Die Konstruktion der Halswirbelsäule bei Vögel ist anatomisch gesehen ein sehr komplexes System. Es enthält 12
(manche Finken) bis 24 (Schwan) Halswirbel, welche von einer großen Anzahl an Muskeln (z.B. mehr als 200
beim Huhn) bewegt werden. Der Hals ermöglicht eine Vielzahl von Positionierungen des Kopfes bei Verhalten wie
Nahrungsaufnahme, Orientierung, Putzen, Signalverhalten usw. (Zweers et al., 1994; Bout, 1997). Aus
kinematischer Sicht ist die Anzahl der an den Bewegungen beteiligten Halswirbel größer als nötig. Man kann den
Vogelhals als kinematisch redundante Struktur bezeichnen, welche viel mehr Freiheitsgrade besitzt, als zum
Orientieren und Positionieren notwendig sind. Dieser Umstand ist von besonderer Bedeutung, wenn es um die
Untersuchung von Bewegungsstrategien und Koordination geht. Kinematisch gesehen wird die Positionierung des
Kopfes nicht von einer einzigen vorbestimmten Halsstellung bedingt. Dieses Projekt beschäftigt sich mit dem
Anwenden von Energieminimierungs-Modellen hinsichtlich der ausgeführten Bewegungen. Als
Untersuchungsobjekte dienen Huhn (Gallus domesticus) und Ente (Anas platyrhynchos). Die dabei durchgeführten
Röntgenfilmaufnahmen ermöglichen direkte Messungen der Gelenkswinkel während der verschiedenen
Halsbewegungen. Ein in Leiden entwickeltes Rechenmodell, welches die Netto- Energiekosten solcher
Halsbewegungen berechnet, soll hier zum Einsatz gebracht werden. Ziel des Projektes ist es, von einer Vielzahl an
Bewegungen Daten zu sammeln, um dieses Modell der Energieoptimierung zu testen.