Effekte von Sexualhormonen auf Serotoninsynthese und Serotoninabbau
Effects of sex hormones on serotonin synthesis and degradation
Wissenschaftsdisziplinen
Klinische Medizin (100%)
Keywords
-
Positron Emission Tomography,
Transsexuality,
Cross-sex hormone therapy,
Serotonin synthesis,
Serotonin degradation
Hintergrund Geschlechtshormone wie Östradiol und Testosteron beeinflussen das menschliche Gehirn und sind eng mit neuropsychiatrischen Erkrankungen wie der Depression und Angsterkrankungen assoziiert. Mittels molekularer Bildgebung des lebenden menschlichen Gehirns konnten wir bereits einen starken Hormoneinfluss auf die Expression serotonerger Schlüsselelemente, wie den Serotoninrezeptoren und dem Serotonintransporter nachweisen. Obwohl Tierstudien auf einen starken modulierenden Einfluss auch auf die Synthese und den Abbau von Serotonin hinweisen, gibt es bislang keine Humanstudien, die diesen Hormoneffekt untersuchen. Ziel der Studie Das Ziel dieser Studie ist es, den modulatorischen Einfluss von Geschlechtshormonen auf das Serotoninsystem über die Analyse der Serotoninsynthese und den Serotoninabbau mittels Positronen-Emissions-Tomographie (PET) und den Radioliganden [11C]AMT und [11C]harmine nachzuweisen. Studiendesign In dieser Studie werden bei transsexuellen Menschen vier PET- und zwei Magnetresonanztomographie (MRT) Messungen durchgeführt: 1. Eine [11C]AMT PET, eine [11C]harmine PET, sowie eine MRT-Messung vor Beginn der Hormonbehandlung, als auch 2. eine [11C]AMT PET, eine [11C]harmine PET und eine MRT-Messung nach viermonatiger Hormonbehandlung. Die Studiendauer ist auf 36 Monate angesetzt. Materialien und Methoden PET-Messungen werden mittels eines GE Advance PET-Scanners durchgeführt. Um den gegenseitigen Einfluss zwischen Serotoninaktivität, Hirnfunktion und Hirnmorphologie zu untersuchen, sind vier MRT-Sequenzen zur Messung der Hirnstruktur und Funktion, sowie des zerebralen Blutflusses vorgesehen. MRT-Messungen werden mittels eines 3 Tesla Scanners mit hoher räumlicher und zeitlicher Auflösung durchgeführt. Studienpopulation 20 gesunde Frau-zu-Mann (FzM), 20 gesunde Mann-zu-Frau (MzF) Transsexuelle (Alter zwischen 18 und 50) vor Beginn ihrer Hormontherapie, sowie 40 Kontrollprobanden, welche im Alter, genetischen Geschlecht und Ausbildungsgrad mit der Gruppe der Transsexuellen vergleichbar sind. Relevanz und Implikationen der Studie Diese Studie stellt die erste Bildgebungsstudie dar, die den Einfluss einer gegengeschlechtlichen Hormontherapie auf die Serotoninsynthese und den Serotoninabbau im lebenden menschlichen Gehirn mittels PET untersucht. Die Studie wird zu einer umfassenden Theorie über den Einfluss von Geschlechtshormonen auf das Serotoninsystem beitragen. Resultate dieser Studie werden zu einem besseren Verständnis von Geschlechtsunterschieden von psychiatrischen Erkrankungen führen und damit einen Beitrag zu einer personalisierten Medizin, der Reduktion von Leid, von Arbeitsunfähigkeit und von Kosten für die Gesellschaft leisten.
