Das Gespenst in der französischen Literatur (1975-2005)
The Ghost in Contemporary french Narrative (1975-2005)
Wissenschaftsdisziplinen
Sprach- und Literaturwissenschaften (100%)
Keywords
-
French literature,
20th-C,
21st-C,
Ghosts/Spectral Figures,
Literary Fiction,
History,
Identity
In französischen Erzähltexten der vergangenen drei Jahrzehnte wimmelt es von bedeutungsvollen Gespenstern. Zeitgenössische französische Autorinnen und Autoren sind geradezu besessen von spektralen Figuren - von Geist, Phantom und Apparition, revenant, Doppelgänger und quasi-religiösem Zombie. Diese Geisterfiguren finden sich bei einer erstaunlichen Anzahl von Autorinnen und Autoren, die ansonsten in ihrem Stil wie in ihren Anliegen völlig unterschiedlich sind und bilden so ein wahres Paradigma. Das vorliegende Projekt verfolgt zwei unterschiedliche, aber miteinander verbundene Fragestellungen, um dieses interessante Phänomen, das von der Kritik bisher kaum beachtet wurde, zu erklären. Die erste Fragestellung wird die Funktion des Geistes in Bezug auf die obsessive Repräsentation der Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts (die Traumata der Weltkriege, die Dekolonisation, der Fall des Kommunismus) in der zeitgenössischen französischen Literatur untersuchen. Die Hypothese lautet, dass literarische Manifestationen des Gespenstes grundlegende Fragen aus der Vergangenheit aufwerfen, die nie entsprechend gelöst oder verarbeitet wurden. Die zweite Fragestellung wird sich mit einem weiteren gemeinsamen Anliegen des untersuchten Textcorpus beschäftigen, nämlich mit dem Schreiben von Identität und der Definition des Ichs. Hier wird die Funktion des Gespenstes in Bezug auf persönliche Lebenssituationen (moderne Arbeitsbedingungen, der Tod eines geliebte Menschen, Krankheit) wie auf historische Ereignisse und Entwicklungen beleuchtet.
- Université Jean Monet - 100%
- Universität Wien - 10%