Wissenschaftsdisziplinen
Chemie (34%); Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (33%); Physik, Astronomie (33%)
Keywords
Metals in Medicine,
Ruthenium Anticancer Complexes,
Quantum Chemical Calculations
Abstract
Platin(II)-Komplexe gehören mit einem Jahresumsatz von mehr als 2 Milliarden Euro zu den wichtigsten
Medikamenten gegen Krebs. Die Suche nach neuen Wirkstoffen auf der Basis von Komplexen anderer Metallionen
verläuft ebenfalls viel versprechend. Zwei Ruthenium(III)-Komplexe, NAMI-A and KP1019, werden bereits
klinisch getestet. Ziel dieses Forschungsvorhabens ist es, mithilfe quantenchemischer Methoden wichtige Aspekte
der Chemie der Ruthenium(III)-Komplexe zu untersuchen, um tiefere Einblicke in den Wirkungsmechanismus zu
erhalten. Im ersten Jahr stehen zwei zentrale Themen im Mittelpunkt: 1. Vorhersage und Analyse von
Redoxpotentialen. Man geht davon aus, dass Ruthenium(III)-Komplexe durch Reduktion zu ihren Ru(II)-Analoga
aktiviert werden. Weil das Redoxpotential für die pharmakologische Aktivität der Komplexe entscheidend ist,
könnte die computerchemische Vorhersage von Redoxpotentialen zum rationalen Design neuer Wirkstoffe
beitragen. 2. Kontrolle der Reaktionen der Metallierung von Biomolekülen. Durch Hydrolyse der Ru-Chlorido-
Bindungen bilden sich Aquakomplexe, die mit unterschiedlichen Biomolekülen wie DNA und Proteinen reagieren
können. Wir berechnen die Übergangszustände für mögliche konkurrierende Reaktionen und bewerten aufgrund der
Aktivierungsbarrieren ihre pharmakologische Relevanz. Insbesondere werden wir die Kontrolle der
Aktivierungsbarrieren durch (i) die Oxidationsstufe des Metalls, (ii) den Hydrolysezustand, (iii) den
Protonierungszustand, sowie (iv) axiale Liganden der Komplexe systematisch untersuchen. Unser langfristiges Ziel
ist ein Beitrag der Quantenchemie zur Entwicklung neuer Medikamente.