Wie wirken Sexualhormone auf das menschliche Gehirn? Intensive Forschungsbemühungen haben gezeigt, dass Sexualhormone wie Östradiol und Testosteron an zahlreichen Funktionen des Gehirns beteiligt sind, und in Zusammenhang mit geschlechtsspezifischen Unterschieden bei der Gehirnentwicklung, bestimmten kognitiven Fähigkeiten sowie in der Häufigkeit verschiedener neuropsychiatrischer Erkrankungen wie Depressionen und Angststörungen stehen. Wesentliche Mechanismen betreffen die Interaktion zwischen Sexualhormonen und verschiedenen Neurotransmitter-Systemen, wie beispielsweise Serotonin. Um neue Erkenntnisse auf dem Gebiet der Psychoneuroendokrinologie zu gewinnen und zu einem besseren Verständnis über die Interaktionen zwischen Sexualhormonen und dem Gehirn beizutragen, wurden Transgender-Personen, die eine geschlechtsangleichende Hormontherapie (GHT) anstrebten, in diese Studie aufgenommen. Hierbei sollte untersucht werden, wie Sexualhormone das menschliche Gehirn beeinflussen. Im Genaueren kamen verschiedene bildgebende Untersuchungsmethoden des Gehirns zur Anwendung, darunter die Positronenemissionstomographie (PET), die Magnetresonanztomographie (MRT) sowie die Magnetresonanzspektroskopie (MRS). Das Ziel dieser Studie war, den Einfluss der GHT auf den Serotoninabbau (Serotonin ist ein wesentlicher modulatorischen Neurotransmitter), die Gehirnstruktur sowie verschiedene Hirnfunktionen zu untersuchen. Zudem sollte die Wirkung der GHT auf andere Neurotransmitter-Systeme erforscht werden, darunter die Gamma-Amino-Buttersäure (GABA), dem wichtigstes hemmenden Neurotransmitter des Gehirns, sowie Glutamat, das vor allem exzitatorische Funktionen im Gehirn ausübt. Die Untersuchungen wurden bei Transgender-Personen vor und nach der GHT über durchschnittlich 4,5 Monate durchgeführt. Nicht-Transgender-Personen, welche ebenso in die Studie als Kontrollgruppe eingeschlossen wurden, unterzogen sich ebenfalls zwei PET- und zwei MRT-Scans im Längsschnittdesign, ohne jedoch zwischen den bildgebenden Untersuchungen irgendeine Art von Therapie zu erhalten. Die Studie zeigte, dass die Behandlung mit Testosteron in gewissen Hirnregionen zu einer Verringerung der Expression von Monoaminoxidase A (MAO-A) führte. MAO-A ist an zentraler Stelle am Abbau von Serotonin beteiligt und stellt ein wichtiges Protein für bestimmte Antidepressiva dar. Darüber hinaus konnte festgestellt werden, dass sowohl die Behandlung mit Testosteron als auch mit Östrogen zu mikrostrukturellen und volumetrischen Veränderungen in mehreren Hirnregionen geführt hatte. Interessanterweise lösten sowohl Testosteron als auch Östrogen, zumindest in ausgewählten Hirnregionen, ähnliche strukturelle Veränderungen aus. Darüber hinaus zeigten Daten mit Magnetresonanzspektroskopie testosteroninduzierte neuroplastische Veränderungen des Hippocampus, einer Hirnregion, die für Gedächtnisfunktionen essenziell ist. Außerdem wurden in der weiblichen Insula im Vergleich zur männlichen Insula erhöhte GABA-Werte festgestellt. Die Insula ist zentral an der Interozeption (also der Fähigkeit, innere Körperempfindungen wahrzunehmen) beteiligt. Die vorliegende Daten zeigten weiters Veränderungen in den Konnektivitätsmustern zwischen der Insula und anderen Hirnregionen nach einer Östrogenbehandlung im Rahmen der GHT. Die im Zuge dieser Studie gewonnenen funktionellen MRT-Daten wiesen außerdem darauf hin, dass sich das sexuelle Interesse bei Transgender-Personen unter einer GHT verändern kann. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die vorliegende Studie einen signifikanten Einfluss von Sexualhormonen im Rahmen der GHT auf die Struktur und Funktion des Gehirns aufgezeigt hat, der sich zum Teil in Verhaltensdaten widerspiegelt und wertvolle Erkenntnisse darüber liefert, wie exogen verabreichte Sexualhormone mit verschiedenen Neurotransmitter-Systemen interagieren.
