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Neue Rechenparadigmen für memristische Architekturen

Novel computational paradigms for memristive architectures

Robert Legenstein (ORCID: 0000-0002-8724-5507)
  • Grant-DOI 10.55776/I753
  • Förderprogramm International - Multilaterale Initiativen
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.09.2011
  • Projektende 31.08.2015
  • Bewilligungssumme 196.035 €

Wissenschaftsdisziplinen

Informatik (100%)

Keywords

    Self-Organization, Neural Networks, STDP, Neuromorphic Engineering, Memristor, Artificial Cognition

Abstract Endbericht

Ziel des Kooperationsprojekts: Ziel dieses Projektes ist die Entwicklung von neuromorphischer Hardware mit Memristor-basierten synaptischen Elementen welche in der Lage sind, aus sensorischen Stimuli zu lernen um die eigene Funktion zu adaptieren. Das Projekt integriert hierfür neueste Entwicklungen von fünf führenden europäischen Instituten in den Bereichen Neurowissenschaften, Nanotechnologie, Modellierung und Schaltkreisdesign. Die nichtlineare Dynamik und Plastizität des vor kurzem realisierten Memristors1,2 unterstützt die Implementierung von biologienahen synaptischen Plastizitätsmechanismen wie Spike-Timing-Dependent- Plasticity (STDP). Daher ist dieses extrem kompakte Schaltkreiselement ein ausgezeichneter Kandidat zur Realisierung großer selbstadaptierender Netzwerke; ein Schritt in Richtung "autonomer kognitiver Systeme". Die intrinsischen Eigenschaften biologischer Neurone und Synapsen sowie ihre Organisation in neuronalen Netzwerken werden als Grundlage dienen um CMOS-basierte Neurone, memristive Grids, und ihre Integration in biologisch realistische neuromophische Systeme zu optimieren. Schließlich sollen neuartige Konzepte der Informationsverarbeitung für diese Rechenarchitekturen entwickelt und evaluiert werden. Spezifische Beiträge der TU-Graz in diesem Kontext: Biologische Systeme sind effizient, robust, adaptiv, verlässlich und arbeiten in Echtzeit. Carver Mead war in den 1980ern einer der Ersten der neurobiologische Prinzipien in analogen Schaltkreisen nachgeahmt hat3 - die sogenannte neuromorphische Doktrin - und ähnliche Ansätze zur Entwicklung von biologieinspirierten Systemen entstanden in der Folge. Die kognitiven Fähigkeiten biologischer neuronaler Systeme aber konnten bis heute von künstlichen Rechenarchitekturen nicht erreicht werden. Diese Situation kann teilweise durch das Fehlen fundierter Theorien über die Informationsverarbeitung und Selbstorganisation in biologischen neuronalen Systemen erklärt werden. In den letzten Jahren haben neuartige probabilistische Konzepte, basierend auf approximativer Inferenz und Sampling in neuronalen Netzwerken, verstärktes Interesse in den Bereichen der Neurowissenschaften, Kognitionswissenschaften und Neuroinformatik hervorgerufen.4,5 So wurde etwa gezeigt, dass sich spikende neuronale Netzwerke durch STDP so selbstorganisieren können, dass sie auf latente Ursachen (sogenannte hidden causes) ihrer sensorischen Inputs schließen können. 6 In diesem Projekt werden, aufbauend auf diese und ähnliche Ergebnisse, neuartige Paradigmen für probabilistische neuronale Informationsverarbeitung und Selbstorganisation entwickelt und theoretisch als auch in aufwendigen Computersimulationen untersucht werden. Memristor-basierte synaptische Elemente eröffnen die Möglichkeit, große biologisch inspirierte neuronale Netzwerke in Hardware zu implementieren, wobei die mit Abstand am häufigsten benötigten Grundelemente - plastische synaptische Verbindungen - extrem kompakt realisiert werden können. Wir werden also desweiteren untersuchen, wie die entwickelten Rechenparadigmen an diese neue Generation von neuromorpher Hardware angepasst werden können. Die Spezifikation der CMOS/Memristor-basierten Schaltkreise werden als Grundlage für diese Untersuchungen dienen. Wir werden außerdem mögliche Plastizitätsmechanismen identifizieren, welche die Adaptionsfähigkeiten dieser Systeme verbessern und mögliche Strategien der Implementierung in hybridem CMOS/Memristor Design im Konsortium diskutieren. Schließlich werden Anwendungen der entwickelten selbst-adaptierender Schaltkreise untersucht und deren prinzipielle Funktionsfähigkeit wird in Computersimulationen getestet werden. 1 J.J. Yang, M.D. Pickett, X. Li, D.A.A. Ohlberg, D.R. Stewart and R.S. Williams, Memristive switching mechanism for metal/oxide/metal nanodevices, Nature Nanotech., vol. 3, 2008. 2 L.O. Chua, Memristor-The missing circuit element, IEEE Trans. on Circuits Theory, vol. CT-18, no. 5, 1971. 3 C. Mead, Analog VLSI and Neural Systems. Reading, MA: Addison-Wesley, 1989 4 Koerding KP and Wolpert DM (2004). Bayesian integration in sensorimotor learning. Nature, 427, 244-7 5 N. Chater, J. Tenenbaum, and A. Yuille, Probabilistic models of cognition: Conceptual foundations, Trends in Cognitive Sciences In Special issue: Probabilistic models of cognition, Vol. 10, No. 7. (July 2006), pp. 287-291. 6 B. Nessler, M. Pfeiffer, and W. Maass. STDP enables spiking neurons to detect hidden causes of their inputs. In Proc. of NIPS 2009, volume 22, pages 1357-1365. MIT Press, 2010.

