Emotionen und die Entstehung kolonialer Mentalitäten
Emotion and the Formation of Colonial Mentalities
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (25%); Psychologie (25%); Sprach- und Literaturwissenschaften (50%)
Keywords
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Travel literature,
Naval exploration,
Cognitive psychology,
Imperial mentalities,
Study of emotion,
Age of Enlightenment
Dieses Projekt untersucht die Rolle der Emotionen in der Darstellung transkultureller Beziehungen während der Aufbauzeit der Europäischen Imperialmächte. Die Analyse von Darstellungen kultureller Differenz in wissenschaftlichen und imaginären Berichten, welche über die Entdeckungsreisen des achtzehnten und neunzehnten Jahrhunderts publiziert wurden, beleuchtet die Bedrohungen für das Identitätsgefühl durch diese expansorischen Bestrebungen. Indem dieses Forschungsprojekt die Emotionen als entscheidenden aber bis jetzt immer noch ungenügend verstandenen Faktor in der Entwicklung von kulturellen Hierarchien behandelt, befasst es sich mit einer wichtigen Lücke in der neuesten Forschung. Es sollen Methoden der kognitiven Psychologie auf die Untersuchung von emotionalen Konflikten in frühen Beschreibungen interkultureller Begegnungen angewendet werden. Die Interpretation einer breiten Palette literarischer und nichtliterarischer Texte soll erklären, wie die Entdecker des Zeitalters der Aufklärung mit den widersprüchlichen Gefühlen fertig wurden, die durch kulturelle Andersartigkeit ausgelöst wurden. Eine kognitive Studie der historischen Quellen untersucht die unbewussten Denkprozesse hinter der Entstehung einer protokolonialen Mentalität, um die Rolle von Seereiseberichten als Instrumente der kolonialen Propaganda zu erklären. Im Rahmen des Projekts ist die Publikation einer Monographie durch die Hauptantragstellerin und die Herausgabe eines Sammelbandes der beiden Antragstellerinnen vorgesehen. Gemeinsam wollen sie außerdem eine Forschungsgruppe für Graduierte und MitarbeiterInnen der Universität Wien organisieren mit dem Titel "Writing Emotion - Writing Cultural Difference". Zusätzlich zur Diskussion des neuesten Forschungsstandes soll diese Initiative insbesondere den NachwuchsforscherInnen die Gelegenheit zur Besprechung ihrer schriftlichen Arbeiten bieten, um sie mit den Konventionen des Publizierens vertraut zu machen. Die Eingliederung dieses Projektes in zwei kooperierende, internationale Netzwerke zur Erforschung der Emotionen (das Exzellenzcluster "Languages of Emotion" an der Freien Universität Berlin einerseits und das Australische "Centre for the History of Emotions" an der University of Western Australia und an der University of Queensland, andererseits) schafft ein ideales Umfeld zur Entwicklung neuer Methoden in der Emotionsforschung. Diese sollen vorgetragen werden auf zwei wichtigen Konferenzen des "History of Emotions" Netzwerkes (University of Western Australia, Perth, Juni 2011, und University of Queensland, Brisbane, Juli 2011) und sie sollen weiterentwickelt werden bei einer von den Antragstellerinnen organisierten Konferenz an der Universität Wien im Juli 2012. Die intensive Kooperation mit internationalen Spitzenforschern in der Emotionsdarstellung wird die Forschungsvielfalt der Universität Wien bereichern und dadurch einen wichtigen Beitrag zur österreichischen Forschung in der Literatur- und Kulturgeschichte leisten.
- Universität Wien - 100%