Kern vs. Detail: Prinzip kognitiver Geschlechtsunterschiede?
Gist vs. detail: The principle of cognitive sex differences?
Wissenschaftsdisziplinen
Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (75%); Psychologie (25%)
Keywords
-
Sex Differences,
Cognitive Strategy,
Sex Hormones,
Memory,
Menstrual Cycle,
Attention
Geschlechtsunterschiede in Verhalten und Leistung konnten in vielen klassischen Aufgaben auf die Verwendung unterschiedlicher Strategien zurückgeführt werden. Da diese Strategien zwischen den verschiedenen Aufgaben starke Gemeinsamkeiten aufweisen, glauben wir, dass ihnen ein gemeinsames Prinzip zugrunde liegt: Kern vs. Detail. In allen Aufgaben scheinen Männer sich stärker auf globale Aspekte der Stimuli zu konzentrieren, welche ihnen helfen einen Überblick über die jeweilige Situation zu erhalten. Frauen hingegen konzentrieren sich auf lokale Aspekte der Stimuli, so dass sie sich sehr spezifisch und detailreich an Situationen erinnern können. Männer verwenden z.B. einen so genannten "Gestalt"-Ansatz in räumlichen Aufgaben, konzentrieren sich auf weiter entfernte Landmarken in Navigationsaufgaben und beachten die spezifische Identität von Objekten nicht, wenn sie deren Ort bestimmen sollen. Frauen hingegen scheinen auch in räumlichen Aufgaben Verbalisierungsstrategien zu verwenden, konzentrieren sich in Navigations-aufgaben auf lokale Landmarken, verwenden aber sehr elaborierte Erinnerungstechniken in Gedächtnisaufgaben. Das Kern vs. Detail - Prinzip wurde zuerst von Larry Cahill für emotionale Gedächtnisaufgaben vorgeschlagen. In meiner Dissertation konnte ich dieses jedoch auch in einer Zahlenvergleichsaufgabe wieder finden. Im vorgeschlagenen Forschungsprojekt wollen wir daher untersuchen, ob das genannte Prinzip tatsächlich auf verschiedene Aufgaben anwendbar ist. Wir werden dazu vier klassische Aufgaben modifizieren, welche robuste Geschlechtsunterschiede zeigen (je zwei mit besserer Leistung bei Männern und Frauen): Mentale Rotation, virtuelle Navigation, Worterkennung und Gesichtserkennung. Wir erzeugen verschiedene Aufgabenkategorien, indem wir globale und lokale Aspekte der Aufgaben variieren. Mittels Eye-tracking und fMRT wollen wir zeigen, dass die Verhaltensunterschiede in Reaktionszeiten und Fehlerrate mit unterschiedlicher Fokussierung der Aufmerksamkeit und unterschiedlicher neuronaler Verarbeitung einhergehen. Wir erwarten das in allen Aufgaben, die Leistung der Frauen mit der Reduktion lokaler Stimulusaspekte abnimmt, während die Leistung der Männer mit der Reduktion globaler Stimulusaspekte abnehmen sollte. Frauen sollten Details länger betrachten, Männer die Stimuli als Ganzes. Außerdem erwarten wir, dass die Gehirn-aktivierung bei Frauen stärker in der linken Hemisphäre konzentriert ist, in welcher lokale Stimulusaspekte verarbeitet werden, bei Männern hingegen mehr in der rechten Hemisphäre, in welche globale Stimulusaspekte verarbeitet werden. Da diese Unterschiede in der Strategienwahl durch Veränderungen in der Konzentration verschiedener Geschlechtshormone moduliert werden könnten, wollen wir nur Frauen testen, welche keine hormonellen Verhütungsmittel verwenden, deren hormonellen Status erheben und die Konzentration der Geschlechtshormone aus Speichelproben messen.
Research Output
- 67 Zitationen
- 2 Publikationen
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2015
Titel Interactive effects of culture and sex hormones on the sex role self-concept DOI 10.3389/fnins.2015.00240 Typ Journal Article Autor Pletzer B Journal Frontiers in Neuroscience Seiten 240 Link Publikation -
2014
Titel Switching between forest and trees: Opposite relationship of progesterone and testosterone to global–local processing DOI 10.1016/j.yhbeh.2014.05.004 Typ Journal Article Autor Pletzer B Journal Hormones and Behavior Seiten 257-266 Link Publikation