In PNEUMA wurden neuartige, von der Architektur des Gehirns inspirierte, und auf Nanobauelementen (Memristoren) basierende Rechenarchitekturen entwickelt. Die CMOS (complementary metal-oxide semiconductor) Technologie ist seit vielen Jahrzehnten die Standardtechnologie zur Implementierung von integrierten Schaltkreisen. Diese Technologie wird schon bald auf fundamentale Grenzen stoßen, da die Anzahl der Transistoren per Einheitsfläche (die Integrationsdichte) unüberwindbare physikalische Limits erreicht. Daher steigt das Interesse an alternativen Rechenarchitekturen, die (zumindest teilweise) nicht auf CMOS basieren. In PNEUMA wurden von der Gehirnarchitektur inspirierte neuronale Architekturen betrachtet. Es wurden CMOS Schaltkreise entwickelt die die biophysischen Eigenschaften von Neuronen nachbilden. Diese wurden über eine Matrix von Memristoren verbunden, welche die wichtigsten Eigenschaften von biologischen Synapsen nachbilden. Der Hauptvorteil von solchen memristischen crossbar arrays ist, dass im Vergleich zu CMOS- Synapsen die Synapsen-Integrationsdichte deutlich höher ist. Eine sehr wichtige Eigenschaft von biologischen neuronalen Netzwerken ist die Fähigkeit der selbstorganisierten Anpassung ihrer Funktion entsprechend der statistischen Eigenschaften der Inputsignale (lernen) durch synaptische Plastizität. Wir konnten zeigen dass eine solche Anpassung auch in memristischen System möglich ist, da die entwickelten memristischen Synapsen ähnliche plastische Eigenschaften besitzen. Das Institut für Grundlagen der Informationsverarbeitung (TU Graz), Leiter des österreichischen Subprojektes, entwickelte in PNEUMA verschiedene, stark an der Informationsverarbeitung in biologischen neuronalen Systemen orientierte, probabilistische Paradigmen der Informationsverarbeitung und des Lernens. In theoretischer Arbeit wurden neue Konzepte erstellt wie man mit dem Hauptproblem von Memristoren, ihre Unzuverlässigkeit und Stochastizität, umgehen kann. Tatsächlich wurde gezeigt dass stochastische Plastizität ausgenützt werden kann um die Lerneigenschaften von neuronalen Netzwerken zu verbessern. In Zusammenarbeit mit den anderen Projektpartnern wurde eine solche Architektur mit memristischen Synapsen implementiert. Wir konnten zeigen dass dieses System seine Funktionalität selbst-organisiert adaptieren kann. Damit haben wir die prinzipielle Machbarkeit von lernfähigen gehirninspirierten memristischen Architekturen in einem einfachen Setup nachgewiesen.

