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Perspektivismus und Intertextualität in Vidyanandins Werken

Perspektivism and intertextuality in Vidyanandin´s works

Himal Trikha (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/J3880
  • Förderprogramm Erwin Schrödinger
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.10.2016
  • Projektende 29.02.2020
  • Bewilligungssumme 153.810 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Sprach- und Literaturwissenschaften (100%)

Keywords

    History of Indian philosophy, Sources of Jaina philosophy, Jaina studies, Elements of literary composition, Digambara philosophers, Epistemic Pluralism

Abstract Endbericht

Die philologische Erforschung der Philosophien Südasiens und ihrer Geschichte ist weitgehend auf die Erschließung hinduistischer und buddhistischer Quellen beschränkt. Die philosophische Literatur des Jinismus wird äußerst selten untersucht. Eine derart bescheidene Rolle spielt der Jinismus zwar heute auch im Konzert der Weltreligionen, sie steht aber in keinem Verhältnis zu der Bedeutung, die jinistischen Denk- und Lebensweisen in der Kultur- und Geistesgeschichte Südasiens zukam. Spätestens ab der Mitte des ersten Jahrtausends v.u.Z. traten die Jainas mit Vertretern anderer Weltentwürfe in eine Debatte um die religiöse Vorherrschaft ein, in welcher die Kontrahenten allmählich Vorstellungen und Gebräuche ihrer Rivalen in das eigene Weltbild integrierten. Auf dem Gebiet der Philo- sophie nimmt der stetige Austausch ab ca. dem 4. Jahrhundert u.Z. sehr deutlich fassbare Charakterzüge an, als die Jainas begannen sich des Sanskrit zu bedienen. Begriffe und Argumente, die den philosophischen Diskurs dominierten, wurden vor dem Hintergrund des jinistischen Weltbildes durchdacht und in Abhandlungen bewahrt, die im Laufe der Jahrhunderte zu einem Textkorpus von vielen hundert Sanskrit Werken angewachsen sind. Das vorliegende Projekt untersucht zwei Charakteristika des in diesem Korpus erhaltenen Diskurses. Argumentation eines Perspektivismus: Im Zuge der Debatte mit den Vertretern anderer philosophischer Traditionen entwickelten jinistische Gelehrte ein epistemologisches Modell, in dem zwei einander entgegen- gesetzte philosophische Positionen als unzureichende Perspektiven eingestuft werden können. Mit einer solchen Form des Perspektivismus denken Jainas die Überlegenheit der jinistischen Lehre gegenüber anderen nachweisen zu können. Die philologisch-historische Untersuchung dieses Erkenntnismodells klärt seine Voraussetzungen und stellt eine Grundlage bereit, um Vor- und Nachteile pluralistischer Erkenntnismodelle anhand eines detailliert ausgeführten historischen Beispiels zu erörtern. Intertextuelle Dichte: Jinistische Autoren haben in ihren Werken sehr häufig Argumentationsmuster verwendet, die auch in anderen Werken überliefert sind. Durch zahlreiche Zitate, Referate und andere Formen textlicher Parallelen sind die einzelnen Werke der philosophischen Sanskritliteratur der Jainas so- wohl miteinander als auch mit den Werken anderer philosophischer Traditionen Südasiens eng verknüpft. Die Identifizierung und Analyse dieser intertextuellen Elemente bringt Varianten zentraler Argumente ans Licht und erlaubt philologisch gestützte Hypothesen über die historische Entwicklung dieser Argumente sowie über die chronologische Relation der beteiligten Werke. Das Projekt untersucht diese beiden zentralen Chararakteristika der philosophischen Sanskritliterartur der Jainas auf der breiten Basis von zehn Werken Vidyanandins, eines namhaften Autors aus dem 10. Jahrhundert. Damit werden in diesem Projekt auch die ersten Schritte unternommen, um das umfangreiche Gesamtwerk eines angesehenen jinistischen Philosophien zu bewältigen und um zukünftige kritische Editionen einiger seiner Werke vorzubereiten.

