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Briefwechsel Sauer-Seuffert. Kommentierte Auswahledition

Selective Edition of the Sauer-Seuffert-Correspondence

Bernhard Fetz (ORCID: 0000-0003-0032-3435)
  • Grant-DOI 10.55776/I730
  • Förderprogramm Einzelprojekte International
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.09.2012
  • Projektende 31.08.2016
  • Bewilligungssumme 280.224 €
  • Projekt-Website

DACH: Österreich - Deutschland - Schweiz

Wissenschaftsdisziplinen

Geschichte, Archäologie (30%); Philosophie, Ethik, Religion (30%); Sprach- und Literaturwissenschaften (40%)

Keywords

    Wissenschaftsgeschichte, Geisteswissenschaften, Edition, Ideengeschichte, Germanistik, Österreichische Literaturgeschichte

Abstract Endbericht

Das beantragte Projekt ist nur als transnationales durchführbar, da die Briefnachlässe in Österreich (Wien) und Deutschland (Würzburg) liegen und deren Edition vertieftes wissenschaftshistorisches Kontextwissen in den nationalen Forschungstraditionen der beiden Länder voraussetzt. Das Ergebnis des Forschungsprojekts soll eine kommentierte Auswahl-Edition sowie eine elektronisch zugängliche Gesamttranskription des umfangreichen Briefwechsels zwischen August Sauer und Bernhard Seuffert sein, zwei der einflussreichsten Germanisten ihrer Zeit. In der Korrespondenz vertritt Sauer den "österreichischen", Seuffert den "reichsdeutschen" Part. Mit dieser Edition verfolgen wir indes keine rein editorischen oder antiquarischen, sondern auch eine Reihe systematischer Interessen. 1. In der Wissenschaftsgeschichte der Germanistik herrscht bislang die Auffassung, dass die reichsdeutsche Schule des österreichischen Germanisten Wilhelm Scherer die Fachentwicklung der im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts entstandenen Disziplin dominiert habe und die österreichische Germanistik ihr lediglich gefolgt sei. Die Auswahledition wird zur Korrektur dieser Auffassung beitragen und die relative Eigenständigkeit der österreichischen Germanistik dokumentieren. 2. Der Quellenwert des Briefwechsels besteht darin, dass er kontinuierlich über den Lebensweg und die Karriere, die Ziele und Pläne der wissenschaftlichen Produktion, die Beurteilung der eigenen und der Leistungen von Kollegen und nicht zuletzt über Berufungsangelegenheiten informiert. Daneben bietet der Briefwechsel aber auch kulturhistorisch wertvolle Informationen über (mangelndes) Einkommen, akademischen Arbeitsstil und Lebensweise der Gelehrten. 3. Wir möchten zeigen, dass August Sauer nicht allein ein herausragender Wissenschaftler, Wissenschafts- und Kulturpolitiker, sondern zugleich ein strategisch denkender moderner Wissenschaftsorganisator war, dem Zeitschriften, Bibliographien, Handbücher, wissenschaftliche Institutionen, philologische Vereine, Vorträge und Kongresse Elemente eines übergreifenden wissenschaftlichen Kommunikationssystems waren, das es im Hinblick auf die beschleunigt expandierende Wissenschaft zu verbessern galt. 4. An der Korrespondenz Sauers und Seufferts lassen sich zum einen die unterschiedlichen Reaktionen auf die "Spaltung" der geisteswissenschaftlichen Disziplin in "positivistische" und "geistesgeschichtliche" ablesen; zum anderen lässt sich am Werk beider Wissenschaftler die im Zuge der schnellen Differenzierung der Germanistik notwendig gewordene Spezialisierung dokumentieren. Seuffert konzentrierte sich auf die Edition und Komposition literarischer Werke, Sauer auf die Edition und Erforschung vornehmlich österreichischer Literatur. Die Auswahledition wird nicht allein ein langfristig nützliches Referenzwerk für die wissenschaftshistorische Forschung sein, sondern darüber hinaus einen Einblick in die "plastische" Phase der Herausbildung einer österreichischen sowie groß- und kleindeutschen kulturellen Identität vermitteln, die bis in die Gegenwart diskutiert wird.

