Sphingosine-1-Phosphat als Biomarker für den Schweregrad von Nahrungsmittelallergien
Sphingosine-1-phosphate as a biomarker for disease severity of food adverse reaction
Wissenschaftsdisziplinen
Klinische Medizin (90%); Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (10%)
Keywords
-
Food allergy,
Double-blind placebo-controlled food challenge,
Sphingosine-1-phosphate,
Anaphylaxis,
Biomarker
Nahrungsmittelallergien stellen ein zunehmendes Gesundheitsproblem in industrialisierten Ländern dar und betreffen im Besonderen pädiatrische Patienten. Vor allem in dieser Altersgruppe können allergische Reaktionen auf Nahrungsbestandteile zu anaphylaktischen Reaktionen führen. Trotz intensiver Forschung, gibt es bis heute keine klinischen Marker, welche Schweregrad und Ausprägung der Symptomatik prognostizieren. Neueste Studien zeigten, dass bestimmte Sphingolipide, vor allem Sphingosin-1-Phosphat (S1P) eine entscheidende Rolle in der Allergie spielen. So wurde beschrieben, dass Asthmatiker nach Allergenprovokation erhöhte S1P Level in Bronchiallavagen aufwiesen. Experimentelle Daten beschrieben eine Korrelation von Serum S1P und dem Ausgang einer Anaphylaxie. Wir konnten in murinen Studien zeigen, dass die S1P Homöostase die Nahrungsmittelallergie- Entstehung und Effektorzell-Antwort beeinflusst. Daher ist es Ziel des vorliegenden Pilot-Projektes zu erforschen, ob S1P Serumtiter in nahrungsmittelallergischen Kindern verändert sind und ob die Höhe der S1P Spiegel mit dem Schweregrad der allergischen Reaktion während oraler Allergenprovokation korreliert.
Bestimmte Fette, die sogenannten Sphingolipide, sind nicht nur wichtige Bestandteile von Zellmembranen, sondern spielen auch eine große Rolle bei der Entstehung und dem weiteren Verlauf von immunologischen Erkrankungen wie Allergien. Vor allem das Sphingolipid Sphingosin-1-Phosphat (S1P) hat aufgrund seiner Immunzell-aktivierenden und Immunzell-anlockenden Wirkung einen großen Einfluss. Wir konnten kürzlich zeigen, dass S1P die Entstehung einer Nahrungsmittelallergie beeinflusst. Allerdings wurde gezeigt, dass S1P auch zu einer schnelleren Erholung aus einer schweren allergischen Reaktion, dem anaphylaktischen Schock, beiträgt. Basierend auf diesem Wissen haben wir im ersten Teil des Projektes Kinder mit vermuteter Nahrungsmittelallergie rekrutiert, die zur Diagnose einer Nahrungsmittelallergie oralen Provokationstests mit den möglichen Allergieauslösern unterzogen wurden. Im Blut dieser Kinder wurden die S1P-Spiegel gemessen und mit den beobachteten klinischen Beschwerden und mit bislang verwendeten Laborparametern für schwere allergische Reaktionen, Histamin und Tryptase, verglichen. Unsere Daten zeigten, dass bei Kindern, die nur leichtere Reaktionen nach Nahrungsmittelprovokationen zeigten, vor der Provokation mehr S1P im Blut vorhanden war, als bei Kindern mit einer Anaphylaxie. Dieser Zusammenhang konnte weder für Histamin noch für Tryptase vor der Provokation gezeigt werden. Somit könnte die Veränderung dieser Fette im Blut eine vielversprechende Möglichkeit darstellen, schwere allergische Reaktionen zu verhindern. Gleichzeitig konnten wir in Experimenten mit Darmschleimhaut-Zellen feststellen, dass durch die Einwirkung von S1P von den Zellen eine dichte Barriere gebildet wird. Das heißt, dass die Durchlässigkeit der Schleimhaut vermindert ist. Da gerade die Barriere-Funktion der Schleimhaut bei schweren allergischen Reaktionen vermindert ist, geben diese Ergebnisse einen Hinweis darauf, wie diese Fettbestandteile einer Anaphylaxie entgegen wirken können. Zusätzlich habe wir auch bei der genetisch bedingten Erkrankung zystische Fibrose, bei der im Erwachsenenalter nach Lungentransplantation vor allem der Magendarmtrakt von der Erkrankung stark betroffen ist, festgestellt, dass bei Patienten im Gegensatz zu gesunden Kontrollen die S1P Spiegel niedriger waren. Vor allem gastrointestinale Beschwerden wurden häufig bei Patienten mit niedrigeren S1P Spiegeln festgestellt. Somit zeigen unsere Untersuchungen deutlich, dass Veränderungen der S1P Blutspiegel bei immunologisch bedingten Erkrankungen wie Allergien und chronischen Entzündungen eine vielversprechende Therapieoption darstellen könnten, vor allem dann, wenn der Gastrointestinaltrakt betroffen ist.
