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Russische Unternehmenskommunikation: Eine Diskursanalyse

Russian Corporate Communication: A Discourse Analysis

Renate Rathmayr (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/I771
  • Förderprogramm Einzelprojekte International
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.10.2011
  • Projektende 31.03.2015
  • Bewilligungssumme 239.746 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Sprach- und Literaturwissenschaften (80%); Wirtschaftswissenschaften (20%)

Keywords

    Corporate Communication, Organizational Studies, Discourse Analysis, Business Communication, Russia

Abstract Endbericht

Das Joint Project ist eine empirische Studie zur russischen Unternehmenskommunikation, die das Thema in einer diskursanalytischen Perspektive und in enger Zusammenarbeit zwischen russischen und österreichischen angewandten LinguistInnen, KulturwissenschaftlerInnen und einer Organisationsforscherin untersucht. Die Forschung beruht ausschließlich auf empirischen Daten aus dem realen Business-Alltag (Feldforschung, Aufzeichnungen verbaler Interaktionen, Unternehmensdokumente und Medientexte). Sie wird in enger Zusammenarbeit mit einer russischen Partnerin, Frau Univ.Prof.Dr. Tatiana Milekhina, Professorin am Institut für Philologie und Journalismus der Fakultät für Russische Sprache und Mündliche Kommunikation der Universität Saratov durchgeführt. Frau Prof. Milekhina ist eine ausgewiesene Expertin in der Anwendung empirischer soziolinguistischer Methoden auf das Forschungsfeld "Unternehmenskommunikation" und führt ein Saratover Team von SoziolinguistInnen an. Der innovative Faktor des geplanten Forschungsunternehmens im Vergleich zu bisheriger einschlägiger Forschung ist sein Fokus auf die Interaktion von Sprache (inkl. visueller semiotischer Systeme und Artefakte) und Machtstrukturen in der Unternehmenskommunikation sowie die Einbettung der letzteren in einen weiteren sozialen und politischen Kontext. Ausgehend vom methodologischen Paradigma der Critical Discourse Analysis (Chouliaraki/ Fairclough, Wodak u.a.), soll die Forschung unter Rekurs auf kritische Organisations- und Managementtheorien auch den essentiell machtstrukturierten Charakter von Unternehmenskommunikation thematisieren. Forschung zur Unternehmenskommunikation aus diesem Blickwinkel verschiebt - nicht zuletzt unter dem Einfluss der Geschlechtertheorie - den Fokus von der Erforschung von "Organisationen" zur Erforschung des "Organisierens" als "Handelns" in einem konkreten Kontext (Townley). Soziale und Geschlechterhierarchien werden dabei von zentralem Interesse sein. Angesichts seines interdisziplinären Vorgehens wird das Projekt auch die Erkundung eines Ausschnitts der aktuellen russischen Wirklichkeit darstellen, die unter Präsident Medvedev vorsichtige Anzeichen von Wandel und "Modernisierung" erkennen lässt - ein Schlüsselwort in Präsident Medvedevs jüngsten öffentlichen Auftritten. Wir gehen davon aus, dass die "Vertikale der Macht", die von Präsident Putin und seinem Team installiert wurde und noch immer wirksam ist, der hohe Grad der Verflechtung von Politik, Geschäft und Medien, sowie die Rolle, welche die Bürokratie in einer solchen Konstellation bei der Gründung und der alltäglichen Organisation von Unternehmen spielt, ihren Niederschlag in der Kommunikation von und in Unternehmen finden. Das Joint Project soll diese Hypothese verifizieren - oder falsifizieren - und mögliche Effekte dieser Tendenzen in der russischen Unternehmenskommunikation auffinden und erklären. Es wird daher nicht nur für LinguistInnen und SlawistInnen, sondern auch für SozialwissenschaftlerInnen und KollegInnen aus anderen Bereichen der Russian Studies von Interesse sein.

Hierzulande denkt man im Zusammenhang mit dem russischen Business sogleich an den hohen Verflechtungsgrad von Politik, Großunternehmertum, Medien und dem Beamtenapparat, an Veruntreuung von öffentlichem Eigentum und Vetternwirtschaft bei der Verteilung von finanziell einträglichen Positionen, was zu einem gewissen Grad auch auf einseitige Berichterstattung in den Medien zurückzuführen ist. Doch gibt es auch in Russland den ganz normalen Geschäftsalltag, und dieser stand im Fokus des gegenständlichen Projekts.Das FWF-RFBR Joint Project des Instituts für Slawische Sprachen der WU (Projektleiterin Univ.Prof. Dr. Renate Rathmayr) und des Department of Russian Language and Oral Communication der Saratov State University (Projektleitung Univ.Prof. Dr. Tatiana A. Milekhina) stellte eine interdisziplinäre empirische Untersuchung der russischen Unternehmenskommunikation aus diskursanalytischer Perspektive dar. In enger Zusammenarbeit russischer und österreichischer ForscherInnen aus den Disziplinen Angewandte Linguistik, Kulturwissenschaft, Organisationsforschung und Soziologie und gestützt auf empirische Daten aus dem realen Geschäftsleben (Aufzeichnungen von verbaler Geschäftskommunikation, Firmendokumenten wie z.B. Mission Statements, Medienberichten und Interviews mit Geschäftsleuten und ExpertInnen) wurde die russische Unternehmenskommunikation in ihrem soziokulturellen und ihrem Organisationskontext erforscht.Für das österreichische Team bedeutete die Datenbeschaffung ausgedehnte Reisen nach Russland, aufwendige Kontaktanbahnungsphasen im Vorfeld, um Zutritt zu den Unternehmen sowie das Vertrauen und die Unterstützung des Managements vor Ort zu erhalten. Eine Reihe von Fragestellungen konnte allerdings auch via Internet beantwortet werden (auch Online-Medien, Websites und diverse Soziale Medien wie facebook und vkontakte dienten als Datenmaterial).Im Zentrum der gemeinsamen Forschung standen neue Entwicklungen in der verbalen und nonverbalen Geschäftskommunikation (z.B. Firmen-Kunden-Interaktion, neue Formen von Besprechungen, Unternehmens-Websites, Produktnamen, Dress-Codes etc.). Den Rahmen für diese Analysen schufen Beiträge zum ökonomischen und soziokulturellen Kontext (z.B. die Geschichte des russischen Business nach 1991, die Beziehungen von Business und Staat, Fragen der Business-Etikette, des Sprachmanagements, terminologische Entwicklungen).Die Ergebnisse liegen als Buchmanuskript in russischer Sprache vor und sollen 2015 beim Verlag Yazyki slavyanskoi kultury erscheinen. Die Publikationszusage des Verlages liegt vor. Das Zielpublikum sind LinguistInnen, SlawistInnen, Sozial- und OrganisationsforscherInnen, ÖkonomInnen und natürlich Geschäftsleute.

Forschungsstätte(n)
  • Wirtschaftsuniversität Wien - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Tatiana A. Milekhina, Saratov State University - Russland

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