Research Output
- 513 Zitationen
- 27 Publikationen
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2023
Titel The influence of sex steroid treatment on insular connectivity in gender dysphoria DOI 10.1016/j.psyneuen.2023.106336 Typ Journal Article Autor Reed M Journal Psychoneuroendocrinology Seiten 106336 Link Publikation -
2022
Titel Simultaneous radiomethylation of [11C]harmine and [11C]DASB and kinetic modeling approach for serotonergic brain imaging in the same individual DOI 10.1038/s41598-022-06906-0 Typ Journal Article Autor Vraka C Journal Scientific Reports Seiten 3283 Link Publikation -
2022
Titel Effect of MAOA DNA methylation on human in vivo protein expression measured by [11C]harmine PET in healthy and depressed individuals DOI 10.1101/2022.03.29.22273110 Typ Preprint Autor Handschuh P Seiten 2022.03.29.22273110 Link Publikation -
2023
Titel The influence of season on glutamate and GABA levels in the healthy human brain investigated by magnetic resonance spectroscopy imaging DOI 10.1002/hbm.26236 Typ Journal Article Autor Spurny-Dworak B Journal Human Brain Mapping Seiten 2654-2663 Link Publikation -
2024
Titel Connecting the Dots: Approaching a Standardized Nomenclature for Molecular Connectivity Combining Data and Literature DOI 10.1101/2024.05.10.593490 Typ Preprint Autor Reed M Seiten 2024.05.10.593490 Link Publikation -
2023
Titel Changes to hypothalamic volume and associated subunits during gender-affirming hormone therapy DOI 10.1503/jpn.230017 Typ Journal Article Autor Konadu M Journal Journal of Psychiatry and Neuroscience Link Publikation -
2024
Titel Gender Dysphoria and Sexual Euphoria: A Bayesian Perspective on the Influence of Gender-Affirming Hormone Therapy on Sexual Arousal DOI 10.1007/s10508-023-02778-1 Typ Journal Article Autor Klöbl M Journal Archives of Sexual Behavior Seiten 1859-1871 Link Publikation -
2022
Titel ABCB1 variants and sex affect serotonin transporter occupancy in the brain DOI 10.1038/s41380-022-01733-1 Typ Journal Article Autor Silberbauer L Journal Molecular Psychiatry Seiten 4502-4509 Link Publikation -
2021
Titel The Neuroanatomy of Transgender Identity: Mega-Analytic Findings From the ENIGMA Transgender Persons Working Group DOI 10.1016/j.jsxm.2021.03.079 Typ Journal Article Autor Mueller S Journal The Journal of Sexual Medicine Seiten 1122-1129 Link Publikation -
2022
Titel Effects of sex hormones on brain GABA and glutamate levels in a cis- and transgender cohort DOI 10.1016/j.psyneuen.2022.105683 Typ Journal Article Autor Spurny-Dworak B Journal Psychoneuroendocrinology Seiten 105683 Link Publikation -
2022
Titel The influence of sex steroid treatment on insular connectivity in gender dysphoria DOI 10.1101/2022.01.21.22269471 Typ Preprint Autor Reed M Seiten 2022.01.21.22269471 Link Publikation -
2022
Titel Changes to hypothalamic volume and associated subfields during gender-affirming hormone treatment in gender dysphoria DOI 10.1101/2022.02.02.22270319 Typ Preprint Autor Konadu M Seiten 2022.02.02.22270319 Link Publikation -
2022
Titel Effect of MAOA DNA Methylation on Human in Vivo Protein Expression Measured by [11C]harmine Positron Emission Tomography DOI 10.1093/ijnp/pyac085 Typ Journal Article Autor Handschuh P Journal International Journal of Neuropsychopharmacology Seiten 116-124 Link Publikation -
2025