- Thomas Eiwegger, Karl Landsteiner Priv.-Univ. , nationale:r Kooperationspartner:in
- Irene Steiner, Medizinische Universität Wien , nationale:r Kooperationspartner:in
- Martin Bilban, Medizinische Universität Wien , nationale:r Kooperationspartner:in
- Susanne Diesner, Medizinische Universität Wien , nationale:r Kooperationspartner:in
- Zsolt Szepfalusi, Medizinische Universität Wien , nationale:r Kooperationspartner:in
- Anton Hartmann, Helmholtz Zentrum München - Deutschland
- Carsten B. Schmidt-Weber, Technische Universität und Helmholtz Zentrum München - Deutschland
- Lars K. Poulsen, National University Hospital Copenhagen - Dänemark
- Ana Olivera, National Institute of Allergy and Infectious Diseases - Vereinigte Staaten von Amerika
- Juan Rivera, National Institutes of Health - Vereinigte Staaten von Amerika
Research Output
- 420 Zitationen
- 13 Publikationen
-
2021
Titel The Impact of Dietary Sphingolipids on Intestinal Microbiota and Gastrointestinal Immune Homeostasis DOI 10.3389/fimmu.2021.635704 Typ Journal Article Autor Rohrhofer J Journal Frontiers in Immunology Seiten 635704 Link Publikation -
2016
Titel A distinct microbiota composition is associated with protection from food allergy in an oral mouse immunization model DOI 10.1016/j.clim.2016.10.009 Typ Journal Article Autor Diesner S Journal Clinical Immunology Seiten 10-18 Link Publikation -
2015
Titel Acid suppression therapy and allergic reactions DOI 10.1007/s40629-015-0085-x Typ Journal Article Autor Untersmayr E Journal Allergo Journal International Seiten 303-311 Link Publikation -
2015
Titel Influence of microbiome and diet on immune responses in food allergy models DOI 10.1016/j.ddmod.2016.06.003 Typ Journal Article Autor Barcik W Journal Drug Discovery Today: Disease Models Seiten 71-80 Link Publikation -
2017
Titel Sex hormone allergy: clinical aspects, causes and therapeutic strategies – Update and secondary publication DOI 10.1186/s40413-017-0176-x Typ Journal Article Autor Untersmayr E Journal World Allergy Organization Journal Seiten 45 Link Publikation -
2017
Titel The Gut Microbiome and Its Marriage to the Immune System: Can We Change It All? DOI 10.1007/978-3-319-69968-4_10 Typ Book Chapter Autor Untersmayr E Verlag Springer Nature Seiten 191-208 -
2017
Titel Effect of a cocoa diet on the small intestine and gut-associated lymphoid tissue composition in an oral sensitization model in rats DOI 10.1016/j.jnutbio.2017.01.005 Typ Journal Article Autor Camps-Bossacoma M Journal The Journal of Nutritional Biochemistry Seiten 182-193 Link Publikation -
2020
Titel Linking cross-reactivity clusters of food and respiratory allergens in PAMD@ to asthma and duration of allergy DOI 10.1016/j.waojou.2020.100483 Typ Journal Article Autor Dezfouli S Journal World Allergy Organization Journal Seiten 100483 Link Publikation -
2015
Titel The influence of gastric digestion on the development of food allergy DOI 10.1016/j.reval.2015.09.004 Typ Journal Article Autor Untersmayr E Journal Revue Française d'Allergologie Seiten 444-447 Link Publikation -
2015
Titel Surgical Elimination of the Gastric Digestion by Roux-en-Y Gastric Bypass Impacts on Food Sensitisation—a Pilot Study DOI 10.1007/s11695-015-1689-4 Typ Journal Article Autor Shakeri-Leidenmühler S Journal Obesity Surgery Seiten 2268-2275 Link Publikation -
2018
Titel The role of gastrointestinal permeability in food allergy DOI 10.1016/j.anai.2018.05.010 Typ Journal Article Autor Samadi N Journal Annals of Allergy, Asthma & Immunology Seiten 168-173 Link Publikation -
2018
Titel Characterization of Vibrio cholerae neuraminidase as an immunomodulator for novel formulation of oral allergy immunotherapy DOI 10.1016/j.clim.2018.03.017 Typ Journal Article Autor Diesner S Journal Clinical Immunology Seiten 30-39 Link Publikation -
2018
Titel Stability of allergens DOI 10.1016/j.molimm.2018.03.017 Typ Journal Article Autor Pekar J Journal Molecular Immunology Seiten 14-20 Link Publikation