Das Projekt war der Untersuchung eines perspektivistischen erkenntnistheoretischen Modells in den Sanskrit Werken des jinistischen Autors Vidynandin (10. Jh. unser Zeitrechnung) gewidmet sowie der Untersuchung von Textparallelen, die diese Werke untereinander und mit anderen Werken der philosophischen Sanskrit Literatur aufweisen. Das Projekt hatte drei Komponenten: (1) Sammlung von Informationen zu Werk und Biographie von Personen mit dem Namen "Vidynandin", (2) Sammlung und Untersuchung von perspektivistischen Theoremen in den anerkannten Werken des Autors aus dem 10. Jahrhundert und (3) Sammlung und Auswertung von intertextuellen Elementen in diesen Werken. Die gesammelten Informationen wurden auf zwei forschungsunterstützenden Webseiten öffentlich zugänglich gemacht, der Biobibliography of Digambara Philosophers (www.dipal.org/bbdp) und dem Digital Corpus of Vidynandin's Works (www.dipal.org/dcvw). Zu den wichtigsten Ergebnissen der Untersuchung dieser Daten im gegenständlichen Projekt gehört die Hypothese, dass die Rezeption der untersuchten Werke in drei Phasen verlief, die mit der Zeit der Abfassung im 10. Jh., der Zeit der zunehmenden Verehrung des Autors im 15./16. Jh und dem Einsetzen der Editionstätigkeit im 20. Jh. grob umrissen werden können. Die lebhafte Beschäftigung mit diesen Werken könnte schon früh zum Erliegen gekommen sein, weil laut dem Zeugnis vorliegender Manuskripte höchst eigenwillige Lesarten weit verbreiteter Jaina Texte ohne die Spur eines Kommentars in Vidynandins Werken erhalten sind. Die Untersuchung von Vidynandins erkenntnistheoretischem Modell bestätigte die Hypothese, dass dieses Modell nicht auf einer wahllosen Verschmelzung angeblich konsonanter Perspektiven beruht, sondern auf der Identifizierung irriger Standpunkte und der Konfrontation dissonanter Perspektiven. Im Verlauf des Projekts konzentrierte sich die Auswertung der intertextuellen Elemente auf Übereinstimmungen mit der Jaina Sanskrit und Prakrit Literatur. In der Analyse der textlichen Abhängigkeiten konnte gezeigt werden, dass neben dem Einfluss von Siddhasena Divkara, Samantabhadra und Akalaka Devanandin Pjyapda einen entscheidenden Einfluss auf Vidynandins Themenauswahl und Argumentationsstrategien hatte. Es kann davon ausgegangen werden, dass die Bedeutung der von Devanandin repräsentierten Tradition in der Forschungsgeschichte unterschätzt wurde und dass eine Untersuchung der Wirkung, die diese Tradition auf klassische Jaina Lehren gehabt hat, eine vielversprechende Forschungsagenda für die Zukunft darstellt.

Forschungsstätte(n)
  • Centre national de la recherche scientifique - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Piotr Balcerowicz, Uniwersytet Warszawski - Polen
  • Johannes Bronkhorst, University of Lausanne - Schweiz

Research Output

  • 2 Publikationen
  • 2 Datasets & Models
Publikationen
  • 2020
    Titel Eighty-four Lakh Yonis: The Jaina doctrine of 8.4 million embodiments; In: (Non) Violence in Jaina Philosophy, Literature and Art. Forthcoming 2020
    Typ Book Chapter
    Autor Trikha
  • 0
    Titel Six Prakrit Passages in Vidyānandin's Sanskrit Works
    Typ Journal Article
    Autor Trikha
    Journal Bulletin d'Études Indiennes. Forthcoming
Datasets & Models
  • 2016 Link
    Titel Digital Corpus of Vidyānandin's works
    Typ Data handling & control
    Öffentlich zugänglich
    Link Link
  • 2011 Link
    Titel Biobibliography of Digambara Philosophers
    Typ Database/Collection of data
    Öffentlich zugänglich
    Link Link

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