Titel Summer and SERT: Effect of daily sunshine hours on SLC6A4 promoter methylation in seasonal affective disorder DOI 10.1080/15622975.2025.2477463 Typ Journal Article Autor Handschuh P Journal The World Journal of Biological Psychiatry Seiten 159-169 Link Publikation -
2019
Titel Association of norepinephrine transporter methylation with in vivo NET expression and hyperactivity–impulsivity symptoms in ADHD measured with PET DOI 10.1038/s41380-019-0461-x Typ Journal Article Autor Sigurdardottir H Journal Molecular Psychiatry Seiten 1009-1018 Link Publikation -
2019
Titel Man-made microbial resistances in built environments DOI 10.1038/s41467-019-08864-0 Typ Journal Article Autor Mahnert A Journal Nature Communications Seiten 968 Link Publikation -
2021
Titel Gender dysphoria and sexual euphoria – A Bayesian perspective on the influence of gender-affirming hormone therapy on sexual arousal DOI 10.1101/2021.11.22.21266679 Typ Preprint Autor Klöbl M Seiten 2021.11.22.21266679 Link Publikation -
2021
Titel High-dose testosterone treatment reduces monoamine oxidase A levels in the human brain: A preliminary report DOI 10.1016/j.psyneuen.2021.105381 Typ Journal Article Autor Kranz G Journal Psychoneuroendocrinology Seiten 105381 Link Publikation -
2021
Titel Effects of sex hormones on brain GABA and glutamate levels in a cis- and transgender cohort DOI 10.1101/2021.10.20.21265242 Typ Preprint Autor Spurny-Dworak B Seiten 2021.10.20.21265242 Link Publikation -
2022
Titel Effects of gender-affirming hormone therapy on gray matter density, microstructure and monoamine oxidase A levels in transgender subjects DOI 10.1101/2022.04.29.22274480 Typ Preprint Autor Handschuh P Seiten 2022.04.29.22274480 Link Publikation -
2019
Titel The effect of electroconvulsive therapy on cerebral monoamine oxidase A expression in treatment-resistant depression investigated using positron emission tomography DOI 10.1016/j.brs.2018.12.976 Typ Journal Article Autor Baldinger-Melich P Journal Brain Stimulation Seiten 714-723 Link Publikation -
2019
Titel Sex Matters: A Multivariate Pattern Analysis of Sex- and Gender-Related Neuroanatomical Differences in Cis- and Transgender Individuals Using Structural Magnetic Resonance Imaging DOI 10.1093/cercor/bhz170 Typ Journal Article Autor Baldinger-Melich P Journal Cerebral Cortex Seiten 1345-1356 Link Publikation -
2018
Titel Parcellation of the Human Cerebral Cortex Based on Molecular Targets in the Serotonin System Quantified by Positron Emission Tomography In vivo DOI 10.1093/cercor/bhy249 Typ Journal Article Autor James G Journal Cerebral Cortex Seiten 372-382 Link Publikation -
2018
Titel Brain monoamine oxidase A in seasonal affective disorder and treatment with bright light therapy DOI 10.1038/s41398-018-0227-2 Typ Journal Article Autor Spies M Journal Translational Psychiatry Seiten 198 Link Publikation -
2020
Titel Chapter 11 Genetics of sex differences in neuroanatomy and function DOI 10.1016/b978-0-444-64123-6.00013-8 Typ Book Chapter Autor Sigurdardottir H Verlag Elsevier Seiten 179-193 -
2017
Titel Effects of sex hormone treatment on white matter microstructure in individuals with gender dysphoria DOI 10.1016/j.neuroimage.2017.02.027 Typ Journal Article Autor Kranz G Journal NeuroImage Seiten 60-67 -
2017
Titel Effects of testosterone treatment on hypothalamic neuroplasticity in female-to-male transgender individuals DOI 10.1007/s00429-017-1494-z Typ Journal Article Autor Kranz G Journal Brain Structure and Function Seiten 321-328 Link Publikation