Das vierjährige Forschungsprojekt zur Korrespondenz zwischen August Sauer (18551926) und Bernhard Seuffert (18531938) beschäftigte sich mit einer zentralen wissenschafts- und kulturgeschichtlichen Quelle. Der mehr als 1200 Briefe und Karten aus den Jahren zwischen 1880 und 1926 umfassende Briefwechsel zwischen Sauer und Seuffert gehört zu den bedeutenden Germanistenkorrespondenzen des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts. Sauer und Seuffert zählten in Deutschland und Österreich zu den einflussreichsten Germanisten ihrer Zeit. Ihre Forschungsarbeiten, Publikationen und Projekte leisteten einen wichtigen Beitrag zur Herausbildung und eigenständigen Profilierung der Neueren deutschen Literaturgeschichte innerhalb der Germanistik. Die Korrespondenz ist eine reichhaltige Quelle für die Wissenschaftsgeschichte. Sie informiert über den wissenschaftlichen und beruflichen Werdegang Sauers und Seufferts sowie über ihr akademisches Umfeld, insbesondere an den Universitäten in Würzburg, Lemberg, Graz und Prag. Sie dokumentiert die Zukunftspläne, Forschungsvorhaben, Editionen und Publikationen der beiden Gelehrten, berichtet über die Formen ihrer Zusammenarbeit und wechselseitigen Unterstützung und ist eine ergiebige Quelle für die Herausbildung und Entwicklung wissenschaftlicher Praktiken im Bereich der Neueren deutschen Literaturgeschichte. Eine Quelle stellt die Korrespondenz jedoch nicht allein für die Wissenschaftsgeschichte, sondern auch für die Kulturgeschichte dar. Sie informiert über die persönlichen Lebensumstände der Korrespondenten, über Freund- und Feindschaften mit Kollegen, soziale Beziehungen am Universitätsort, über Eheschließung und Nachkommenschaft, über Krankheiten und Reisen. Hauptziel des Projekts war die Erarbeitung einer Druckausgabe, die eine Auswahl der wichtigsten Korrespondenzen enthält und durch einen umfangreichen Kommentar sowie ein Personen- und Werkregister erschlossen sind. Der Band mit rund 300 Korrespondenzstücken ist in Vorbereitung und erscheint voraussichtlich 2017. Parallel zur gedruckten Auswahlausgabe wurde eine Webplattform erarbeitet, die alle Korrespondenzen in Form von Faksimiles und Transkriptionen zugänglich macht. Alle vorhandenen Texte sind dort per Volltextsuche durchsuchbar. Die Personendatenbank ist mit weiteren digital verfügbaren Datenbanken und Quellen verknüpft. Zur Vermittlung der Inhalte wurde eine Zeitleiste entwickelt, die eine exemplarische Übersicht über das Leben der beiden Korrespondenzpartner bietet sowie ausgewählte Textstellen der Briefe herausgreift und die thematischen Zusammenhänge übersichtlich erläutert.

Forschungsstätte(n)
  • Österreichische Nationalbibliothek - 100%
Nationale Projektbeteiligte
  • Bernhard Fetz, Österreichische Nationalbibliothek , ehemalige:r Projektleiter:in
Internationale Projektbeteiligte
  • Hans-Harald Müller, Universität Hamburg - Deutschland

Research Output

  • 12 Zitationen
  • 4 Publikationen
Publikationen
  • 2016
    Titel Towards a Model for Encoding Correspondence in the TEI: Developing and Implementing
    DOI 10.4000/jtei.1433
    Typ Journal Article
    Autor Stadler P
    Journal Journal of the Text Encoding Initiative
    Link Publikation
  • 2013
    Titel Neue Quellen zur Disziplinengenese der Neugermanistik: der Briefwechsel zwischen August Sauer und Bernhard Seuffert (1880-1926).
    Typ Journal Article
    Autor Illetschko M
    Journal Geschichte der Germanistik. Historische Zeitschrift für die Philologien
  • 2014
    Titel Kritische Ausgabe oder Neudruck? Editorische Praxis, konkurrierende Editionstypen und zielgruppenorientiertes Edieren am Beginn der Neugermanistik
    DOI 10.1515/editio-2014-008
    Typ Journal Article
    Autor Illetschko M
    Journal Editio
    Seiten 102-126
  • 2014
    Titel Forschungsbericht: Der Briefwechsel zwischen August Sauer und Bernhard Seuffert (1880 bis 1926). Ein wissenschaftsgeschichtliches Forschungsprojekt untersucht die Anfänge der Neugermanistik in Deutschland und Österreich.
    Typ Journal Article
    Autor Hebenstreit D
    Journal Jahrbuch für internationale Germanistik

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