öffentlicher Raum. c) Historiographie und Rhetorik: Ursprünge und Zukunft der Stadt. d) Philosophie, literarische Theologe und Politik. e) Die Stadt der Frauen. Das gesamte Projekt möchte zeigen, dass ein Zusammentreffen von Wissensformen und Traditionskonflikten im besagtem Untersuchungszeitraum zu einer Anzahl von Experimenten, von Modellen und Paradigmen führte, die darauf abzielten, einen neuen politischen Raum zu begründen, der insbesondere auf einer besonderen Rhetorik und dem (fach-)sprachlichen Austausch beruhte. Dabei war es gerade ein solches aufhebendes Überbrücken von traditionellen Kontexten, ein neues Umfassen bislang getrennter Diskurse, welches Konflikte hervorrief und neue Ordnungen des Denkens erzeugte, wodurch die Moderne erst möglich gemacht wurde. Als vorrangiges Projektziel soll Material erhoben werden für einen neue Monographie, welche die Veränderungen und die Verbindungen innerhalb theologischer, rhetorischer und philosophischer Paradigmen des politischen Denkens im 13. und 14. Jh. darstellen wird. Diese Paradigmen spiegeln und gruppieren sich um das Verhältnis von Wort, Gemeinschaft und konstituierende Macht. Dazu wird es unumgänglich sein, die Absichten und Charakteristiken verschiedener Textgruppen und Traditionen zu präzisieren. Folgende Forschungsziele, die in der Projektskizze in detaillierter Weise ausgeführt sind, spielen dabei eine besonderere Rolle: a) Das "kausative" Wort in der politischen Theologie. - b) Wort und Sprache als Grundlage menschlicher Gemeinschaft.. - c) "beglaubigendes" Wort - die Kultur der Notare. - d) der Dichter als Theologe. - e) Latein und Volkssprachen.

Das Projekt Die konstituierende Macht des Wortes am Beginn der Neuzeit(13.-14. Jahrhundert). Eine interdisziplinäre Annäherung war ein zweijähriges Projekt, das durch die FWF gefördert wurde und am Institut für Kirchengeschichte der Fakultät für katholische Theologie an der Universität Wien angesiedelt war. Es wurde von Gianluca Briguglia von 2012 bis 2014 durchgeführt. Die wichtigsten Forschungsergebnisse bestehen in einem vertieften Verständnis eines neuen kulturellen Phänomens im 13. Und 14. Jahrhundert, nämlich eine neue Vorstellung von der öffentlichen Rede und des öffentlichen Raumes: neue politische Gattungen, Disziplinen, Institutionen entstehen in dieser Epoche und bestimmten die Vorstellung von Bürgerschaft neu, im Sinne eines zivilen und kulturellen Milieus. Außerdem wurde die Beziehung zwischen verschiedenen Wissensfeldern und literarischen Gattungen im Spätmittelalter neu formuliert: Texte aus unterschiedlichen Zusammenhängen und mit unterschiedlichen Adressaten wurden einem Vergleich unterzogen: Philosophie/Politik, Theologie/Poesie, Theologie/Poesie, Rhetorik/Geschichte.Das Hauptziel des Projektes bestand darin die neuartige Weise, wie im 13. Und 14. Jahrhundert der politische Raum und die politische Gemeinschaft gedacht wurde, zu untersuchen und als Geburtsort eines neuen öffentlichen Diskurses, einer neuen Art über Politik zu sprechen zu verstehen den Gebrauch von rhetorischen, philosophischen und literarischen Figuren. Das Leben gebildeter Menschen besteht mehr aus Reden als aus Handeln: die Aussage des Richters Albertano da Brescia (12. 13. Jahrhundert n. Chr.) umschreibt treffend den Gegenstand des Projektes, d.h. die Rede und ihr spezifisches Handlungsfeld, das mit der Gründung des öffentlichen Lebens einhergeht.Das Projekt wurde anhand einer Reihe spezifischer Themen/Fallstudien entwickelt.Die sprachliche Dimension der Menschen und der Politik ist der Schlüsselbegriff des Projektes. Eine interessante Fallstudie war der Frage nach der politischen Natur besonderer Wesen gewidmet, wie der mythischen Bevölkerung der Pygmäen? Handelt es sich um Menschen? Für einige Denker (zum Beispiel Albert den Großen) sind es keine Menschen, weil sie keine richtige Sprache besitzen und es sind auch keine politischen Wesen. Die Grenze zur Menschheit ist durch die Rede und Politik markiert. Ein anderes Beispiel ist das ciceronische Bild des vir magnus et sapiens, das sich bei vielen mittelalterlichen Denkern findet, der Mythos des Redners, welcher die Menschen davon überzeugt in Gemeinschaft zu leben und der sie so aus ihrem primitiven Zustand befreit. Die mittelalterliche Interpretation des Bildes beantwortet die Frage nach den Ursprüngen der Gesellschaft und Politik mit der wichtigen Feststellung, dass das Zentrum des zivilen Lebens die Rede, die Rhetorik, die Fähigkeit zur Kommunikation ist.Diese und zahlreiche andere Themen waren Gegenstand der Untersuchung und ein Teil der Ergebnisse wurde in dem Buch L'animale politico. Agostino, Aristotele e altri mostri medievali (Rom, 2015) veröffentlicht.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%

Research Output

  • 5 Publikationen
Publikationen
  • 2015
    Titel L'animale politico. Agostino, Aristotele e altri mostri medievali.
    Typ Book Chapter
    Autor Briguglia G
  • 2013
    Titel Introduction to Immaginare il politico nel medioevo.
    Typ Journal Article
    Autor Briguglia G
  • 2013
    Titel La pace di Caco e il regno di Nembrot.
    Typ Journal Article
    Autor Briguglia G
  • 2013
    Titel Immaginare il politico nel medioevo.
    Typ Journal Article
    Autor Briguglia G
  • 2015
    Titel Truth, Error, Authority: Notes on Godefrey of Fontaines, John of Paris, Giles of Rome, Marsilius of Padua, Guido Terreni.
    Typ Book Chapter
    Autor A. Fidora (Ed. By)

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