Forschungsstätte(n)
  • Technische Universität Graz - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Robert Plana, Centre National de la Reserche Scientifique - Frankreich
  • Giacomo Indiveri, University of Zurich - Schweiz
  • Chris Toumazou, Imperial College London - Vereinigtes Königreich

Research Output

  • 1218 Zitationen
  • 20 Publikationen
Publikationen
  • 2015
    Titel Nanoscale connections for brain-like circuits
    DOI 10.1038/521037a
    Typ Journal Article
    Autor Legenstein R
    Journal Nature
    Seiten 37-38
    Link Publikation
  • 2015
    Titel Network Plasticity as Bayesian Inference
    DOI 10.1371/journal.pcbi.1004485
    Typ Journal Article
    Autor Kappel D
    Journal PLOS Computational Biology
    Link Publikation
  • 2015
    Titel Distributed Bayesian Computation and Self-Organized Learning in Sheets of Spiking Neurons with Local Lateral Inhibition
    DOI 10.1371/journal.pone.0134356
    Typ Journal Article
    Autor Bill J
    Journal PLOS ONE
    Link Publikation
  • 2016
    Titel The high-conductance state enables neural sampling in networks of LIF neurons
    DOI 10.48550/arxiv.1601.00909
    Typ Preprint
    Autor Petrovici M
  • 2016
    Titel Unsupervised learning in probabilistic neural networks with multi-state metal-oxide memristive synapses
    DOI 10.1038/ncomms12611
    Typ Journal Article
    Autor Serb A
    Journal Nature Communications
    Seiten 12611
    Link Publikation
  • 2013
    Titel Integration of nanoscale memristor synapses in neuromorphic computing architectures.
    Typ Journal Article
    Autor Indiveri G
  • 2015
    Titel Synaptic Sampling: A Bayesian Approach to Neural Network Plasticity and Rewiring.
    Typ Journal Article
    Autor Kappel D
  • 2015
    Titel Network Plasticity as Bayesian Inference
    DOI 10.48550/arxiv.1504.05143
    Typ Preprint
    Autor Kappel D
  • 2015
    Titel Probabilistic inference in discrete spaces can be implemented into networks of LIF neurons
    DOI 10.3389/fncom.2015.00013
    Typ Journal Article
    Autor Probst D
    Journal Frontiers in Computational Neuroscience
    Seiten 13
    Link Publikation
  • 2015
    Titel The high-conductance state enables neural sampling in networks of LIF neurons
    DOI 10.1186/1471-2202-16-s1-o2
    Typ Journal Article
    Autor Petrovici M
    Journal BMC Neuroscience
    Link Publikation
  • 2015
    Titel Deterministic neural networks as sources of uncorrelated noise for probabilistic computations
    DOI 10.1186/1471-2202-16-s1-p62
    Typ Journal Article
    Autor Jordan J
    Journal BMC Neuroscience
    Link Publikation
  • 2015
    Titel Distributed Bayesian Computation and Self-Organized Learning in Sheets of Spiking Neurons with Local Lateral Inhibition
    DOI 10.7916/d8862g4x
    Typ Other
    Autor Buesing L
    Link Publikation
  • 2014
    Titel Ensembles of Spiking Neurons with Noise Support Optimal Probabilistic Inference in a Dynamically Changing Environment
    DOI 10.1371/journal.pcbi.1003859
    Typ Journal Article
    Autor Legenstein R
    Journal PLoS Computational Biology
    Link Publikation
  • 2014
    Titel Probabilistic inference in discrete spaces can be implemented into networks of LIF neurons
    DOI 10.48550/arxiv.1410.5212
    Typ Preprint
    Autor Probst D
  • 2014
    Titel A compound memristive synapse model for statistical learning through STDP in spiking neural networks
    DOI 10.3389/fnins.2014.00412
    Typ Journal Article
    Autor Bill J
    Journal Frontiers in Neuroscience
    Seiten 412
    Link Publikation
  • 2016
    Titel Stochastic inference with spiking neurons in the high-conductance state
    DOI 10.1103/physreve.94.042312
    Typ Journal Article
    Autor Petrovici M
    Journal Physical Review E
    Seiten 042312
    Link Publikation
  • 2016
    Titel Stochastic inference with spiking neurons in the high-conductance state
    DOI 10.48550/arxiv.1610.07161
    Typ Preprint
    Autor Petrovici M
  • 2013
    Titel Integration of nanoscale memristor synapses in neuromorphic computing architectures
    DOI 10.1088/0957-4484/24/38/384010
    Typ Journal Article
    Autor Indiveri G
    Journal Nanotechnology
    Seiten 384010
    Link Publikation
  • 2013
    Titel Stochastic inference with deterministic spiking neurons
    DOI 10.48550/arxiv.1311.3211
    Typ Preprint
    Autor Petrovici M
  • 2012
    Titel Homeostatic plasticity in Bayesian spiking networks as Expectation Maximization with posterior constraints.
    Typ Journal Article
    Autor Habenschuss S

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